Bilddokumente und Informationen zur Geschichte des Dorfes Kuschkow aus der Spreewaldregion in der Niederlausitz

 

 

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Kuschkow am nördlichen Rand der Niederlausitz

Dies ist die private Website von Doris Rauscher, aufgewachsen als Doris Jäzosch in Kuschkow, die ältere Tochter des Müllermeisters Manfred Jäzosch und seiner Ehefrau Jutta Jäzosch, geborene Thiele. Großvater war der Kuschkower Schmied und spätere Müllermeister Bernhard Jäzosch. Ziel der Website ist es, möglichst viele der noch existierenden Dokumente, Fotos und Berichte mit ortsgeschichtlichem Bezug zu Kuschkow der Öffentlichkeit vorzustellen. Die Website versteht sich als persönliche Familien- und Heimatseite und gleichzeitig als sachliches Informationsangebot und digitales Archiv zur Dorfgeschichte.

Oben sehen Sie drei Bildausschnitte aus historischen Schulfotos, links mit dem Lehrer-Ehepaar Klintzsch, rechts mit Lehrer Wegener, mitten in der Mitte mein Vater Manfred Jäzosch; die vollständigen Fotos und Bildquellen finden Sie auf der Schulseite. Die Inhalte dieser Website mit Unterseiten werden nach bestem Wissen regelmäßig aktualisiert und erweitert, je nach zur Verfügung stehenden Dokumenten und Erkenntnissen. Anregungen, Korrekturen und sonstige Hinweise werden gern entgegengenommen und eingearbeitet, Kontaktdaten siehe ganz unten.

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Seitenübersicht

Startseite Kuschkow-Historie ‒ Das Dorf Kuschkow und seine Geschichte in Bildern und Texten

Die Kuschkower Mühle ‒ Mühlengeschichte und die Müllerfamilien Wolff / Jäzosch

Hochzeitsfeiern und Hochzeitsfotos ‒ Wie in Kuschkow und der Niederlausitz geheiratet wurde

Die Dorfschule in Kuschkow ‒ Dorflehrer und Schulkinder in Bildern und Texten

Schulchronik der Gemeinde Kuschkow ‒ Teil 1 ‒ 1891 bis 1926 ‒ Seiten 0 bis 95

Schulchronik der Gemeinde Kuschkow ‒ Teil 2 ‒ 1927 bis 1947 ‒ Seiten 96 bis 148 und Beilagen

Schulchronik der Gemeinde Kuschkow ‒ Teile 3 und 4 ‒ 1947 bis 1953 und eigene Berichte

Klassenbücher aus der Dorfschule in Kuschkow ‒ Jahrgänge 1950/51 und 1954/55

Historische topographische Karten ‒ Kuschkow und die Niederlausitz auf Landkarten ab 1687

Separationskarten und Flurnamen ‒ Vermessung und Flurneuordnung in der Gemarkung ab 1842

Der Friedhof in Kuschkow ‒ Friedhofsgeschichte, Grabstätten und Grabsteine
 




Die Schulchronik der Schule zu Kuschkow 1891 - 1953
Teil 2:  1927 - 1947

Einen Einführungstext zu Entstehungsgeschichte und Abschrift der Schulchronik finden Sie am Anfang im Teil 1 (siehe oben, Seitenübersicht). Ursprünglich als reine Schulchronik begonnen, entwickelten sich die Niederschriften der Lehrer zunehmend ab etwa 1922 auch zur allgemeinen Ortschronik.



 1927  (Chronik Seiten 96 - 97)    Faksimile-Foto von Seiten 96 - 97 

Seite 96
Nachstehender Aufsatz ist im Jahrgang 1927 des Lübbener Kreiskalenders abgedruckt: "Beiträge zur Chronik des Dorfes Kuschkow. Von Lehrer F. Wegener."
{Oben auf dieser Chronik-Seite der eingeklebte Artikel, siehe Faksimile-Foto ab Seite 96. Der vollständige Aufsatz wird hier auf der Website auch als gut lesbare PDF-Datei angeboten, siehe Literaturverzeichnis unten oder direkt hier: }

Ergänzungen zur Chronik (Nach alten Büchern und Urkunden der Krugauer Pfarre, zusammengestellt von Oberleutnant Kurt Zeitzler) Kreiskalender 1928, Seite 54-56.
"Kuschkow hat schon in ältesten Zeiten eine eigene Begräbnis- oder Betkapelle besessen. Erst am 2. Novb. 1643 erhält die Gemeinde durch den Chur-Sächsischen Offizial Johann Georg Hütten die Erlaubnis zum Bau einer Kirche. Diese stand dann in der Gegend der Elznerschen Familienhäuser auf dem sogenannten Kointz. Es war ein sehr einfacher Bau mit Strohdach, der jährlich nach den seit 1719 erhaltenen Kirchenrechnungen eine Unmenge Reparaturkosten verschlang. Ende des 18. Jahrhunderts taucht dann der Gedanke eines Kirchenneubaus auf. Zu der Bausumme bewilligte am 16. Februar 1803 der Landesherr Friedrich August von Sachsen 200 Thaler. Der Rest sollte zur Hälfte von der Gemeinde sofort aufgebracht, zur anderen Hälfte geliehen und von der nächsten Generation abgezahlt werden. Wegen "der kriegerischen und bedrängten Zeiten" waren aber die Kräfte ...

Seite 97
{Oben auf dieser Seite wieder der eingeklebte Artikel von F. Wegener, siehe im Faksimile-Foto ab Seite 96.}

... der Gemeinde so erschöpft, daß aus dem Bau nichts wurde. Der geplante Neubau kam erst 1836 zustande. Er soll nach einem Entwurf von Schinkel gebaut sein und kostete 5000 Thaler. Von dieser Summe schenkte der preußische König Friedrich Wilhelm III. 1500 Thaler. Die Orgel wurde 1846 eingebaut."
1771-1772. Große Teuerung. Der Scheffel Roggen kostet 8 Thaler (sonst 1 ½ Thaler) "Und haben die Leute an vielen Orten Kaff und Spreu gemahlen und gebacken, auch wohl zermalmt und Brot daraus gebacken."
1854, 29. Juni Großes Gewitter und Wolkenbruch.
1857, 19. Juni   )  Großfeuer in
1865, 10. Sept. )  Kuschkow
Nach den Kirchenbüchern betrug die Seelenzahl in Kuschkow im Jahre 1861 – 583.
Nach den amtlichen Mitteilungen des Lübbener Kreisblattes 1860 aber 619 Einwohner.



 1927  (Chronik Seiten 98 - 99)    Faksimile-Foto von Seiten 98 - 99 

                                                                          1927
Seite 98 (linke Spalte, Schulchronik)
Ab 6. Januar 1927 fand auf Veranlassung des Herrn Landrats in Lübben eine Zusammenkunft sämtlicher ländl. Fortbildungsschullehrer statt. Unter dem Vorsitz des Ökonomierates Lembke wurden wichtige Fragen aus der Unterrichts- und Erziehungsarbeit besprochen. Lehrer Wegener hielt einen Vortrag über seine bisherigen Erfahrungen in der Arbeit an der ländl. Fortbildungsschule.
     1. Februar Kataster: Schülerzahl 63.
Am 27. Januar und 14. Februar vergnügten sich Lehrer und Schüler auf dem Eise. Die überschwemmten Wiesen hinter Herrn Elsners Grundstück boten eine herrliche Laufbahn auf der spiegelglatten Fläche.
Anläßlich der 100. Wiederkehr des Todestages Joh. H. Pestalozzis (17. Febr. 1927) fiel der Unterricht am genannten Tage aus. Es wurde eine Schulfeier, auch in der Fortbildungsschule, abgehalten.
Der Gesundheitszustand der Kinder ist im Vergleich zu andern Gemeinden zufrieden stellend. Nur einmal fehlten Ende Januar an einem Tage von 63 Kd. 13 Kd. Im übrigen hielten sich die Grippeerkrankungen in ihren Grenzen.
Am 19. III. unternahm der Lehrer mit den Schulkindern der Unterstufe einen Ausflug nach Großleuthen.
Am 31. III. 1927 wurden 3 Mädchen und 6 Knaben aus der Schule entlassen und am 3. April (Judika) konfirmiert. Aufgenommen wurden am 1. April 1927 4 Mädchen und 6 Knaben.

Seite 98 (rechte Spalte, Ortschronik)
Das neue Jahr begann mit nassen Regentagen, wodurch das Hochwasser den Stand des Sommerhochwassers erreicht hatte. Das Grundwasser ist nun auch in den Keller des verhältnismäßig hochgelegenen Schulhauses eingedrungen, ein Zustand, der sich seit den 50er und 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts zum erstenmale wiederholt. (K. 20. Juni 1927)

Fortbildungsschule: Halbjahr 1926/27.
Unterrichtsbeginn:  2. November 1926
Unterrichtsschluß:  27. Februar 1927
Lehrer Wegener unterrichtete   62 Std.
Turnwart Dillan         ''             31 Std.
Beide zusammen       ''             93 Std.

Zahl der Fortbildungsschüler 29, 1 Abgang

Davon waren beschäftigt
  a. in der Landwirtschaft (Gartenbau)
  b. in techn. Nebenbetrieben d. Landw.
  c. als Handwerkerlehrlinge
  d. als Kaufmannslehrlinge
  e. als gewerbl. Arbeiter
  f. in sonstigen Berufen (Musiker)

16,  1 Abg.
  1
10
  -
  -
  2   
 29.
 


Die Vereinstätigkeit war auch in diesem Winter sehr rege. Der Turnverein veranstaltete am 8. Januar sein Wintervergnügen mit Theateraufführungen, u. a. "Schlageters Heldentod". Der Gesangverein beteiligte sich am 13. Februar geschlossen an der Feier des 50 jährigen Jubiläums des M.G.V. in Neulübbenau; am 19. Febr. veranstaltete er sein Wintervergnügen.

Seite 99
Eingeklebter Ausschnitt aus dem Lübbener Kreisblatt vom Donnerstag, d. 26. und Sonnabend d. 28. Mai 1927 "Fahnenweihe und Sportplatzeinweihung des Kuschkower Turnvereins."  {Artikel bitte im Originaltext lesen, siehe direkt hier: }

Turnverein "Jahn", Gruppenbild zur Fahnenweihe in Kuschkow am 22.5.1927. Zu diesem Ereignis gab es den oben erwähnten Beitrag im Lübbener Kreis-Kalender von 1928 (siehe direkt hier: ).

 


 1927  (Chronik Seiten 100 - 101)    Faksimile-Foto von Seiten 100 - 101 

Seite 100 (linke Spalte, Schulchronik)
Die Regierung bewilligte dem Lehrer Wegener, obwohl sich der Schulvorstand und die kirchlichen Körperschaften ablehnend verhielten, die regierungsseitig beantragte Erhöhung der Stellenzulage von 252 Rm. auf 327,00 Reichsmark.

Der Elternabend unserer Schule am 19.März nahm einen würdigen Verlauf. Nach dem einleitenden Chorliede "Hie gut Brandenburg allewege" sprach die erste Schülerin Liesbeth Lehmann einen Prolog. Dann folgten weitere Vorträge von Chorgesängen: "Kennt ihr das Land, so wunderschön", "Sah ein Knab ein Röslein stehn", "Ein Jäger aus Kurpfalz" (im Kanon). In Anlehnung an das Bibelwort aus der Bergpredigt (Matth.5, 13-16): Ihr seid das Licht der Welt, das Salz der Erde, ermahnte der Lehrer die Eltern, sich ihrer Erzieherpflichten bewusst zu werden, ihren in Worten und Werken Vorbilder zu sein. Auch für die Jugend hatte er kräftige Worte. Danach wurden Theaterstücke zur Aufführung gebracht: 1) Annas Traum 2) Heinzelmännchen 3) Die Wunderglocke (5 Akte). Reicher Beifall lohnte den und die Veranstalter. Gemeindevorsteher Görzig dankte im Namen der Gemeinde und richtete an die Eltern die herzliche Bitte, die Worte des Lehrers in die Tat umzusetzen. Der Kassenbestand für Eintrittsgeld betrug (à 0,50 Rm) = 91,50 Rm. Aus dem Erlös wurden angeschafft:

   1 Wandkarte: östliche u. westliche Halbkugeln
   1 Bandmaß 25m lang
   1 Reichsflagge "schwarz rot gold"
   1 Anschauungsbild "Klosterhof"
   Bibliothekbücher
   1 Schlagball
   1 Wolfsmaske und 1 Bartmaske
   Auslagen: Theaterstücke
   Auslagen: Saalmiete
   Auslagen: Faustball repariert
   Auslagen: Porto, Verpackung usw.
                                                          Rm.
32,00
14,25
12,00
3,80
8,00
1,50
2,35
9,00
4,70
1,35
2,55
91,50
 


Seite 100 (rechte Spalte, Ortschronik)
Die Gastwirtschaft des Herrn Otto Lehmann ging am 1. Juli 1927 in die Hände des Herrn Gottfried Maschke aus Kummersdorf, Kreis Teltow, über. Gesang- und Turnverein veranstalteten zu Ehren des scheidenden Vereinsbruders, der 21 Jahre unserer Gemeinde angehörte, einen Abschiedsabend. Herr Lehmann siedelt nach Berlin über.

Die "Kuschkower Singschar" unternahm am 10. Juli eine Radpartie nach dem Scharmützelsee. Die große Fläche des herrlichen Sees mit seinen zahlreichen Motorbooten, der Anblick einer Segelregatta von 100 Segeljachten, das Leben und Treiben auf der Saarower Kurpromenade, die Rauener Berge mit den Markgrafensteinen und dem Aussichtsturm boten den Singmädels viel Neues und Schönes, das ihnen unvergesslich bleiben wird.

Das Einbringen des ersten Schnittes (Heuernte) wurde den Landwirten wieder durch das im Monat Juni und Juli auftretende Hochwasser erschwert. Bis an die Hüften im Wasser stehend, bemühten sich die Leute, das Gras in Sicherheit zu bringen. Die Heuernte dürfte im großen und ganzen als gut zu bezeichnen sein, stellenweise ist das Gras mannshoch gewachsen.

Am Sonntag, dem 17. Juli wurden die volkstümlichen Dörferwettkämpfe der Turnvereine von Gröditsch, Krugau, Pretschen und Schlepzig sowie Kuschkow in unserem Orte abgehalten.

In der Nacht vom 17. zum 18. Juli setzte ein wolkenbruchartiger Regen ein, der bis 10 Uhr morgens ununterbrochen andauerte und in unserer Feldmark großen Schaden anrichtete. Überall stehen unsere Kartoffelfelder im blanken Wasser. Ein großer Teil der noch draußen liegenden Heuhaufen steht im Wasser. Die Regenperiode dauerte die ganze Woche an bis zum 24. Juli. Wegen der ungün-...

Seite 101 (linke Spalte, Schulchronik)
Schulbesuchsziffer am 1. Mai 1927

Oberstufe:  6./8. Schuljahr
Mittelstufe:  4./5. Schuljahr
Unterstufe:      3. Schuljahr
2. Schuljahr
   1. Schuljahr
insgesamt:    
13 Kn.
4 Kn.
2 Kn.
7 Kn.
     7 Kn.
33 Kn.
8 Mdch.
10 Mdch.
2 Mdch.
9 Mdch.
     4 Mdch.
33 Mdch.





   =   66 Kinder


Bei einem Schlagballwettspiel zwischen der Kuschkower und Neulübbenauer Schule gewannen die Kuschkower mit
38:15 Punkten (2. Mai 1927.) Desgleichen gegen die Pretschener Schule 24:22 (15. Mai.)

Ferienordnung:


Pfingstferien:
Sommerferien:
Herbstferien:
Weihnachtsferien:
Letzter Schultag
04. Juni
16. Juli
20. September
21. Dezember
Erster Schultag
14. Juni
08. August
17. Oktober
06. Januar
 


Die Feier des Verfassungstages am 11. August wurde in würdiger Weise begangen. Über der Haustür flatterte die Reichsflagge. Seitens der Eltern und sonstigen Gönner der Schule waren 2 Männer und 10 Frauen erschienen. Zur Einführung in das Wesen der Reichsverfassung hielt der Lehrer mit den Schulkindern eine Lektion über "Reichspräsident-Reichsregierung-Reichstag, unter besond. Berücksichtigung des Gedankens "Die Staatsgewalt geht vom Volke aus." Festfolge nebenstehend:
 1. Gemeins. Gesang: Ich hab mich ergeben.
 2. Vorspruch: Röm. 13. Jedermann sei untertan d. Obrigkeit
 3. Gedicht: Deutschland über alles.  4. Strophe
 4. Gedicht: Was ist des deutschen Vaterland? (Arndt)
 5. Chor: Kennt ihr das Land so wunderschön.
 6. Gedicht: Treue Liebe bis zum Grabe.
 7. Chor: Freiheit, die ich meine.
 8. Gedicht: "Heilige Ordnung, segenreiche Himmelstochter" (F. v. Schiller)
 9. Festrede: Die Entstehung und Bedeutung der Weimarer Verfassung
10. Lehrprobe: Reichspräsident, Reichsregierung u. Reichstag
11. Hoch auf das deutsche Vaterland
12. Gemeins. Gesang: Deutschland, Deutschland über alles.

Der Lehrerverein Großleuthen und Umgegend hielt am Sonnabend, dem 7. Mai 1927 in Kuschkow im Lehmannschen Lokale eine Vereinssitzung (Wandersitzung) ab. Nach Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten hielt Lehrer Brummack (Wiese) einen Vortrag über das Thema "Für und wider die Zensuren", an den sich eine rege Aussprache anschloß.

Seite 101 (rechte Spalte, Ortschronik)
... stigen Wetterverhältnissen hielt Herr Pfarrer Zeitzler am 24. Juli (Sonntag) in Krugau und Kuschkow Notgottesdienste ab, wobei er den Text des 77. Psalms seiner Notpredigt zugrunde legte.
Am 21. Juli verstarb in unserem Orte der letzte Mitkämpfer der 3 großen Einigungskriege 1864, 1866, 1870/71, der Bauernauszügler Friedrich Androck im Alter von 86 Jahren. Er wurde vom Kriegerverein mit allen militärischen Ehren zur letzten Ruhe bestattet.
Die steigende Flutwelle des Spreehochwassers erreichte am 29. Juli ihren Höchststand, der an einzelnen Stellen den Höchststand des Juni-Hochwassers 1926 um 5 cm übertraf. Seit dem 30. Juli ist ein langsames Fallen eingetreten. Der 2. Heuschnitt gilt als verloren.



 1927  (Chronik Seiten 102 - 103)    Faksimile-Foto von Seiten 102 - 103 

Seite 102 (linke Spalte, Schulchronik)
Gemäß Min. Erlaß vom 30. April 1927 wurde die Rangordnung für die Schüler aufgehoben. Nunmehr hat der Wettstreit um den ersten Platz sowie das Herauf- und Heruntersetzen, wodurch in den Kreisen der Schüler und Elternschaft oftmals Neid und Missgunst erweckt worden sind, sein Ende erreicht.
Entsprechend der Reg. Verfüg. v. 22. Juli wurde auch hier die 24 Stundeneinteilung eingeführt. Also
1345 = 145 Uhr nachmittag = ¾ 2 Uhr nachm.
1630 = 430 Uhr nachmittag = ½ 5 Uhr nachm.
2100 = 900 Uhr ... {wohl abends gemeint}
Am Freitag, dem 2. September 1927 besichtigte Herr Schulrat Kolepke den Turnunterricht der hiesigen Schule.

Bei den Reichsjugendwettkämpfen am Montag, dem 19. September 1927 auf dem Sportplatz in Gröditsch errangen folgende Schüler eine Urkunde:
     1. Altersklasse (1913/14, die 13. u. 14jährigen:)
Willi Kühne mit 43 Punkten
Gerhard Konrad mit 41 Punkten
     2. Altersklasse (1915/16, die 11 u. 12jährigen)
Werner Schulze mit 53 Punkten
Walter Rattei mit 45 Punkten

Am Sonnabend, dem 22. Oktober unternahm der Lehrer mit 33 Schulkindern, meist aus der Ober- und Mittelstufe, sowie 16 Jugendlichen der Kuschkower Singschar einen Ausflug nach Lübben (auf dem Leiterwagen des Herrn Otto König) zwecks Teilnahme an der Filmvorführung "Ben Hur". Die Szenen aus der Religionsgeschichte "Stern zu Bethlehem", "Die Weisen aus dem Morgenlande", "Einzug in Jerusalem", "Heilung der Aussätzigen", "Golgatha" sowie die Seeschlacht und das Wagenrennen in Antiochien übten einen tiefen Eindruck auf die Kinder aus.
 

Lübben um 1930
So sah das Stadtbild von Lübben aus mit Spree und Paul-Gerhardt-Kirche zur Zeit des beschriebenen Ausflugs der Schulkinder von Kuschkow in die Stadt (Ansichtspostkarte mit einer Fotografie wohl aus den frühen 1930er Jahren, verschickt und gestempelt 1938; diese Karte ist kein Bestandteil der Schulchronik).











 
 

 

Schulverbandbeiträge 1927:
Beschulungsgeld 1927:
Bewill. Ergänzungszuschüsse 1927:
4112,40 RM
2016,00 RM
0600,00 RM
   

 
Seite 102 (rechte Spalte, Ortschronik)
Der Kriegerverein stiftete unserer Kirche eine künstlerisch ausgestattete Kriegschronik 1914-1918, welche die Namen der im Weltkriege 1914-18 gefallenen Helden sowie sämtlicher dem Verein angehörenden Mitkämpfer enthält.
Nach einer am 13. August vorgenommenen Zählung befinden sich in Kuschkow 205 Fahrräder und 1 Motorrad. Radioanlagen besitzen Kaufmann Güthler und Büdner E. Ternick.
Beim Schützenfest des Kriegervereins am 28. August errang Kamerad F. Barwar die Königswürde.
Ungeheure Wolkenbrüche kamen am 25. u. 26. August nieder, welche in der Feldmark ungeheuren Schaden anrichteten. Die Kartoffeln sind meistens angefault.

Am 13. Septb. 21 Uhr veranstaltete der Kreisausschuß für Jugendpflege im Schulzschen Saale Matschke {Name Matschke wurde später hinzugefügt} mit dem Kreiswanderkino Filmvorführungen:
1. Braunkohlengruben der Niederlausitz
2. Scherzfilm über die Elektrizität.
3. Tierfang in Abessinien (Kulturfilm)
Die Vorstellung war von ungefähr 100 Personen, meist Jugendlichen und Schulkindern besucht.

Der achtzigste Geburtstag des Reichspräsidenten Hindenburg am 2. Oktober 1927 wurde wie überall auch in unserer Gemeinde würdig gefeiert. Der Kriegerverein veranstaltete am Sonntag gemeinsamen Kirchgang, im Anschluß daran eine Festsitzung im Schulzschen Lokale. Das Schulhaus war mit der neuen, einzelne Häuser mit der alten (schwarz weiß roten) Reichsflagge geschmückt. Im Unterricht der letzten Schulstunde würdigte der Lehrer die Verdienste des 80jährigen Reichspräsidenten als Sieger von Tannenberg, Chef des Generalstabs, Organisator des Rückmarsches 1918, als Reichspräsidenten. Am letzten Schultage vor den Herbstferien wurde eine schlichte Schulfeier veranstaltet.
Während des Gottesdienstes am 2. Oktober würdigte neben der Erntedankfestpredigt Herr Pastor Zeitzler in einer Ansprache die Verdienste des Reichspräsidenten. Der Schülerchor sang zu Beginn der kirchlichen Hindenburgfeier "Großer Gott, wir loben Dich", die Gemeinde zum Schluß des Gottesdienstes stehend das Kriegsgebet "Wir treten zum Beten".

Seit dem 1. Oktober 1927 wird das Mädchenturnen (gemeinsam mit dem Turnunterricht der Knaben) eingeführt.

Seite 103 (linke Spalte, Schulchronik)
Herr Schulrat Kolepke, der seit dem 10. Dezb. 1919 den Schulaufsichtskreis Lübben verwaltete, wurde zum 1. Oktober 1927 nach Potsdam versetzt. Es ist dem scheidenden Vorgesetzten zur Ehre nachzusagen, daß er sich mit ganzer Kraft für die Förderung des infolge Kriegs- und Nachkriegszeit darniederliegenden Landschulwesens eingesetzt hat. Als erster hauptamtlich tätiger Schulaufsichtsbeamter nach der Aufhebung der geistlichen Orts- und Kreisschulinspektion war er vor allen Dingen darauf bedacht, die sprichwörtlich gerühmte Gewissenhaftigkeit, Pünktlichkeit und Pflichttreue des preußischen Beamten des kaiserlichen Regierens unter den ihm unterstellten Lehrern auch in der bewegten Revolutions- und Nachrevolutionszeit zu erhalten. Stets war er darauf bedacht, auch den äußeren Zustand des Schulhauses und Klassenzimmers ordnungsmäßig instand gehalten zu wissen. Wo es not tat, wie z.B. in Kuschkow, trat er offen beim Schulvorstand für sofortige Abstellung von baulichen Mängeln ein. Die Interessen der Schule und des Lehrers vertretend, galt seine vornehmste Pflicht. Im Unterricht legte Herr Schulrat Kolepke besonderen Wert auf Deutsch, Rechnen und sittliche Erziehung, ebenfalls auf Heimatkunde und vaterländische Geschichte.
Das Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung nannte Herrn Schulrat Pflüger (ehemal. Seminaroberlehrer in Schweidnitz (Schlesien) zu seinem Amtsnachfolger.

Kirchliche Statistik über das Jahr 1927.
Geboren:
Verstorben:
Eheschließungen:
Zahl der Abendmahlgäste:
{Die ursprünglich an dieser Stelle vorgesehenen Statistikzahlen fehlen, sie wurden nicht eingetragen.}

Frau Lehrer Klintzsch und Frau Kaufmann Köllnick stifteten unserer Kirche zum Weihnachtsfest 1927 einen wertvollen silbernen Abenmahlskelch.
Der Gesundheitszustand der Kinder war im Jahre 1927 außerordentlich gut. Von epidemischen Erkrankungen (Masern usw.) blieben die Kinder diesmal verschont.

Seite 103 (rechte Spalte, Ortschronik)
Aus Anordnung der der vorgesetzten Behörden wurde die Feier des Reformationsfestes diesmal am 31. Oktober in unserer Gemeinde begangen. Der Tag war schulfrei. Der Lehrer veranstaltete mit den Schulkindern gemeinsamen Kirchgesang.

Die seit den letzten Jahren allerorts einsetzende Propaganda für den 31. Oktober als Weltspartag wurde auch hier in gemeinsamer Zusammenarbeit des Rendanten {Kassenwart, vom frz. Rendre compte = Rechenschaft ablegen, war im Rechnungswesen der Gemeinden gebräuchlich} der hiesigen Spar- Darlehenskasse, Herrn Köllnick mit dem Lehrer erfolgreich durchgeführt. In zweijähriger stiller Arbeit konnte am 31. Oktober 1927 festgestellt werden, daß von 65 Schulkindern bereits 31 eine mehr oder weniger gefüllte Heimsparbüchse besitzen. 15 Schulkinder sind im Besitz eines Kontobuches (Sparkassenbuch).

Fortbildungsschule.
Der Unterricht an der ldl. Fortbildungsschule (Halbjahr 1927/28) wurde am 1. Novb. 1927 mit 22 Schülern aufgenommen.

Die 2. Hälfte des Monats November brachte schneidende Winterkälte. Am 15. Novb. fiel der erste Schnee. Am Sonnabend vorm Totenfest bekamen wir schneidenden Nordostwind, der mehrere Tage andauerte. Am 22. Novb. früh 8 Uhr zeigte das Thermometer -10° Celsius. Am Donnertag, dem 24. Novb. trieben Lehrer und Schüler auf der überschwemmten Puischa-Wiese Eissport mit Schlittschuhlaufen und Schlittenfahren. Nachmittag trat gelindes Tauwetter ein. Im Dezember Schneefall und Frost.
Am Dienstag, dem 13. Dezember besichtigte Herr Schulrat Pflüger die hiesige ländliche Fortbildungsschule.

Am Abend des 23. Dezember 1927, als sich der Männerchor, der Schulchor und die Singschar zur Übungsstunde zwecks Chorprobe zum Weihnachtsfest zur Schule begeben wollte, erstrahlten unsere Straßen plötzlich in hellem Lichte. Die Gemeindeväter hatten unserem Orte als Weihnachtsgeschenk die seit langem notwendig gewordene Straßenbeleuchtung beschert. Es wurden in unserem Orte 5 Lampen angebracht: Je eine in der Podewasnastraße, Dorfstraße, Kirchstraße, Koinzstraße und vor der Maschkeschen Gastwirtschaft.

Bis zum 22. Dezb. bescherte uns der Wettergott recht kalte Wintertage mit starkem Schneefall. Am Montag, d. 19. Dezb. und am Dienstag, d. 20. Dezb. zeigte das Thermometer früh 700 Uhr – 23° Celsius, eine Temperatur, die seit Jahrzehnten nicht erreicht worden ist. Am 23. u. 24. Dezember trat starkes Tauwetter ein.



 1928  (Chronik Seiten 104 - 105)    Faksimile-Foto von Seiten 104 - 105 

                                                                          1928
Seite 104 (linke Spalte, Schulchronik)
Die Schülerzahl betrug am 1. Februar 65 Schulkinder (Februarkataster)
Zum Schlusse des Schuljahres 1927/28 wurden am 31. März 1928  4 Schulkinder, 2 Knaben und 2 Mädchen entlassen. Eine Besichtigung der Schule durch den Herrn Schulrat des Kreises Lübben fand nicht statt.

          Osterferien:
Letzter Schultag: Sonnabend, 31. März 1928
Erster Schultag: Montag, 16. April 1928.
Neu in die Schule aufgenommen wurden am 1. April 1928  11 Schulkinder, 6 Knaben, 5 Mädch.

          Schulbesuchsziffer am 16. April 1928

Oberstufe      8. Schuljahr
Oberstufe  6./7. Schuljahr
Mittelstufe  4./5. Schuljahr
Unterstufe  2./3. Schuljahr
Anfänger      1. Schuljahr
   
8 Knaben
4 Knaben
3 Knaben
13 Knaben
   5 Knaben
33 Knaben
7 Mädchen
4 Mädchen
8 Mädchen
12 Mädchen
   8 Mädchen
39 Mädchen





   =   72 Kinder

 
Am 12. Mai besichtigte Herr Schulrat Pflüger von 7-10 ¼ Uhr den Unterricht der Ober- und Mittelstufe. Zur Behandlung kamen in:
Religion: Der Sündenfall,
Deutsch: Volkers Nachtgesang (Oberstufe)
Deutsch: Besprechung u. Berichtg. eines Diktats (Mittelstufe)
Geschichte: Die Burschenschaftsbewegung
Naturkund: Die Frühlingsblumen.
Rechnen: Angew. Bruchrechnung.
Über die Leistungen in Deutsch, Rechnen, Geschichte und Naturkunde sprach Herr Revisor seine Zufriedenheit aus. In Religion wollte er die ethischen Grundbegriffe gründlicher herausgearbeitet wissen.

Seite 104 (rechte Spalte, Ortschronik)
Am Sonnabend, dem 7. Januar 1928 veranstaltete der Turnverein im Maschkeschen Saale sein Wintervergnügen verbunden mit Theateraufführungen ernsten und heiteren Charakters. Im 2. Teil des Abends führte Turnwart H. Dillan mit einer Musterriege Geräteübungen am Reck und Barren vor, welche mit lebhaftem Beifall aufgenommen wurden.
Der Männergesangverein Concordia feierte am 21. Januar sein Wintervergnügen, verbunden mit Chorgesängen und theatralischen Aufführungen, ferner Sologesängen. Das Glanzstück des Abends bildete die Vorführung des Singspiels "Alt Heidelberg, du feine". Der Kriegerverein ließ am 4. Febr. das Filmwerk "Grüß mir das blonde Kind am Rhein" vorführen.

   Fortbildungsschule Halbjahr 1927/28.
Unterrichtsbeginn: 1. November 1927
Unterrichtsschluß: 28. Februar 1928
Lehrer Wegener unterrichtete 60 volle Stunden
Turnwart Dillan           ''        29   ''        ''
               
beide zusammen   89 volle Stunden.
   Zahl der Fortbildungsschüler:  23.
Davon waren beschäftigt:
   a. in der Landwirtschaft         15
   b. als Handwerker                  8 
   a. in der Landwirtschaft         23.

Am 29. Februar 1928, Abend 10 ½ Uhr ertönte plötzlich Feueralarm. Dem Anbauern Otto Androck brannten eine Scheune und ein dicht daneben stehender Holzschuppen nieder. Unter den telephonisch herbeigerufenen Feuerwehren der Nachbardörfer erschien die Pretschener freiwillige Feuerwehr an erster Stelle. Ansonsten waren Löschmannschaften von Gröditsch, Kossenblatt, Altschadow, Dürrenhofe und Krugau erschienen. Nach beendigter Löschhilfe verunglückte auf der Rückfahrt von der Dürrenhofer Löschmannschaft der Bauer Marker (Dürrenhofe) durch Sturz von der Spritze tödlich.

Sonntag, den 15. April wurde der Heimatfilm "Lübben, der Spreewaldkreis" im Maschkeschen Saale vorgeführt. Während der Pausen und der Vorführungen erfreuten uns Lehrer Mache und seine Lübbener Singgemeinde durch ihre Lieder und Volkstänze. Auch die Kuschkower Chöre beteiligten sich eifrig an den musikalischen Darbietungen.

Seite 105
Am Sonntag, dem 6. Mai 1928 beging die Gemeinde Kuschkow in schlichter, würdiger Weise das Fest der 600 Jahrfeier. Eine besondere Ehrung wurde der Gemeinde durch das Erscheinen des Herrn Vizegeneralsuperintendenten Buchsel zuteil, welcher die Festpredigt hielt. Das Fest nahm folgenden Verlauf. Um ¾ 2 Uhr Nachmittag traten die Ehrenjungfrauen, der Krieger-, Gesang- und Turnverein vor dem Schulzschen Lokale an. Unter den Klängen der Lehnigerschen Kapelle marschierten die Vereine zur Kirche. Das festlich geschmückte Gotteshaus war bis auf den letzten Platz gefüllt. Als der Generalsuperintendent und der Ortsgeistliche die Kirche betraten, erhoben sich die Kirchenbesucher von ihren Plätzen. Zur Einleitung spielte der Lehrer ein Präludium in G-dur von Joh. Seb. Bach. Nun folgten, liturgisch aufgebaut, Schriftverlesungen des Ortspfarrers, Chorgesänge des Männer- und Gemischten Chores, Sologesänge von Frau Emilia Schmidt (Sopran) u. Frau Wegener (alt), Violinsoli von Lehrer Schulz (Neulübbenau). Die Gemeinde sang "Großer Gott, wir loben Dich" und als Predigtlied "Bis hierher hat mich Gott gebracht". In Anlehnung an das Bibelwort, Psalm 143, 5+6 "Ich gedenke an die vorigen Zeiten, ich rede von allen Deinen Taten und sage von den Werken deiner Hände ..." hielt der Vizegeneralsuperintendent mit zu Herzen gehenden Worten die Festpredigt.

Im Anschluß an den Gottesdienst erfolgte seitens der Vereine ein Ummarsch durch das Dorf bis zum Platz an der Friedenseiche. Fräulein Johanna Jäzosch eröffnete den Festakt durch einen Prolog, dessen Inhalt die Verdienste des Lehnsmanns, des Ortsrichters und Ortsschulzen würdigte. Zum Schluß überreichte sie dem Gemeindevorsteher den alten Schulzenstab mit der Bitte, ihn dem Festtage zur Ehrung seines Amtes zu tragen. Darauf übergab sie ihm eine künstlerisch angefertigte Abschrift des Kaufbriefes vom 1. Mai 1328. Nunmehr ergriff Gemeindevorsteher das Wort zur Begrüßungsansprache. Darauf bestieg Rittergutsbesitzer Paschke – Pretschen die Rednertribüne, welcher im Auftrage der Kreisbehörde die Glückwünsche und Grüße des Landrats übermittelte. Seine Ansprache endete mit einem Hoch auf die Gemeinde Kuschkow. Im Anschluß daran hielt der Lehrer des Ortes die Festrede, in welcher er einen zusammenfassenden Rückblick über die 600jährige Vergangenheit von Kuschkow gab. Zum Schluß dankte der Vorsitzende des Festausschusses, Sattler, allen, die zur Verschönerung und zum Gelingen des Festes beigetragen hatten. Seine Worte schlossen mit einem Hoch auf das Vaterland, dem sich der gemeinsame Gesang des Deutschlandliedes anschloß. Danach nahmen die Vereine Paradeaufstellung. Es erfolgte nun der Vorbeimarsch sämtlicher Vereine vor den Ehrengästen. Am Abend vereinigte ein harmonisch verlaufenes Kränzchen in beiden Sälen alt und jung der Gemeinde bei feierlichem Spiel und Tanz.
                                         / ges. 12.5.28  ..........

Am Sonntag, dem 20. Mai 1928 fanden die Wahlen zum Reichstag und Preußischen Landtag statt. Die Beteiligung an der Wahl war diesmal schwächer als sonst. Von 327 Wahlberechtigten gaben für den Reichstag 258, für den Landtag 259 ihre Stimmen ab, also nur 79%. Die Ergebnisse:


Nr. 1. Sozialdemokraten
 ''   2. Deutschnationale Volksparteil
 ''   3. Zentrum (katholische Partei)
 ''   4. Deutsche Volkspartei
 ''   5. kommunistische Partei
 ''   6. Deutsch-Demokratische Partei
 ''   9. Wirtschaftspartei des Mittelstandes
 ''  15. Christlich nationale Bauern- u. Landvolkpartei
ungültige Stimmen
Reichstag
7 Stimmen
171     ''      
1     ''      
2     ''      
9     ''      
2     ''      
22     ''      
37     ''      
     7     ''      
258 Stimmen
Landtag
7 Stimmen
34     ''      
-     ''      
3     ''      
10     ''      
2     ''      
21     ''      
175     ''      
     7     ''      
259 Stimmen
 


Die Ober- und Mittelstufe der hiesigen Schule unternahm am Mittwoch, dem 23. Mai eine Wanderung über Pretschen nach Altschadow. Dort forderte sie die Schule in Altschadow zum Schlagballspiel auf, bei dem die Kuschkower gewannen. Nach kurzer Rast im Gasthaus wurde der Neuendorfer See besichtigt. Der Rückmarsch verzögerte sich um einige Stunden, da mehrere Gewitter mit Wolkenbrüchen einen Weitermarsch unmöglich machten. Um 4 Uhr wurde aufgebrochen und über Neuschadow gewandert. Um 6°° Uhr nachm. langten Lehrer und Schüler wohlbehalten in Kuschkow an.

   Pfingstferien:  Letzter Schultag: Freitag, 25. Mai 1928
   Pfingstferien:  Erster       ''      : Dienstag, 5. Juni 1928.



 1928  (Chronik Seiten 106 - 107)    Faksimile-Foto von Seiten 106 - 107 

Seite 106 (linke Spalte, Schulchronik)
Am 10. Juni 1928 sollte auf behördliche Anordnung die Elternbeiratswahl stattfinden. Zu der 1. Versammlung der Elternschaft waren nur 4 Personen erschienen; zur 2. Versammlung, in welcher der Wahlvorstand gewählt und die Kandidatenlisten aufgestellt werden sollte erschien niemand. Mithin konnte kein Elternbeirat gewählt werden.

Anläßlich eines Sportfestes des hiesigen Turnvereins am 17. Juni fand zwischen der Gröditscher und Kuschkower Schule ein Schlagballspiel statt, wobei die Kuschkower Schulmannschaft mit 64:21 Punkten den Sieg errang.
Das Mädchenturnen, das in der hiesigen Schule seit Oktober 1927 eingeführt wurde, zeigte im Sommer 1928 erfreuliche Fortschritte. Die Schulmädchen turnen mit besonderem Eifer am Reck sowie in den volkstümlichen Übungen mit. Selbst am Schlagballspiel, einem ausgesprochenen Jungenspiel, zeigen sie lebhaftes Interesse. Besondere Schwierigkeiten bereitet noch die Einführung des schwarzen Turnanzuges. Von 15 Mädchen der Ober- und Mittelstufe besitzen erst 5 die praktische Turnkleidung. Einige besorgte Mütter und Väter sehen darin immer noch etwas Anstößiges, wie sie auch den seit 2 Jahren in Stadt und Land verbreiteten Mädchensport des Bubikopfes der jungen Mädchen als undeutsch verpönen. Die Kuschkower Jugend hält immer noch treu zum Mädchenzopf.

Ferienordnung 1928.

Sommerferien:

Herbstferien:

Weihnachtsferien:
Letzter Schultag:
Erster Schultag:
Letzter Schultag:
Erster Schultag:
Letzter Schultag:
Erster Schultag:
   Sonnabend, 21. Juli 1928
   Montag, 13. August 1928
   Dienstag, 18. September
   Dienstag, 16. Oktober
   Freitag, 21. Dezember
   Freitag, 4.Januar 1929.
 


Wie in den vergangenen Jahren, so wurde auch diesmal am 11. August 1928, vormittag 800 Uhr in der Schule eine öffentliche Verfassungsfeier veranstaltet, zu der 6 Personen erschienen waren. Bedauerlicherweise waren auch diesmal seitens der Gemeindekörperschaften keine Vertreter erschienen. Das Schulzimmer war mit Eichenlaub, besonders die Bilder des Reichspräsidenten Hindenburg, Fr. L. Jahn und Rheinlandschaft, festlich geschmückt. Auf dem Schulgebäude war die Reichsflagge gehißt. Die Verfassungsfeier nahm folgenden Verlauf: ...

Seite 106 (rechte Spalte, Ortschronik)
Beim Schützenfest des Kriegervereins am 10. Juni erwarb Kamerad Theodor Ternick die Königswürde. 1. Ritter wurde Gastwirt Ernst Schulze, 2. Ritter Kam. Hugo Michelchen.
Ein furchtbares Unwetter mit Gewitter und Sturm wütete am Mittwoch, dem 4. Juli, nachmittag 13 Uhr über unseren Ort. Die beiden Akazienbäume (15 m hoch) vor dem Schulhause wurden ein Opfer des Sturmes. Ein Baum stürzte krachend zu Boden und legte sich quer über die Straße. An der Gröditscher Chaussee wurden ebenfalls zwei Ahornbäume entwurzelt sowie 2 Leitungsmasten der elektrischen Starkstromleitung umgeknickt. Ebenfalls wurden die Dächer einiger neugedeckter Scheunen beschädigt. An der Dürrenhofer Straße wurden mehrere Pflaumenbäume entwurzelt.
In der Zeit vom 9.-15. Juli nahm der Lehrer mit 4 Mitgliedern der Kuschkower Singschar an einer vom Kreisausschuß für Jugendpflege eingerichteten Singwoche in Goyatz am Schwielochsee teil.

Anläßlich des 150. Geburtstages des Turnvaters Friedr. L. Jahn veranstalteten der Turnverein und die Schule am Sonntag, dem 12. August 1928 auf dem Sportplatz eine erhebende Jahnfeier, bei der auf der Erhöhung des Platzes ein schlichter Jahnstein (Feldstein) eingeweiht wurde. Nach gemeinsamen Gesängen und Gedichtvorträgen weihte Kreisjugendpfleger, Lehrer Lohde – Lübben, den Stein ein. Die Schülerin Luzie Leske legte im Namen der Schule einen Eichenkranz nieder. Hildegard Dillan sprach ein Gedicht. Zum Schluß führten die Mädchen und Knaben gemeinsam Freiübungen vor.

Vom Hochwasser blieb unser Ort in diesem Jahr verschont. Man kann eher von einem trockenen Sommer sprechen. Die Pretschener Spree ist stellenweise so flach, daß man bequem hindurchwaten kann. Die Roggenernte ist gut. Die Trockenheit hielt bis Ende September an. Die Kartoffel- und Rübenernte ist mittelmäßig. Von der Obsternte sind in diesem Jahr nur die Birnen lohnend. Pflaumen gibt es überhaupt nicht, desgleichen nur sehr wenig Äpfel. Das Heu konnte diesmal im 1. und 2. Schnitt gut eingebracht werden.

Turnverein "Jahn", Gruppenbild 1928 zur Einweihung des "Jahnsteins". Zum zehnjährigen Jubiläum des Turnvereins gab es einen Beitrag von Fritz Wegener im Lübbener Kreis-Kalender von 1931 (siehe direkt hier: ). Das in diesem Beitrag mitgeteilte Gründungsdatum des Vereins (14. April 1921) scheint sich auf die formelle Vereinsgründung zu beziehen, oder die Angabe ist nicht korrekt. Der Turnverein Jahn wurde bereits 1920 gegründet; siehe Angaben zu Seite 78 im Teil 1 der Chronik.

 

Seite 107 (linke Spalte, Schulchronik)
... Verfassungsfeier:
 1. Gemeins. Gesang: Großer Gott
 2. Bibelwort: Psalm 18.
 3. Chor: Die Wacht am Rhein
 4. Gedicht: Das Ende (Börries, Freiherr v. Münchhausen)
 5. Gedicht: Ein Ziel
 6. Chor: Treue Liebe bis zum Grabe.
 7. Gedicht: Dein Vaterland
 8. Festrede: Schwarz-rot-gold in der deutschen Geschichte
 9. Gedicht: Im Dorfe Lanz bei Lenzen
10. Festrede: Friedrich Ludwig Jahn
11. Hoch auf das Vaterland, Deutschlandlied

Am Sonnabend, den 1. September 1928 wurden in Gröditsch die Reichsjugendwettkämpfe der Schule des Bezirks Großleuthen u. Umgegend veranstaltet. Die Kuschkower hatten diesmal die Ehre, den besten Sieger des ganzen Bezirks zu den Ihrigen rechnen zu dürfen: Gerhard Konrad, welcher mit 53 Punkten den 1. Preis und somit die Urkunde des Reichspräsidenten errang. Seine Leistungen waren im Weitsprung 4.30 m, Schlagballweitwurf 60 m, 100m Lauf – 1500 Sekd. Gerh. Konrad ist 14 Jahre alt. Aus seiner Altersklasse erhielt Emil Petigk aus Schlepzig mit 52 Pkt. den 2. Preis (Schlagballwurf 69 m), Lehmann – Gröditsch – 46 Pkt. Emil Borch – Kuschkow 43 Pkt., Max Ternick – Kuschkow 41 Pkt. Von der 2. Altersklasse errang Walter Rattei ... Pkt. und Kurt Halko ... Punkte.
Unter den Mädchen erhielt Hildegard Dillan mit 40 Pkt. (1. Kl.)) einen Preis.

Während der Herbstferien wurde am Schulhause der Außenputz erneuert und mit Ternesitedelputz versehen. Der Treppenaufgang an beiden Seiten des Hauses wurde restauriert. Über der Haustür des Schulgebäudes wurde eine Inschrift angebracht: Schulzeit ist Saatzeit.
Donnerstag. Den 25. Oktober besichtigte Herr Oberregierungsrat Deetjen (Frankfurt a/O.) und Herr Schulrat Pflüger (Lübben) den Unterricht der Mittel- und Unterstufe. Die Herren Revisoren sprachen dem Lehrer über die Leistungen und die Arbeitsweise ihm vollste Anerkennung aus.
Auf Anordnung des Kreiswohlfahrtsamtes fand am 7. Dezember von 9 ½ – 15 ½ Uhr eine ärztliche Untersuchung sämtlicher Schulkinder und Fortbildungsschüler statt. Die Untersuchung lag in den Händen des Kreisarztes, Herrn Medizinalrat Dr. Seeger – Lübben. Für jedes Schulkind pp. werden nunmehr besondere Personal- und Gesundheitsbogen geführt.

Seite 107 (rechte Spalte, Ortschronik)
Bei dem Sporttreffen der ldl. Fortbildungsschulen des Lübbener Kreises am 26. August 1928 in Goyatz (Jugendherberge) errangen von 10 Teilnehmern aus Kuschkow im volkstümlichen Fünfkampf den Sieg:

Werner Dillan:
Gustav Wiemann:
Erich Ternick:
Hermann Borch:
87 Pkt.  ) 1. Altersklasse 17- u. 18 Jährige
80 Pkt.  )
54 Pkt.  ) 2. Altersklasse 15- u. 16 Jährige
53 Pkt.  )
   

 

Schulverbandsbeiträge 1. Halbjahr
Beschulungsgeld               ''
Ergänzungszuschüsse d. Regierung
1928:  2686,20 RM
1928:  1440,00 RM
1928:  0300,00 RM
   


Der Erntedankfestgottesdienst am 30. Sept. wurde durch Gesänge des Schülerchors verschönt.
1. Halleluja! Amen     (2stimmiger Kanon v. Jöde*)
2. Danket dem Herrn   4     ''           ''          ''
3. Dona nobis pacem   3     ''           ''          ''

*) Der Kanon. 3 Bde. 1926: Kanonsammlung von Fritz Jöde (1887-1970). Berufen an die Staatliche Akademie für Kirchen- und Schulmusik in Berlin. Gründer der ersten staatlichen Jugendmusikschule sowie Mitbegründer der ersten Berliner Volksmusikschule. Gab Musikpädagogische Kurse für Lehrer.

Fortbildungsschule.
Der Unterricht an der Fortb. Schule wurde am 2. November mit 16 Schülern begonnen. Die Unterrichtszeit dauert an den beiden Unterr. Tagen von 5-8 Uhr Nachmittag.
Am Montag, dem 22. Oktober 1928 vormittag gegen 9 Uhr machte der in den 70er Jahren stehende Altsitzer Theodor Müller seinem Leben durch Erhängen ein Ende. Welche Gründe den Lebensmüden, der sonst in geordneten Verhältnissen lebte, in den Tod getrieben haben, ist zur Zeit nicht bekannt. Er wurde am Freitag, dem 26. Oktober in der Mittagsstunde still beigesetzt.

Die Spar- und Darlehenskassengenossenschaft hielt am 13. Dezb. im Maschkeschen Saale ihre 56. Generalversammlung ab, die von den einheimischen sowie den Gröditscher und Pretschener Genossen zahlreich besucht war. Auf der Tagesordnung standen:
1. Geschäftsbericht des Rendanten Köllnick.
2. Vortrag des Versuchsringleiters Zierold über Kalk- und Stickstoffdüngung.
3. Filmvorführung der badischen Anilin- und Sodafabrik über Stickstoffdüngung.



 1928 - 1929  (Chronik Seiten 108 - 111)    Faksimile-Foto von Seiten 108 - 109  und  110 - 111 

Seite 108 (linke Spalte, Schulchronik)
Am Sonntag, dem 9. Dezember 1928 veranstaltete die Schule im Maschkeschen Saale einen Elternabend, der außerordentlich stark besucht war. Es wurden 218 Eintrittskarten für Erwachsene ausgegeben. Kinder hatten freien Eintritt. Der Abend brachte nicht nur eine hohe Einnahme für die Schule, sondern auch zahlreiche Beispiele der Anerkennung und Zeichen des guten Einvernehmens zwischen Lehrer, Lehrerfrau und Schulkindern – Gemeinde. Vorsteher Görzig dankte zum Schluß der Veranstaltung bewegten Herzens. Seine Ansprache schloß mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf den Lehrer, seine Gattin und die Schulkinder.

Vortragsfolge:
 1. Prolog
 2. Chor: Was frag ich viel nach Geld und Gut.
 3. Ansprache des Lehrers:
      1. Wie können die Eltern den Lehrer in seiner Arbeit unterstützen?
      2. Wie feiern Eltern und Kinder, Meister und Lehrer echte Weihnachten?
 4. Sprechchor: Erlkönig (Joh. W. v. Goethe)
 5. Gedicht: Der kleine Nimmersatt.
 6. Sprechchor: John Maynard.
 7. Chorgesang: Treue Liebe bis zum Grabe.
 8. Turnerstück: Friedrich Ludwig Jahn.
 9. Gedicht: Die Kinder im Schnee.
10. Märchenreigen: Das Sternenkind (Nach dem Märchen "Die Sterntaler".)
11. Gedicht: Christkinds getreuer Knecht.
12. Zwiegespräch: Doktor Püllermann
13. Theater: Unverhoffte Weihnachtsfreude
14. Lebendes Bild: Die heilige Nacht.
15. Schlußchor: Herbei, o ihr Gläubigen.

Seite 108 (rechte Spalte, Ortschronik)
Mitte Dezember starker Frost und Schneefall, welche bis zum 3. Weihnachtsfeiertage anhielten. Weihnachtswetter, Weihnachtsstimmung! Der Weihnachtsmann ging Heiligabend durch die Straßen und bescherte die Kinder. Die anläßlich des Elternabends gegebenen Anregungen betr. Weihnachtsfeiern in der Familie wurden vielfach befolgt. Die bisherige Unsitte, die Kinder schon vor dem Fest zu beschenken, verschwindet mehr und mehr. Man sieht ein, daß ein inniges Zusammenleben nur dann möglich ist, wenn man den Kindern auch wirklich rechte Weihnachtsfreude vermittelt. Der Höhepunkt der Weihnachtszeit ist Heiligabend. ‒ In der Kirche sangen am 1. Feiertag früh 700 Uhr der Schülerchor "Es ist ein Ros entsprungen", die Singschar "Den geboren hat ein’ Magd". Am 2. Feiertag sang der Männerchor "O du fröhliche".

Kirchliche Jahresstatistik 1928.

Geboren und getauft:
Gestorben:
Konfirmiert:
Abendmahlsgäste:
Eheschließungen:
006 Kinder.
005 Personen,
006 Kinder,
192 Personen,,
006
   


                                                                          1929
Seite 108 (linke Spalte, Schulchronik)
Am 1. Februar betrug die Schülerzahl 70 (Februarkataster).
Trotz der großen Kälte im Februar konnte der Schulbetrieb aufrecht erhalten werden. Um ein Auskühlen des Schulzimmers während der Nachtzeit zu verhindern, wurde der Schulofen jeden Abend vorgeheizt. Außerdem wurden die Fenster des Schulzimmers, deren Scheiben mit einer Eiskruste von 1 cm Stärke bedeckt waren, allabendlich mit Landkarten, Anschauungsbildern und Tafeln verhängt. Der Gesundheitszustand der Kinder war trotz der strengen Kälte zufriedenstellend.

Seite 108 (rechte Spalte, Ortschronik)
Der Turnverein veranstaltete am Sonnabend, dem 12. Januar einen Theater- und Werbeabend, der sehr zahlreich besucht war. Die Vorführungen auf der Bühne sowie die turnerischen Darbietungen wurden mit großem Beifall aufgenommen.

Ein strenger Winter, der die bitterkalten Dezembertage der Jahre 1923 und 1927 an Härte und Dauer übertraf, wurde uns im Januar und Februar 1929 beschert. So zeigte das Thermometer am 1. Februar 8 Uhr -18° Celsius, am 10. Februar (Fastnachtsonntag) und 11. Febr. (Fastnachtmontag) -28° Celsius. In der Nacht -30°. Trotz der grimmigen Kälte ließ es sich die Jugend nicht nehmen, am Fastnachtsmontag auf den Straßen umherzuziehen, jedem Besitzer ein Ständchen zu bringen und zu zampern.

Seite 109 (linke Spalte, Schulchronik)
Am 27. III. wurden 6 Mdch. u. 6 Knaben entlassen.

Schülerzahl am 15.4.1929.

Oberstufe      8. Schuljahr
6./7. Schuljahr
Mittelstufe  4./5. Schuljahr
Unterstufe  2./3. Schuljahr
Anfänger      1. Schuljahr
   
4 Knaben
1 Knaben
11 Knaben
12 Knaben
   5 Knaben
33 Knaben
3 Mädchen
3 Mädchen
15 Mädchen
7 Mädchen
   6 Mädchen
34 Mädchen





   =   67 Kinder

Am 1. Mai betrug die Schülerzahl 68 Kd.

Seite 109 (rechte Spalte, Ortschronik)
Zahl der Fortbildungsschüler am 26. Febr. 1929 = 16
Davon aus ldw. Betrieben  7
    ''     ''   Handwerker  ''   7
ohne Beruf                      2

Der Sommer 1929 brachte große Dürre, wodurch die Ernte sehr geschmälert wurde.
Beim Schützenfest des Kriegervereins errang Kam. Hermann Lehmann die Königswürde.
Im Laufe des Frühjahrs 1929 wurde in Kuschkow eine Ortsgruppe des Stahlhelm "Bund der Frontsoldaten" gegründet.

Seite 110 (linke Spalte, Schulchronik)
Anläßlich der 10jährigen Wiederkehr des Verfassungstages fand auf Anordnung der Behörde eine Schulfeier statt. Der Schüler Max Ternick erhält an diesem Tage als Geschenk der Reichs- und Preuß. Staatsregierung das Buch "Deutsche Einheit – Deutsche Freiheit."

Bei den Reichsjugendwettkämpfen erhielten einen Preis:

Max Ternick
Hildegard Dillan
Hermann Kniesigk
          ――――――
Walter Rattei
Kurt Halko
Hermann Dillan
Gustav Rattei
Gerhd. Kniesigk
56 Pkt. )
54   ''   )  1. Altersklasse
47   ''   )

66   ''   )
61   ''   )
55   ''   )  2. Altersklasse
40   ''   )
40   ''   )
   


Seite 111 (linke Spalte, Schulchronik)
Ein Kinderfest veranstaltete unser neuer Jagdpächter, Herr Regierungsbaumeister Zimmerreimer – Berlin mit seiner Gattin am 9. September für die Schulkinder und jüngeren Kinder unserer Gemeinde. Es war ein selten schönes Fest, zumal der hochherzige Gönner sämtliche Kosten bestritt: Ummarsch mit Musik, Beköstigung von ca. 90 Kindern während der Kaffee- und Abendbrotpause, Verteilung von Geschenken an die Kinder, Dekorierung mit Papiermützen und Kränzen, Stocklaternen, Veranstaltung eines Feuerwerkes auf der Elsnerschen Wiese. Die Schulkinder führten während des Festes auf dem Platz an der Friedenseiche Trockenschwimmübungen, Bändertanz, Blumenreigen und ähnliche Spiel... auf. Die Knaben kletterten auf die Stange, spielten "Ball über die Schnur" und Schlagball und zeigten ihre Kräfte beim Tauziehen. Während der Abschlußfeier im Schulzeschen Saale sang der Chor "Kein schöner Land; Gedichtvorträge einzelner Mädchen, Schlussworte des Lehrers und Dankesworte des Gemeindevorstehers Görzig bildeten den Inhalt der Schlußfeier.

Am 20. September 1929 entriß uns der Tod die Schülerin Anna Thiele im Alter von 13 ½ Jahren. In ihr verlor die Schule ein Mädchen, das man in seinem stillen, bescheidenen Wesen lieb gewonnen hatte. Sie wurde am 23. Septb. unter überaus großer Beteiligung seitens der Schulkinder wie der Gemeinde zur letzten Ruhe bestattet. Der Schülerchor sang ihr zum Abschied "So nimm denn meine Hände" und "Es ist ein Schnitter".

Zahl der Schwimmer in der hiesigen Schule:
Sommer 1928: 3
Sommer 1929: 4.

Am Freitag, dem 1. Novb. unternahm der Lehrer mit zahlreichen Schulkindern, Fortbildungsschülern und Mitgliedern der Singschar eine Radpartie nach Lübben zwecks Teilnahme an d. Zirkusvorstellung des Zirkus’ Baume. Die Vorführung mit den wilden Tieren u.a. boten reichhaltigen Stoff für den naturkdl. Unterricht.

Infolge Erkrankung des Lehrers F. Wegener an eitriger Mandelentzündung und Grippe musste der Unterricht am 7., 8. u. 9. November ausfallen. Auf behördl. Anordnung wurden nunmehr aufgabenfreie Spielnachmittage abgehalten, an denen Lehrer und Schulkinder auf dem Sportplatz Turnspiele abhalten. 1. Spielnachmittag: Mittwoch, 13. November.

Seite 111 (rechte Spalte, Ortschronik)
Der Unterricht an der ldl. Fortbildungsschule wurde am 5. November mit 15 Schülern aufgenommen.
In den Eintragungslisten für das vom "Stahlhelm" und anderen rechtsgerichteten Verbänden veranstalten Volksbegehren wider den Youngplan (Freiheitsgesetz) *) haben sich in der hiesigen Gemeinde von 332 Wahlberechtigten 177_ Personen eingetragen.
Anläßlich des Ablebens des Reichsaußenministers Dr. Stresemann, am 3. Oktober, wurden die Flaggen des Schulgebäudes am 4., 5. und 6. Oktober auf Halbmast gesetzt.
Am 31. Oktober wurde ein Schulgottesdienst anl. d. Feier des Reformationstages abgehalten, bei dem der Schülerchor das Credo "Wir glauben all an einen Gott" in der alten lutherischen Kirchenmelodie sang.

Die Gemeinderatswahlen am 17. November brachten folgendes Ergebnis:

Liste Köllnick:
Liste Kaatsch.-Klinge:
Liste Hugo Michelchen-Güthler

Die Kreistagswahlen in Kuschkow:
Sozialdemokraten
Landliste
Bürgerliche Vereinigung
Parteilose Stadt- u. Landliste
Rote Arbeiterliste

Die Provinziallandtagswahlen:
Sozialdemokraten
Wirtschaftspartei d. dtsch. Mittelstandes
Block der Mitte (Demokraten)
Brandenbg. Heimatliste (Deutschnational)
Bürgerl. Vereinigg. (Nationalliberal)
Deutsche Volkspartei
Mieterliste
35
109
131


14
243
10
3
4


19
10
10
213
3
3
7


  =  275
 


In den Kreistag wurde aus Kuschkow Kaufmann Köllnick gewählt.

*) Young-Plan benannt nach dem amerikanisch Diplomaten Owen D. Young, war der Letzte der Reparationspläne, der die Reparationszahlungen des Deutschen Reichs auf Basis des Versailler Vertrages regelte. Das Volksbegehren dagegen, wo sich u. a. die NSDAP und Hitler erfolgreich für den eigenen Aufstieg engagierten, erreichte nicht die nötige Mehrheit, sondern nur 10,2 %. In Kraft getreten am 17. Mai 1930 rückwirkend zum 1. Sept. 1929.
 

Schulbild um 1928-1930 (?) mit Lehrer Fritz Wegener, die "Kleine Gruppe" der beiden Schulgruppen. In der Dorfschule gab es zwei Gruppen: Die Kleinen (1.-4. Klasse) und die Großen (5.-8. Klasse). Foto: Familienarchiv Schneider/Paech

 


 1929 - 1930  (Chronik Seiten 112 - 113)    Faksimile-Foto von Seiten 112 - 113 

Seite 112 (linke Spalte, Schulchronik)
Die Regierung bewilligte dem Schulverband Kuschkow zur Beschaffung der Preußenflagge einen Ergänzungszuschuß von 10,00 RM.
    Instandsetzungsarbeiten in und am Schulhause 1929
1. Aufstellen des Straßenzaunes vor dem Schulhause.
2. Tapezieren des Schlafzimmers und Streichen von 8 Fenstern.
3. Belegen des Fußbodens d. Küche mit Dielung (vorher rohe Mauersteine).

    Weihnachtsferien:
Schulschluß: Freitag, 20. Dezember 1929
Schulanfang: Dienstag, 7. Januar 1930.

Seite 112 (rechte Spalte, Ortschronik)
Am Sonnabend, den 23. November besichtigte Herr Schulrat Pflüger den Unterricht der hiesigen Fortbildungsschule. Als Gäste nahmen an der Besichtigung der Diplomlandwirt Zierold – Lübben, Kreisjugendpfleger Lohde – Lübben und Lehrer Hornig – Krugau teil. Lehrer Wegener hielt eine staatsbürgerkundliche Lehrstunde über die Wahlen, speziell Gemeindevertreterwahlen:
  1. Wie wurde gewählt?
  2. Wer wurde gewählt?
  3. Wie wurde das Wahlergebnis und die Verteilung der Gemeindevertretersitze bekannt gegeben?
      (Schriftl. Arbeit: Bekanntmachung).

Zwölf junge Mädchen aus Kuschkow beteiligten sich an einer von der Kreissynode eingerichteten Freizeit für jg. Mädchen im Jugendheim Neuzauche (9.-12. Dezb. 1929).
                                                                          1930
Seite 112 (linke Spalte, Schulchronik)
Am 1. Februar 1930 betrug die Schülerzahl 66.
Herr Schulrat Pflüger – Lübben besichtigte den Unterricht an der hiesigen Schule am 7. März von 10 ½ – 13 Uhr. Zur Behandlung kamen
Oberstufe:  Deutsch (Das Lied von der Glocke)
Mittelstufe: Deutsch Lesestück "Das Oderbruch" und anschl. Niederschrift über das Oderbruch.
Mittelstufe: Heimatkunde der Provinz Brandenburg.
Unterstufe: 1. u. 2. Schuljahr. Lesen und Rechnen.
Im Anschluß an die Schulrevision fand eine gemeinsame Sitzung des Schulvorstands und der Gemeindekörperschaften statt, in der Herr Schulrat ganz entschieden für die sofortige Errichtung einer 2. Lehrstelle eintrat. Allen Einwendungen der Kuschkower Gemeinde- und Schulvertreter verstand Herr Schulrat mit größter Energie entgegenzutreten, sodaß den Gemeindekörperschaften nichts anderes übrig blieb, als sich den gegebenen Tatsachen zu fügen.

Seite 112 (rechte Spalte, Ortschronik)
Ländlich Fortbildungsschule im Halbjahr 1929/30.
Zahl der Schüler:  15, davon aus bäuerl. Betrieben 12
Zahl der Schüler:  15,     ''      ''   gewerbl.    ''       1
Zahl der Schüler:  15,     ''       ohne Beruf             2   =  15
Fehltage:  6 Schüler an 13 Tagen krank
Fehltage:  6     ''      ''    6     ''    entschuldigt,
Fehltage:  1     ''      ''    1     ''    unentschuldigt.
Lehrer Wegener unterrichtete in 79 Unterrichtsstunden, Oberturnwart Dillan unterrichtete in 20 Unterrichtsstunden.

Anläßlich des Volkstrauertages fand am 16.III.1930 eine größere kirchliche Feier statt, bei der Herr Jugendpfarrer Raabe – Lübben die Trauerpredigt hielt.
Sieben jg. Burschen beteiligten sich in der Zeit vom 4.-6. März an einer kirchlichen Freizeit in der Lübbener Jugendherberge.
Auf Antrag des Lehrers wurden in der Zeit  vom 12. März bis 4. Mai in Kuschkow auf dem Elsnerschen Grundstück ein Haushaltungskursus für junge Mädchen abgehalten. Die Leitung des Lehrgangs lag in den bewährten Händen der Haushaltungslehrerin, Fräulein Voigt – Straupitz. Der Haushaltsunterricht erstreckte sich über folgende Fächer: Kochen, Backen, Nähen und Handarbeiten.

Seite 113 (linke Spalte, Schulchronik)
Mit Schluß des Schuljahres 1929/30 wurden 3 Knaben und 2 Mädchen entlassen, welche auch sämtlich konfirmiert wurden.

Osterferien 1930.
Schulschluß: Donnerstag, 10. April 1930.
Schulanfang: Donnerstag, 24. April 1930.

Schülerzahl betrug am 1. Mai  70.

Oberstufe  7./8. Schuljahr
6./7. Schuljahr
Mittelstufe  4./5. Schuljahr
4./5. Schuljahr
Unterstufe  2./3. Schuljahr
Anfänger      1. Schuljahr
   
1 Knaben
3 Knaben
7 Knaben
8 Knaben
10 Knaben
   6 Knaben
35 Knaben
4 Mädchen
3 Mädchen
7 Mädchen
7 Mädchen
9 Mädchen
   5 Mädchen
35 Mädchen
 


Am Mittwoch, dem 7. Mai unternahmen die Ober- und Mittelstufe eine heimatkundliche Wanderung nach Cossenblatt, wo die Ziegelei besichtigt wurde. Außerdem veranstalteten die Cossenblatter und Kuschkower Schule ein Schlagball- und Völkerballwettspiel.
Lehrer Wegener nahm in der Zeit vom 25.-31. Mai 1930 in Lagow (Neumark) an einem Jugendführerlehrgang f. Laienspiel u. Berufsbühne teil. Lehrer Schade – Gröditsch erteilte in dieser Zeit vertretungsweise Unterricht.
      Pfingstferien:  Schulschluß: Donnerstag, 5. Juni
      Pfingstferien:  Schulanfang: Dienstag, 17. Juni.

Mittwoch, den 25. Mai fand in Großleuthen ein eintägiger Schwimmlehrgang mit Lehrprobe an Schulkindern statt. Der Lehrgang wurde im Beisein des Herrn Schulrats von der Turnlehrerin Frl. Lieselotte Müller – Lübben geleitet.

Anläßlich der Rheinlandräumung fand am 1. Juli eine öffentliche Schulfeier statt, die folgenden Verlauf nahm:
 1. Gemeins. Gesang: Großer Gott, wir loben Dich
 2. Gedicht: Sonntags am Rhein
 3. Schülervortrag: Die Rheinlande (Hermann Dillan)
 4. Chor: Stimmt an mit hellem hohen Klang
 5. Gedicht: Dem deutschen Knaben
 6. Chor: Flamme empor.
 7. Gedicht: Rheintreue
 8. Ansprache: Die Treue der Rheinländer während 11 ½ Jahre langer Besatzungszeit
 9. Hoch und Nationalhymne
Das Schulhaus zeigte Flaggenschmuck. Im Schulzimmer waren die Bilder mit Eichenlaub geschmückt.

Seite 113 (rechte Spalte, Ortschronik)
Am Sonntag, dem 23. März hielt Herr Pastor Zeitzler, welcher seit dem Jahre 1900 die hiesige Kirchengemeinde als Seelsorger sowie von 1900–1919 als geistlicher Ortsschulinspektor die Schule betreut hat, anläßlich seiner Pensionierung in den Ruhestand seine Abschiedspredigt. Gleichzeitig nahm er am 23.III. die Konfirmation vor, wobei er den jungen Christen das Mahnwort "Dein Leben lang habe Gott vor Augen und im Herzen" (Tobias) ans Herz legte. Seine Abschiedspredigt lehnte sich an das Bibelwort "Der Herr segne Dich und behüte Dich" 4. Moses 6, 24-26 an. Der Männerchor verschönte den Gottesdienst durch Gesänge. Im Namen der Kirchengemeinde überreichte Herr Sattler als Kirchenältester dem scheidenden Geistlichen einen Spazierstock mit silbernem Knaufe. – Herr Pfarrer Zeitzler gedenkt zum 1. April nach Woltersdorf b. Berlin überzusiedeln.

{Nicht in der Ortschronik sondern im Familienarchiv Wolff / Jäzosch befindet sich die folgende Abschieds-Postkarte von Pfarrer Zeitzler an Hermann Wolff, geschrieben schon aus seinem neuen Wohnort Woltersdorf bei Erkner. Da der Text neben der Familie Wolff auch einige andere Familien im Dorf betrifft, wird er hier im vollen Wortlaut wiedergegeben:}

Herrn Mühlenbesitzer H. Wolff in Kuschkow b/ Pretschen N/L, Kr. Lübben N/L.
Absender: Pastor i. R. (im Ruhestand) Zeitzler, Woltersdorf b/ Erkner, Kalkseestraße.

Mein lieber Herr Wolff!                                                                                      Woltersdorf b/ Erkner, 7.6.30
Ihnen, wie Ihren lieben Kindern u. deren Familien senden meine Frau u. ich einen herzlichen Pfingstgruß und hoffen wir, daß unser Gruß Sie alle auch bei guter Gesundheit erreicht. Nun sind wir schon 7 Wochen von Krugau weg, und haben wir uns auch schon so ziemlich hier eingelebt u. von all den Anstrengungen u. Aufregungen der letzten dort verlebten Wochen auch wieder leidlich erholt. Es gefällt uns auch hier soweit ganz gut, nur fehlt uns die eigene Wohnung, da wir vorläufig möbliert wohnen müssen, was nicht sehr angenehm ist. Nun müssen Sie alle aber entschuldigen, daß wir vor unserem Weggang nicht noch einmal zu Ihnen gekommen sind, um uns von Ihnen allen zu verabschieden, wo wir und namentlich ich auf meinen Gange durch die Wiesen nach Kuschkow zu Gottesdienst u. Amtsausübung? doch so häufig u. immer so gern in Ihrem Hause u. in Ihrem Familienkreise geweilt haben. Es waren doch manch schöne Stunden in der langen Reihe von Jahren, die ich bei Ihnen u. in Ihrer Mitte verbracht habe, u. besonders auch bei Lebzeiten Ihrer lieben, unvergeßlichen Gattin u. Mutter. Um so mehr tat es uns leid, daß wir vor unserem Weggang nicht noch einmal zu Ihnen kommen konnten. Aber Sie müssen es bitte entschuldigen. Wir hatten noch die Absicht am letzten Sonntag vor unserem Weggang von Krugau Sie und Sattler’s zu besuchen und dann von Kuschkow aus auch noch nach Schlepzig zu Pastor Haase zu fahren, hatten auch schon bei Sattler’s diesen geplanten Besuch schriftlich angemeldet. Leider wurde meine Frau infolge all der Aufregungen der letzten Zeit noch krank u. mußte deshalb den Besuch auch in Schlepzig unterbleiben, was uns sehr leid tat. Wir hoffen aber doch bald einmal wieder nach Kuschkow zu kommen, u. dürfen Sie dann

mit Bestimtheit auf unseren Besuch rechnen. Was macht der kleine Enkel, mein Täufling? Gewiß gedeiht er zu Ihrer u. seiner Eltern Freude. Wie geht es den 3 Familien Jäzosch / den beiden jungen u. der alten Familie J./? Hoffentlich befindet sich alles wohl, auch Familie Schneider in Pretschen, auch Emil. Ist er noch zu Hause, oder zog es ihn wieder in die Fremde? Seien Sie alle nun nochmals herzlich gegrüßt, auch Familie Emil Jäzosch sen. u. die NachbarFamilie Schneider und Familie Emil Görzig da drüben.
Ihr alter Pastor Zeitzler




{Hinweis: Der Pfarrer Hermann Wilhelm August Zeitzler, zuständig für die Pfarrkirche Krugau und ihre Filialkirche in Kuschkow, war im Jahr 1900 aus Goßmar bei Luckau nach Krugau gekommen und hatte diese Pfarrstelle bis zu seiner Pensionierung 1930 inne. Sein Sohn Kurt Zeitzler, geboren 1895 in Goßmar, hatte in Krugau einen Aufsatz zur "Geschichte der Kirchengemeinde Krugau-Kuschkow" verfasst und im Lübbener Kreis-Kalender 1928 als Autor und Oberleutnant publiziert; siehe dazu auf dieser Seite den Chronikeintrag ganz oben sowie das Literaturverzeichnis unten. Kurt Zeitzler war 1930 zur Zeit der Postkarte bereits Infanterie-Hauptmann und zuletzt als Generaloberst von 1942 bis 1944 Chef des Generalstabs des deutschen Heeres und damit der ranghöchste Offizier des deutschen Heeres unter Adolf Hitler.}


Die starke Kälte im Jahre 1929 (Februar) sowie die große Trockenheit im Sommer 1929 zeigen erst jetzt an den Obstbäumen an allen Orten ihre schädigende Wirkung. Verschiedene Obstbäume sind eingegangen. Sie müssen allerorts durch Neuanpflanzungen ersetzt werden.
Beim diesjährigen Sporttreffen der Fortbildungsschüler in Goyatz errangen die Schüler Gerhard Konrad, Erich Borch u. Willi Schmogrow einen Preis.
Pfarrer Ernst Mieritz aus Berlin hielt am Sonntag, dem 1. Juni seine Probepredigt und Katechisation. Er wurde von der Kirchengemeinde einstimmig gewählt.
Sonntag, d. 1. Juni, abend 8 Uhr führte Kreisjugendpfleger Lohde den Film "Hermann Löns u. d. Lüneburger Heide" vor. Die Singschar und die Schulkinder verschönten den gut besuchten Filmabend durch Gesang v. Lönsliedern u. Volkstänze.

Dienstag, den 24. Juni, gegen 1800 Uhr wurde das Luftschiff Graf Zeppelin, welche seine Schlesienfahrt unternahm, von zahlreichen in der Heuernte beschäftigten Bauern und Schulkindern gesehen.
Am Sonntag, dem 6. Juli trat Herr Pfarrer E. Mieritz als neuer Ortsgeistlicher sein Amt an. Der Männergesangverein sang ihm zum Gruß "Schäfers Sonntagslied" und "Der Herr ist mein Hirt". Seine Antrittspredigt lehnte er an Offenbarg. Johannes. 3,20 "Siehe, ich stehe an der Tür und klopfe an".



 1930 - 1931  (Chronik Seiten 114 - 115)    Faksimile-Foto von Seiten 114 - 115 

Seite 114 (linke Spalte, Schulchronik)
Halbmast wehten die Flaggen am 13. und 26. Juli anläßlich des Bergwerkunglücks im Eulengebirge {im Südwesten Polens}, wobei 152 Bergleute ums Leben kamen sowie anläßlich der Brückeneinsturzkatastrophe bei Koblenz am Rhein, die 38 Menschenleben kostete.
Sommerferien 1930:  Letzter Schultag: Mittwoch, 9. Juli
Sommerferien 1930:  Erster Schultag:         ''      30. Juli

Die diesjährige Feier des Verfassungstages wurde am 11. August in üblicher Weise gefeiert. Die Elternschaft war diesmal recht stark vertreten. Aus der reichhaltigen Vortragsfolge seien besonders 2 Schülervorträge über "Reich und Länder" und "Freistaat Preußen" erwähnenswert.
Bei den Reichsjugendwettkämpfen am 18. August in Gröditsch errangen den Sieg.

Walter Rattei
Kurt Halko
Bernh. Jänchen
Hermann Dillan
Hermann Klinge
Gerhard Kniesigk
Gerda Jänchen
Lina Dillan
(1. Abteilg.)
(2. Abteilg.)
      ''
      ''
      ''
      ''
      ''
      ''
59 Punkte
61    ''
46    ''
58    ''
44    ''
40    ''
49    ''
40    ''
 


Lehrer Wegener nahm vom 15.-27 September im Musikheim in Franfurt a./O. an einem Kursus zur Einführung in die neue Schulmusik teil.
Herbstferien:  Schulschluß: Sonnabend, 13. Septb.
Herbstferien:  Schulanfang: Montag, 13. Oktober.

Halbmast geflaggt wurde am 25. und 29. Oktober anläßlich zweier Grubenunglücke bei Aachen und im Saargebiet, wobei 262 bezw. 90 Bergleute ums Leben gekommen sind.
Durch Regierungsverfügung vom 13. August 1930 II A.k.46 ist die Entsendung von Abordnungen der Schulkinder zum Singen bei Begräbnissen aufgehoben worden, weil dies – besonders bei weiten Wegen und schlechtem Wetter – die Gesundheit der Schulkinder gefährdet.
Ein aufgabenfreier Spielnachmittag (wöchentlich einmal) ist durch Verfügung der Regierung v. 3. Juni 1930, II A.a.k.21 zur Pflege der körperlichen Ertüchtigung angeordnet worden.

Seite 114 (rechte Spalte, Ortschronik)
Die Kornernte – eine Missernte infolge der großen Dürre im Monat Juni und der ungeheuren Regengüsse während der Erntezeit im Juli. Niederschlagsmengen der Monate Januar, Febr. März, Apr., Mai, Juli insgesamt 184,2 mm, im Juli allein 185,6 mm. Am 19. Juli wurden 46,4 mm und am 26.7.30  51,1 mm Regen gemessen.

Das Luftschiff "Graf Zeppelin" flog Montag, den 26. August, Vormittag ¾ 9 Uhr an unserem Ort vorbei. Es befand sich auf dem Rückflug von der Ostpreußenfahrt. Schulkinder, welche gerade Pause hatten, bemerkten das Luftschiff, bei dessen Anblick alles in Jubel ausbrach. Der Zeppelin konnte fast eine Viertelstunde beobachtet werden. In majestätischem Fluge näherte sich das Luftschiff dem Dorfe, wobei sein Rumpf silberglänzend deutlich sichtbar wurde, um dann zu wenden und über Lübben in südöstlicher Richtung weiterzufliegen.

Die Gastwirtschaft von Gottfried Maschke (vorm. Lehmann) ging am 1. Juli in die Hände des Gastwirts H. Liese aus Neumarkt bei Jüterbog über. Der neue Inhaber ließ die Räume renovieren, daß das Gasthaus einen freundlichen Eindruck macht.
 

Die Gastwirtschaft von Hermann Liese in einer Fotografie (Postkarte) um 1930. Schon 1932 hieß der nächste Besitzer Koschack.


















 

Bei den diesjährigen Reichstagswahlen am 14. September wurden in Kuschkow folgende Stimmen abgegeben:

Sozialdemokraten
Deutschnationale Volkspartei
Kommunisten
Staatspartei (Demokraten)
Wirtschaftspartei Mittelstands
Nationalsozialisten (Hitlerpartei)
Christl. nationale Landvolkpartei
Freibund d. Handwerks
 
17
63
2
4
6
104
94
    1
291
  Stimmen
      ''
      ''
      ''
      ''
      ''
      ''
      ''       
  Stimmen
 


Der Unterricht in der Fortbildungsschule wurde am 4. Novb. mit 11 Schülern begonnen. Von den 11 Schülern stammen 9 aus landw. Betrieben.
Infolge starker Regenfälle im Oktober (es fielen 155 mm) wurden die Gebiete des Ober- und Unterspreewaldes vom Hochwasser heimgesucht. Zwischen Schlepzig und Krausnick wurden zwei Holzbrücken fortgeschwemmt. Bei Leibsch musste der Dammweg nach Groß-Wasserburg durch Sandsäcke gestützt bzw. erhöht werden. Die Pretschener Spree überflute{te} am rechten Ufer die Kuschkower Wiesen in einer Breite von 1 ½ - 2 km.

Seite 115 (linke Spalte, Schulchronik)
Sonnabend, den 20. Dezember veranstaltete die Schule im Schulzeschen Saale einen Elternabend. Gedichtvorträge, darunter ein Sprechchor "Johanna Sebus" {J.S., 1791-1809, rettete ihre Mutter beim Dammbruch aus dem Rhein und kam danach bei weiteren Rettungsversuchen selbst ums Leben}, Chorgesänge (Tochter Zion, freue Dich), Vorführung von Kinderszenen und Theateraufführung bildeten den Inhalt der gut besuchten Veranstaltung, die einen Reinertrag von 93,00 RM brachte. Aus dem Erlös des Abends wurden Blockflöten (Firma P. Harlau – Markneukirchen) und eine Stoppuhr angeschafft.

Der Gesundheitszustand der Schulkinder war im verflossenen Jahre 1930 nicht besonders günstig. Ein halbes Jahr lang zog eine ansteckende Krankheit, der Mumps oder Ziegenpeter (eitrige Ohrspeicheldrüsenentzündung) durch unseren Ort. 17 Schulkinder waren davon betroffen, verschiedene sogar zweimal. Im November und Dezember versäumten zahlreiche Kinder wegen Erkältungskrankheiten den Unterricht.

Am 1. Februar 1931 betrug die Schülerzahl 73
Herr Oberregierungsrat Deetjen (Frankfurt a./O.) und Herr Schulrat Pflüger - Lübben statteten der hiesigen Schule am Donnerstag, dem 12. Februar einem Besuch ab. Lehrer Wegener führte eine Musikstunde der Ober- und Mittelstufe vor:
Chöre: Steht auf, ihr lieben Kinderlein (3stimmig v. W. Hensel). Nun ade, Du mein lieb Heimatland (2stimmig im polyphonen Satz). Kanon: O wie wohl ist mir am Abend (mit Tonika Do Handzeichen {des Dirigenten zur Anzeige der Tonhöhen mit den Namen von Do, re, mi, fa, ...}) gesungen und 3-stimmig auf Blockflöte geblasen.
Chor mit Instrumentalbegleitung: Und in dem Schurrgebirge. (schlesisches Volkslied).
Herr Oberregierungsrat gab den Schulkindern seine Freude mit folgenden Worten Ausdruck: "Da könnt ihr ja tatsächlich Konzerte aufführen."

Konfirmiert und aus der Schule entlassen wurden Ostern 1931  3 Mädchen und 1 Knabe. Somit verbleiben von 72 Kd. nur 68. Nach Ostern wurden 3 Mädch. und 8 Knaben eingeschult. Die Schülerzahl betrug am 15. April 1931 – 79 Kinder.

Das Schülermaterial der Oberstufe zeigt sich als recht leistungsunfähig, auch eine Folge des Krieges, unter deren Einwirkungen die in den Jahren 1917 – 1919 geborene Kinder geistig recht zurück geblieben sind: schwerfällig, redefaul und denkunfähig.
 

Schulbild aus dem Frühjahr 1931 mit Lehrer Fritz Wegener, fotografiert vor der Dorfkirche. Foto: Familienarchiv Schneider/Paech

 

Seite 115 (rechte Spalte, Ortschronik)
Männerchor, Singschar und Teile des Schulchors verschönten den Gottesdienst am Totensonntag, 3. Adventssonntag (Abendmusik), Heiligabend und 1. Weihnachtsfeiertag.
Eine Bauernbewegung (die Landser) ist von Pfarrer Mieritz – Krugau gegründet worden. Bei den Gründungsversammlungen traten bei aus Krugau 85, Biebersdorf 138, Kuschkow 106, Gröditsch ca. 30 Bauern.

Die Fortbildungsschule wurde am 27. Januar 1931 von Herrn Ökonomierat Lembke – Berlin und Herrn Schulrat Pflüger besichtigt. Es wurden vorgeführt:
Schülervorträge: "Wie Jahns Traum von der deutschen Einheit durch Bismarck verwirklicht wurde", "Was sagt die Reichsverfassung über Eigentum und Enteignung?", "Was ist beim Bau eines Hauses zu beachten, um dasselbe vor den Einflüssen der Nässe zu schützen?" Sodann wurden angewandte Rechenaufgaben aus der Krankenversicherung gelöst.

Anläßlich der 60jährigen Wiederkehr des Reichsgründungstages hielten die Vereine des Ortes am 18. Januar Kirchgang. Der Männerchor verschönte den Gottesdienst durch den Vortrag des 46. Psalms. Das Schulgebäude wurde auf behördliche Anordnung beflaggt.

Betrifft: Fortbildungsschule 1930/31.
Schülerzahl am 1.II.31: 12, davon 9 aus ldw. Betrieben, 3 Handwerkerlehrlinge = 12
Lehrer Wegener erteilte 82 Unterrichtsstunden, Oberturnwart Dillan erteilte 15 Unterrichtsstunden.

Am 29. März (Palmsonntag) 1931 veranstalteten die Lübbener und Kuschkower Singscharen in der Kirche eine Passionsabendmusik.
Der Monat Mai brachte recht heiße Tage. In den letzten Tagen des Wonnemonats (27. – 31. Mai) entwickelten sich schon die Kornblüten.
Sonntag vor Pfingsten unternahm die Kuschkower Singschar eine Fahrt nach Potsdam und Ferch-Mittelbusch (Havelsee). In Potsdam wurden die historischen Stätten (Park v. Sanssouci, Neues Palais, Garnisonskirche) besichtigt.



 1931 - 1932  (Chronik Seiten 116 - 117)    Faksimile-Foto von Seiten 116 - 117 

Seite 116 (linke Spalte, Schulchronik)
Herr Schulrat Pflüger wurde zum 1. Juni 1931 nach Reichenbach im Eulengebirge versetzt. Sein Scheiden wurde in Lehrerkreisen recht bedauert. Ein klarer Kopf, der allezeit das Wesentliche vom Unwesentlichen zu trennen vermochte. Seine besonderen Fähigkeiten auf naturwissenschaftlichem Gebiete kamen besonders der Fortbildungsschule zugute. Als Mensch schlicht und offen, als Standesvertreter energisch und zielbewußt. So steht er in der Erinnerung seiner ihm unterstellten Lehrpersonen. Zu seinem Amtsnachfolger wurde Herr Dr. Jaenicke aus Reichenbach berufen.
Zwecks Einrichtung eines Schülergemüsegartens stellte Lehrer Wegener einen Teil seines Hausgartens (ca. 180 qm groß) zur Verfügung.
Zahlreiche Schulkinder erkrankten in den Monaten Juni und Juli an leichtem Keuchhusten. Von 79 Kindern versäumten am 20. Juni 31 Kinder den Unterricht, am 24. Juni sogar 53. Die Schularbeit hat darunter sehr gelitten.
Eine Gedenkfeier für Freiherrn von Stein († 29.6.1831), den Vorkämpfer deutscher Einheit und Freiheit wurde am 29. Juni veranstaltet. Ebenso wurde am Verfassungstage seiner gedacht. Die Festordnung der Feier des 11. August war:
1. Chor: Alles schweige (Weihelied)
2. Gedichte: Dem Deutschen Knaben
2. Gedichte: Wer ist ein Mann
2. Gedichte: Vaterlandslied.
3. Chor: Freiheit, die ich meine.
4. Schriftlesung: Psalm 143,5.
5. Ansprache des Lehrers
6. Deutschlandlied.
Zur Schulfeier waren auch einige Eltern erschienen.

Herr Schulrat Dr. Jänicke besichtigte am 6. Juli den Unterricht in der hiesigen Schule. Behandelte Unterrichtsfächer: Turnen, Naturkunde, Religion, Rechnen und Schreiben (Anfänger).

Seite 116 (rechte Spalte, Ortschronik)
Die Parteien der Rechtsopposition hatten ein Volksbegehren eingeleitet mit dem Ziele der Auflösung des Preußischen Landtages. Am 9. August war Abstimmung. Von 342 Wahlberechtigten erschienen 302 an der Wahlurne. Es stimmten 286 für die Auflösung, 8 dagegen, 8 Zettel waren ungültig. Das Volksbegehren scheiterte in Preußen an der nicht ausreichenden Stimmenzahl.

Herr Pfarrer Mieritz – Krugau veranstaltete am 21. Juni auf dem Sandberge bei Krugau eine große Sonnenwendfeier, zu der über 1000 Personen aus Lübben und den Dörfern erschienen waren. Den Höhepunkt der Feier bildete die Verlesung seines von ihm verfassten Bekenntnisses "Das große Gleichnis". "Du sollst deinen Vater und deine Mutter lieben, das heißt den Himmel und die Erde".

Am 10. September fand in Goyatz eine Kreislehrerversammlung statt. Lehrer Wegener hielt einen Vortrag "Anregungen zur Durchführung der Richtlinien für den Musikunterricht". Die Blockflötengruppe der hiesigen Schule spielte einige Volkslieder und Kanons im homophonen und polyphonen Satz.
In den Herbstferien nahm Lehrer Wegener an einem 8tägigen Förderkursus im Musikheim Frankfurt a./O. teil.
Das deutsche Wirtschaftsleben erlebte in diesem Jahre eine Krisenzeit von nie dagewesenem Ausmaß. Die Reichsregierung unter Reichskanzler Brüning versucht durch Notverordnungen der Gefahr des wirtschaftlichen Zusammenbruchs Herr zu werden. "Äußerste Sparsamkeit" ist die Parole für Reich, Staat und Gemeinden. Schulstellen wurden eingespart, Beamtengehälter durch Notverordnungen gekürzt. Lehrer Wegener, der am 1. Januar (nach Abzug der Naturalwerte für Ländereien und Wohnungsmiete) 281,00 RM erhielt, bekommt am 1. Oktober nur noch 253,00 RM Monatsgehalt. Infolge der schwindenden Steuerkraft aller Stände sind die Kassen nicht mehr in der Lage die Gehälter voll auszuzahlen. Wie früher bei den Soldaten erhält der Beamte sein Gehalt in 3 Raten am 1., 10. u. 20. jedes Monats ausgezahlt.

Seite 117 (linke Spalte, Schulchronik)
{Ab hier Beginn der lateinischen kindlichen und teils fehlerhaften Handschrift, vermutlich nach Diktat von Lehrer Wegener.}

Bei den Reichsjugendwettkämpfen am 9. Septb. errangen einen Preis

Kurt Halko
Frieda Mentz
Hermann Dillan
Hermann Klinge
Gerhard Kniesigk
Gustav Rattei
Erwin Mentz
Otto Jäzosch
Gerda Jähnchen
mit
  "
  "
  "
  "
  "
  "
  "
  "
54 Pkt.
47  "
49  "
52  "
47  "
47  "
41  "
40  "
47  "


Am 14. Dezember besichtigte Herr Schulrat Dr. Jaenicke die hiesige Schule von 8 - 11 ¼ Uhr in Religion, Deutsch, Rechnen, Heimatkunde, Geschichte, Musik. Der Herr Reeisor {Revisor} hielt es für unbedingt notwendig, daß der hiesigen Schule eine zweite Lehrkraft zugewiesen wird.

Seite 117 (rechte Spalte, Ortschronik)
Infolge der großen Notlage ist der Kreis Lübben nicht in der Lage, die Mittel zur Unterhaltung der ländlichen Fortbildungsschulen aufzubringen. Aus diesem Grunde wurde im Winterhalbjahr 1931/32 der Unterricht in der hiesigen Fortbildungsschule ausgesetzt.
Der Männergesangverein beging am 13. Dezember im Schulzeschen Saale sein 40jähriges Jubiläum. Als Gastverein M.G.V. Pretschen erschienen. Zwei Gründer und 11 Mitglieder erhielten als Auszeichnung eine Medaille mit der Zahl 34, 35, 30 und 25. Im theatralischen Teil des Festabends wurde das Volkslied in 7 lebendigen Bildern gezeigt.
Auch im Jahre 1931 wurde der Gottesdienst an allen kirchlichen Festtagen durch Gesänge M.G.V., der Singschar und des Schülerchors verschönt. Herr Pfarrer Mieritz sang in der Adventszeit mit den Konfirmanden vor den Türen der alten Leute. (Kurrende wie zur Zeit Luthers.)
                                                                          1932
Seite 117 (linke Spalte, Schulchronik)
1. Februar Kataster: Schülerzahl 79. Konfirmiert und aus der Schule entlassen wurden 6 Kd., 3 Mädchen 3 Knaben.
Am Montag, dem 14. März fand im Lieseschen Saale ein Elternabend statt. Chorgesänge, Gedichtvorträge und Aufführung dramatischer Szenen bildeten den Inhalt der Veranstaltung.
Der Tag der Schulentlassung (22. März) stand im Zeichen des Gedenkens an Joh. W. von Goethes Todestag († 22.3.1832.)
Der Unterrichtsplan des Jahre 1932 hat Goethes Werken einen großen Raum gewidmet.
Anläßlich des Volkstrauertages am 21. Februar wurden die Flaggen am Schulhause auf Halbmast gesetzt. Männerchor, Singschar und Schülerchor sangen im Gotteshause einige Gedächtnislieder.

Schülerzahl am 1. April 1932 = 80 Kinder
Schülerzahl am 1. Mai 1932  = 81 Kinder
Zu den Elternbeiratswahlen 1932 wurde ein Wahlvorschlag eingereicht:
1. Oskar Mentz
2. Emil Görzig
3. Erich Schrobback
4. Franz Rattei
5. Richard Nakonzer
Ersatzleute:
6. Franz Boschan
7. August Schneider
8. Alfred Rattei

Seite 117 (rechte Spalte, Ortschronik)
Vom Schicksal hart geprüft wurde die Familie des Sattlermeisters Franz Ternick. 2 Söhne sanken innerhalb weniger Tage ins Grab am 14. und 24. Februar verstarben ihre jugendfrischen Söhne Erich und Walter 20 u. 22 Jahre alt.
Die Wirtschaftsnot dringt auch in unseren friedlichen Ort. Beide Gastwirtschaften gingen durch Zwangsversteigerung in andere Hände über, die Schulzesche in Besitz von dem früheren Gastwirt H. Sattler, die Liesische in die Hände von Koschack aus Fürstenberg a./Oder. Verschiedene Besitzer haben zum Schutze gegen Zwangsversteigerung mit staatlicher Unterstützung das sogenannte Sicherungsverfahren eingeleitet.
Der Schülerchor und die Singschar veranstalteten am 3. Adventssonntag in der Kirche ein Kirchenkonzert. Als Solisten wirkten Lehrer Schneider – Neuzauche und Arbeitslagerführer Vogt – Pretschen (Blockflöte) mit.



 1932 - 1934  (Chronik Seiten 118 - 119)    Faksimile-Foto von Seiten 118 - 119  und  Zeitungsausschnitte 

Seite 118 (linke Spalte, Schulchronik)
Am 20. Juni unternahm die Schule eine Radpartie nach Cossenblatt, um dem Spreeübergang des Reiterregiments 9 beizuwohnen. Die Felddienstübungen boten den Schulkindern viel Neues und Interessantes. Das Dorf Kuschkow war überhaupt vom 18.-20. Juni stark belegt: 1 Eskadron Reit. Rgts. 9 (Fürstenwalde) und 1 Kompanie der Kraftfahrerabteilung 4 (Magdeburg). Am 19. Juni einem Sonntag hielten beide Formationen in dem hiesigen Gotteshause gemeinsamen Kirchgang.

Reichsjugendwettkämpfe am 4. September 1932. Es erhielten einen Preis:

Knaben: 1. Klasse


Mädchen: Vorklasse


Knaben: Vorklasse

Hermann Dillan
Gerhard Kniesigk
Hermann Klinge
Erna Mentz
Walli Mentz
Ella Rattei
Gustav Rattei
Herbert Mietke
Otto Jäzosch
Heinz Liese
Richard Leitert
Franz Wilke
Hermann Kroll
Erwin Mentz
Hermann Wilke
Hermann Michelchen
Wolfgang Böttcher
62 Pkt.
45  "
40  "
45 Pkt.
42  "
42  "
53 Pkt.
48  "
48  "
46  "
45  "
45  "
45  "
42  "
41  "
40  "
40  "
 


                                                                          1933
Seite 118 (linke Spalte, Schulchronik)
Februarkataster: 81 Schulkinder.
Der Lehrerverein Großleuthen hielt am 2. Februar seine Arbeitstagung in der hiesigen Schule ab. Lehrer Wegener führte eine Musikstunde vor.
Zum 1. April 1933 wurden 2 Knaben u. 3 Mädchen aus der Schule entlassen. Neu aufgenommen wurden 6 Kinder.
Die Schülerzahl betrug am 15. Mai 82.

Seite 118 (rechte Spalte, Ortschronik)
Herr Pfarrer Mieritz = Krugau verließ nach dreijähriger Wirksamkeit unsere Gegend, um nach Berlin–Niederschönhausen überzusiedeln. Sein Weggang wurde in der hiesigen Gemeinde bedauert. Ein Mann von hinreißender Beredsamkeit verstand er, die Herzen seiner Hörer zu fesseln.

Seite 119 (linke Spalte, Schulchronik)
Ein Hilfslehrer wurde der hiesigen Schule zugeteilt. Herr Kt. Tulle aus Reppen, Krs. West-Sternberg unterrichtete von 1. bis 19. Mai in der hiesigen Schule. Ein neuer Hilfslehrer Herr Noack beheimatet aus Saspow bei Kottbus letzte Stelle in Schmellwitz bei Kottbus, wurde zum 27. Mai nach Kuschkow versetzt. Am 29. Mai 1933 wurde er von Herrn Schulrat Dr. Jänicke feierlich in sein Amt eingeführt. Herr Schulrat wohnte eine Stunde dem Religionsunterrichte der Ober- und Mittelstufe bei. Lehrer Wegener unterrichtet – meist am Vormittag – 30 Stunden. Hilfslehrer Noack unterrichtet – meist am Nachmittag – 20 Stunden.

Am 24. Juni, dem Tage der Sommersonnenwende, veranstaltete die hiesige und die Pretschener Schule in Pretschen das "Fest der Jugend", wobei turnerische Wettkämpfe nach Art der bisherigen Reichsjugendwettkämpfe ausgetragen wurden. Am Abend wurde das Sonnenwendfeuer abgebrannt, wobei Lehrer Noack die Feuerrede hielt.

Am 2. September 1933 war Wandertag. Die Schulkinder der Ober- u. Mittelstufe fuhren mit einem Autoomnibus nach Potsdam, wo die historischen Stätten (Garnisonskirche, Sanssouci, Neues Palais) besichtigt wurden. Zum Schluß wurde noch ein Abstecher nach dem Flughafen Tempelhof gemacht. – Die Unterstufe wurde von Herrn Lehrer Noack nach Schlepzig geführt, von dort eine Kahnpartie unternommen.

Unter den Schulkindern brach Anfang September eine Masern-Epidemie aus, welche mehr als 1/3 aller Kinder (30) erfaßte. Trotzdem wurde der Unterricht fortgeführt.
Herbstferien: Schulschluß: 16. Septb. Schulanfang 16. Oktober.

Seite 119 (rechte Spalte, Ortschronik)
Am 1. Adventssonntag wurde der neue Ortsgeistliche, Herr Pfarrer Buchholz aus Nauen (Havelland) feierlich eingeführt.

                                                                          1934
Die Arbeiten zur Durchführung des großzügigen Spreeregulierungsprojektes sind seit 1932 in vollen Gange. In der Kuschkower Feldmark wurde an der Chausseebrücke nach Neulübbenau eine Stauschleuse errichtet.

{Ab hier beginnt eine andere erwachsene Handschrift}

Zu Dorfältesten der Gemeinde Ku. wurden von Herrn Landrat von Alvensleben ernannt:
1. Kossät Erich Jähns,
2. Anbauer Emil Borch,
3. Anbauer Richard Nakonzer,
4. Bauunternehmer Franz Mating,
5. Landwirt Oskar Wilke,
6. Uhrmacher Alfred Rattei.

Die Spree wird reguliert.
Riesige Schlamm- u. Sandmassen werden aus dem Fluß herausgeholt u. auf die Wiesen verteilt. Das Flussbett wird im ganzen tiefer gelegt. Abzugsgräben werden an den angrenzenden Wiesenflächen zur Spree gezogen. Der Wert der Arbeit wird vielleicht der nächsten Generation zugute kommen. Bis jetzt waren die Wiesen oft den größeren Überschwemmungen ausgesetzt, die Gräser u. damit die Wiesen überhaupt waren schlecht geworden u. boten kein gutes Viehfutter mehr. Das Hochwasser verdarb u. vernichtete oft genug noch den Ertrag dieser Wiesen. Das soll nun alles wegfallen.

{Die folgenden Bilder stammen aus dem Familienarchiv Jäzosch. Sie zeigen genau die in der Chronik erwähnten Arbeiten an der Chausseebrücke nach Neu Lübbenau. Ausgeführt wurden die Arbeiten an diesem Abschnitt der Pretschener Spree durch den unter der Regierung Brüning 1931 eingeführten Freiwilligen Arbeitsdienst (FAD), Abteilung 6/81 (Lübben). Das Arbeitsdienstlager Lübben wurde im September 1932 ausgebaut, ab 1935 überführt in den Reichsarbeitsdienst (RAD, Reichsarbeitsdienstgesetz vom 26. Juni 1935). Die Maßnahme "Regulierung der Pretschener Spree" im 14 Km langen Verlauf von Schlepzig - Kuschkow - Platkow - Pretschen bis zur Einmündung in die Beeskower Spree wurde am 1. September 1932 angefangen; siehe dazu unten im Literaturverzeichnis "Arbeitsdienst im Spreewald ...", Seite 49. Angaben zum RAD-Barackenlager in Kuschkow folgen unten zum Jahr 1935.





Drei Mitglieder des Freiwilligen Arbeitsdienstes um 1933 in Ausgehuniform, wohl zu Besuch auf einem Hof; die jungen Männer sind namentlich nicht bekannt, sie stammen nicht aus Kuschkow. Sowohl das linke Bild als auch die Bilder oben müssen um 1933 entstanden sein, sie zeigen noch die alten Uniformen des Freiwilligen Arbeitsdienstes (FAD) vor der Überführung der Organisation durch die Nationalsozialisten in den Reichsarbeitsdienst (RAD) 1935 und Einführung der neuen Uniformen mit Hakenkreuz-Armbinde.

Es folgt ein Textausschnitt aus der "Verordnung über den freiwilligen Arbeitsdienst" vom 16. Juli 1932, bitte anklicken zur Vergrößerung:



 


Wegen der zu erwartenden Kosten sahen einige der betroffenen Bauern dieses Projekt anfangs eher skeptisch. Es führte soweit, dass diese Bauern zum Beitritt in die Wassergenossenschaft Pretschener Spree mit Sitz in Kuschkow durch einen Beschluss der Bezirksregierung zu Frankfurt (Oder) vom 13. Dezember 1933 gezwungen werden mussten. Bei Interesse kann dieser Beschluss aus dem Archiv der Familie Schneider hier gelesen werden ‒ die folgenden Bilder bitte anklicken zur Vergrößerung.}






 1934 - 1936  (Chronik Seiten 120 - 121)    Faksimile-Foto von Seiten 120 - 121 

Seite 120 (linke Spalte, Schulchronik)
                                                                          1934
Am 1. Februar betrug die Schülerzahl 81. Konfirmiert und aus der Schule entlassen wurden Ostern 1934  8 Knaben und 7 Mädchen. Am 24. März verstarb in der 2. Klasse der Schüler Erwin Wilke III, Sohn des Landwirts Hermann Wilke. Er wurde unter großer Beteiligung der Schüler und Gemeinde zur letzten Ruhe bestattet. Die Kinder sangen ihm das Grablied.
Neu aufgenommen wurden Ostern 1934  2 Knaben und 5 Mädchen. Die Schülerzahl am 15. April 1934 ist 72.
Anläßlich des Todes des ehrwürdigen ...

{Der Absatz bis zum 15. April ist wieder von kindlicher Handschrift. Ab 1. November wieder die Schrift eines Erwachsenen, vielleicht die des Lehrers Thürmer.}

Zum 1. Nov. 1934 verläßt Herr Lehrer Wegener Kuschkow, um zunächst die kommissarische Verwaltung der Hauptlehrstelle in Neu-Zauche zu übernehmen. Desgl. wird Hilfslehrer Noack zum 1. November nach Forst versetzt. Für Herrn Wegener übernimmt Schulamtsbew. Gerhard Thürmer die vertretungsweise Verwaltung der Stelle in Kuschkow. Die Verwaltung der Hilfslehrerstelle übernimmt Hilfslehrerin Gertrud Wimmer, vorher Friedeberg, Nm.

Schulbild aus dem Jahr 1934 mit Lehrer Fritz Wegener (rechts), fotografiert vor der Dorfkirche. Der Lehrer Fritz Wegener war vom 11.9.1922 bis 1.11.1934 an der Dorfschule tätig; dieses Foto ist somit das letzte Jahrgangsfoto mit ihm. Links im Bild ist sein ihm 1933 zugeteilter Hilfslehrer zu sehen.
 


                                                                          1935
Am 31. Jan. fuhren 28 Kinder zum Besuch der Grünen Woche in Berlin.
Die Schülerzahl betrug am 1. Febr.: 73. Konfirmiert u. aus der Schule entlassen wurden am 28.3.: 7 Knaben u. 4 Mädel.
Neu aufgenommen wurden Ostern 34  9 Kinder.

Seite 120 (rechte Spalte, Ortschronik)
Durch die Regulierung der Spree hoffte man – wenn es nicht ganz grob kommen sollte – Überschwemmungen zu vermeiden. Die Bauern können danach mit ruhigem Gewissen ihre Wiesen umbrechen, neu einsäen, ohne der Gefahr ausgesetzt zu sein, daß eine Überschwemmung alles wieder vernichten könnte. So hoffen die Kuschkower, daß durch diese Regulierungsarbeiten an der Spree die ganze Wirtschaft unseres Dorfes gehoben wird.

{Ende 1935 wurde in Kuschkow auf der freien Fläche links vor dem Friedhof ein Barackenlager als Außenstelle des inzwischen in den Reichsarbeitsdienst (RAD) überführten Freiwilligen Arbeitsdienstes (FAD) errichtet, welches anfangs ebenfalls unter der Abteilungsnummer 6/81 (Lübben) geführt wurde. Die folgende Ansichtskarte aus dieser Zeit zeigt das Lager zum Zeitpunkt der Errichtung, bezeichnet als "Arbeitslager Kuschkow Abt. 6/81 beim Ausbau". Ziel war es wohl, die täglichen Anfahrtszeiten bis zu den Baustellen bzw. Arbeitsorten zu verkürzen. Aus den vielen im Familienarchiv vorhandenen Fotos geht hervor, dass die Arbeitsdienst-Abteilungen offenbar 1936 umstrukturiert wurden, jedenfalls sind die Lagereingänge und Uniformen der in Kuschkow stationierten Dienstpflichtigen ab 1936 immer mit der Abteilungsnummer 3/81 und nicht mehr mit 6/81 gekennzeichnet, sowohl auf den Spatensymbolen an den Gebäuden als auch über der Hakenkreuzbinde am linken Ärmel der Uniformen. Rechts ein Bildbeispiel von 1936 mit einer unbekannten Person vor dem Lagertor in Kuschkow. Noch 1934 wurde unter der Nummer 3/81 die Abteilung Peitz geführt; siehe Literaturangabe unten, Seite 32. Beide Abteilungen waren Untereinheiten der RAD-Gruppe 81 (Cottbus), diese existierte nach den Angaben bei Georg Tessin (siehe unten) vom 1.10.1935 bis 12.11.1943.}
 


Seite 121 (linke Spalte, Schulchronik)
Am 1. April verlässt Frl. Gertrud Wimmer die hiesige Schule, um nach Altdöbern, Krs. Calau zu gehen. Aus Seelow, Krs. Lebus, übernimmt Frl. Gertrud Wendt die Verwaltung der Hilfslehrerstelle.
Nach den Osterferien, Ende April, betrug die Schülerzahl: 72.
Die Sommerferien in diesem Jahr dauerten vom 10. Juli bis zum 5. August. Die Schülerzahl am 1. Okt.: 72.
In den Weihnachtsferien (23.12.1935 bis 7.1.36) wurden endlich neue Doppelfenster im Klassenzimmer eingesetzt.

                                                                          1936
Schülerzahl am 1. Febr.: 71. Zu Ostern 36 verließen 12 Kinder (7 Kn. + 5 M.) die Schule. Neu aufgenommen wurden 8 Kinder (4 Kn. + 4 M.), sodaß die Schülerzahl am 15. April 67 betrug.

Seite 121 (rechte Spalte, Ortschronik)
Das Ehepaar Hermann Sattler beging am 26.2. das Fest der goldenen Hochzeit. Der Herr Landrat stattete dem Jubelpaar einen Besuch ab.

Seite 121 (unten, ganze Seitenbreite)
{Der folgende Text ist von einer neuen erwachsenen Handschrift geschrieben. Von hier ab sind die Seiten nicht mehr in separate Spalten für Schulchronik und Ortschronik aufgeteilt.}

Am 18. Juni wurde die Schule von einem schweren Unglück betroffen. An diesem Tag verunglückte unser Klassenkamerad Richard Kaatsch tödlich. Als er aus der Schule gekommen war, sollte er gleich noch vor dem Mittagessen zur Mühle fahren. Er bat den Vater, der gerade beim Ausspannen war, Pferd und Wagen nehmen zu dürfen. Auf dem Heimweg fiel er vom Wagen u. wurde überfahren. Seine inneren Verletzungen waren so schwer, daß er abends 19 ¼ Uhr im Krankenhaus zu Beeskow starb. Richard Kaatsch war 11 Jahre alt. – Unter großer Anteilnahme der ganzen Bevölkerung u. der gesamten Jugend bestatteten wir ihn am darauffolgenden Sonntag zur letzten Ruhe –

Am 23. Dezember fand, wie in jedem Jahr ein Elternabend (Weihnachtsfeier) bei Koschack statt. Mit dem gemeinsamen Gesang: Vom Himmel hoch ..... wurde der Abend eingeleitet. Nach ein paar kurzen Worten des ...



 1936 - 1941  (Chronik Seiten 122 - 123)    Faksimile-Foto von Seiten 122 - 123 

Seite 122
                                                                          1936
... Lehrers an die Elternschaft, führten die Kinder zwei Stücke auf. Die größeren spielten ein 'Krippenspiel', die kleineren ein Stück: "Die Weihnachtsgeister sind am Werke". Weihnachtslieder, von den Kindern gesungen, halfen die Feier verschönern. Zum Schluß erschien für alle Kinder der Weihnachtsmann.
Kurz vor den Weihnachtsferien herrschte in Kuschkow die Grippe. Sehr viele Kinder waren erkrankt. Am 10.12. waren nur 28 Kinder (von 61) in der Schule. Zehn Tage war ich selber krank. Die Vertretung in der Schule übernahm der Lehrer aus Gröditsch.

                                                                          1937
{neue Handschrift} Ostern 1937 verließen 10 Kinder die Schule (4 Knaben u. 6 Mädchen). Nach den Osterferien (vom 20.3.-9.4.) wurden 8 Schulanfänger aufgenommen (5 Kn. u. 3 Mädchen).
Die Schülerzahl beträgt am Anfang des neuen Schuljahres 64.
Nach den Sommerferien (10. Juli – 5. Aug.) hat die Schule endlich die neuen Schulbänke bekommen. Es wurden 27 zweisitzige Bänke mit umklappbarer Tischplatte angefertigt. Sie wurden in 3 Reihen aufgestellt und an Schienen angemacht, so daß sie für die Reinigung des Klassenzimmers umgelegt werden können. Der Preis einer Bank betrug 40,00 Rm.
Am 15. Aug. führte die Schule ein Kinderfest durch. Die Kinder vergnügten sich den ganzen Nachmittag mit fröhlichen Spielen, Wettläufen, Sackhüpfen usw. auf dem Sportplatz. Für ihre Anstrengungen wurden sie durch allerlei "Überraschungen" belohnt. Als es dunkelte, ging es mit Musik und Fackelbeleuchtung ins Dorf zurück.
Am 15. November betrug die Schülerzahl 71.

                                                                          1938
Am 31. März schloß das alte Schuljahr. 11 Kinder verließen die hiesige Schule. Neu aufgenommen wurden 5 Knaben. Die Osterferien dauerten vom 1.-20. April. Die Schülerzahl beträgt jetzt 65.
Am 17. Mai machte die Schule einen Ausflug (Omnibusfahrt) zum Schiffshebewerk bei Niederfinow. Die Fahrt führte über Storkow, Friedersdorf, Reichsautobahn, (Berliner Ring und Strecke Berlin – Stettin) Finow nach Eichhorst am Werbellinsee. Auf dem Werbellinsee machten wir eine herrliche Dampferfahrt. Von Eichhorst ging es über Eberswalde zum Schiffshebewerk. Auf der Rückfahrt kamen wir über Freienwalde, Wriezen, Fürstenwalde und Beeskow. Es nahmen an der Fahrt 23 Kinder und 13 Erwachsene teil. – Anfang September wurden die hiesigen Besitzer von einem großen Schaden betroffen. In den Morgenstunden des 10. September eilte die Kunde durch das Dorf: Das Stauwerk an der Chaussee zwischen Neu-Lübbenau und Schlepzig ist gebrochen. Unaufhörlich strömten nun die Wassermassen der überschwemmten Schlepziger Wiesen auf "unsere Seite". Jeder, der konnte, mußte helfen. Die Schulkinder holten Säcke zusammen, die an die Durchbruchs- ...

Seite 123
... stelle gebracht wurden. Kuschkower Besitzer versuchten unermüdlich, das Wasser an der Durchbruchstelle einzudämmen. Aber es gelang nicht; die Macht des Wassers war zu groß. Von den am meisten bedrohten Wiesen fuhren nun die Besitzer ihre Heuhaufen ab und, wo dies nicht mehr möglich war, mußte das Heu mühsam rausgetragen werden. Am nächsten Tage waren schon die Wiesen rechts und links an der Chaussee zwischen Kuschkow und Neu-Lübbenau kurz vor dem "Lübbenauer Busch" "blank". Viele Besitzer mußten nun auch darangehen, die Kartoffeln der in dem gefährdeten Gebiet gelegenen Kartoffelfelder auszubuddeln. So wurde in wenigen Stunden und Tagen ein nicht unerheblicher Schaden angerichtet. Erst nach einigen Tagen gelang es, die Durchbruchstelle wieder zu schließen. Die Ursache des Stauzusammenbruchs konnte nicht einwandfrei festgestellt werden.

Schulbild aus dem Jahr 1938, fotografiert vor der Dorfschule in der Kirchstraße (heute Kindergarten). Der Lehrer rechts im Bild war Gerhard Thürmer, an der Schule tätig von November 1934 bis Januar 1940.
 


                                                                          1939
{Gleiche Schrift wie ab Seite 122.} Ostern 1935 {1939} verließen 7 Knaben und 4 Mädchen die Schule. Neu aufgenommen wurden 5 Mädchen und 4 Knaben. Zu Beginn des neuen Schuljahres betrug die Schülerzahl: 60.
Die Sommerferien dauerten vom 1.6. bis 10. Juli.
Ab 2.September kam Herr Lehrer Radke aus Pretschen 3 mal in der Woche nach Kuschkow, um die hiesige Schule zu versorgen. Am 17. November übernahm Frau Loest (Gattin des Herrn Loest aus Kuschkow und ehemalige Lehrerin) den Schuldienst.

                                                                          1940
Die Weihnachtsferien begannen am 16. Dezember und dauerten infolge Kohlenmangels bis zum 8. Januar 1490 {1940}. Am 31. Januar zog Frau Loest aus Kuschkow fort und legte die Arbeit an der Schule nieder. Vom 1. Februar bis 15. März war die Kuschkower Schule ohne Unterricht. Am 16. März übernahm Frau Luise Michelchen aus Kuschkow, ebenfalls ehemalige Lehrerin, die Vertretung der Schule. (Frau des Lehrers i.R. Max Michelchen)
Ostern verließen 5 {Knaben} und 4 Mädchen die Schule. Es wurden 3 Knaben und 4 Mädchen neu aufgen.
Zu Beginn des neuen Schuljahres betrug die Schülerzahl 64.
Im Schuljahr 1940 waren die Ferien wie folgt angesetzt:
Osterferien: 20. - 27. März, Pfingstferien: 11. - 15. Mai, Sommerferien: 13. Juli - 12. August, Herbstferien: 14. September - 20. Oktober, Weihnachtsferien: 21. Dez. - 5. Jan. 1941.

                                                                          1941
Am 29. März fand die Entlassung statt. Es verließen 4 Knaben u. 2 Mädchen die Schule. Osterferien waren vom 10. - 16. April, Pfingstferien vom 31. Mai - 3. Juni.



 1941 - 1946  (Chronik Seiten 124 - 125)    Faksimile-Foto von Seiten 124 - 125 

Seite 124
Schluß des Schuljahres war am 19. Juli. Die Neueinschulung erfolgte erstmalig nach den Sommerferien, die vom 20. Juli bis zum 31. Juli dauerten. Es wurden 5 Knaben und 3 Mädchen neu aufgenommen. Die Herbstferien waren vom 20. Sept. bis 19. Oktober. Am 15. November zählte die Schule 71 Kinder, 40 Knaben u. 31 Mädchen.

                                                                          1942
Der kalte Winter traf uns empfindlich. Er dauerte sehr lange. Infolge der rauhen N.O.-Stürme froren die Saaten aus, ebenso fiel ein großer Teil unserer schönen Obstbäume der Kälte zum Opfer.
Am 21. März verließen 11 Kinder die Schule, 5 Knaben und 6 Mädchen.
Osterferien vom 1. bis 13. April. Pfingstferien vom 23. bis 28. Mai. Sommerferien vom 13. Juli bis 5. August. Das neue Schuljahr begann am 6. August. Es wurden 7 Kinder neu aufgenommen: 5 Knaben, 2 Mädchen.
Mit dem neuen Schuljahr wurde die Normalschrift eingeführt.
Im Sommer machte sich bei den Kindern ein unangenehmer Ausschlag bemerkbar, der nach und nach alle ergriff.
Die Herbstferien dauerten vom 19. September bis 19. Oktober. Die Kartoffel- u. Rübenernte brachte gute Erträge.
In den Herbstferien erkrankten mehrere Kinder des Dorfes an Diphterie. Die Familie des Landwirtes Hermann Jäzosch wurde schwer getroffen: 2 Knaben, Hermann (5 J.) u. Günter (7 J.) starben an dieser tückischen Krankheit. Die Schule wurde infolgedessen von Gesundheitsamt nach den Herbstferien noch 8 Tage geschlossen bis zum 28.10. Sämtliche Schul- u. Kleinkinder wurden zweimal gegen Diphterie geimpft.
Am 15. November zählte die Schule 67 Kinder, 39 Knaben und 28 Mädchen. In der Woche vom 16. - 21. November wurden sämtliche Schulkinder dem Schulzahnarzt in Gröditsch zugeführt, der allen unentgeltlich die schlechten Zähne zog oder ausbesserte. Die Weihnachtsferien dauerten vom 16. Dezember bis zum 6. Jan. 1943.

Seite 125
                                                                          1943
Am 27. März wurden 11 Kinder, 6 Knaben und 5 Mädchen aus der Schule entlassen. Am 1. April wurde eine 2. Lehrerstelle in Kuschkow eingerichtet. Sie wurde durch die Lehramtsanwärterin Irmgard Linker besetzt.
Die Osterferien dauerten vom 22. April – 2. Mai. Am 12. Juli begannen die Sommerferien und dauerten bis zum 5. August.
Die diesjährige Ernte war gut und konnte bei anhaltend trockenem Wetter schnell geborgen werden.
Die Osterferien dauerten vom 22. April bis 2. Mai. Am 31. Juli wurde Frau Michelchen auf eigenen Wunsch aus dem Schuldienst entlassen. Zahl der Schulkinder am 15.11.: 67, davon 40 Knaben, 27 Mädchen. Vom 3. bis zum 17. Dezember 1943 wurde durch Lehrer Merting, Lübben, vertreten.


{Der folgende Abschnitt bis zum Beginn des Jahres 1946 ist kein Bestandteil der Schulchronik.}

Persönliche und familiäre Ergänzungen zur Schulchronik für 1944 und 1945
Für die Jahre 1944 und 1945 fehlen Eintragungen in der Schulchronik. Daher füge ich einige wenige Informationen zu dieser Zeit aus eigenen Dokumenten hinzu, darunter die Schulzeugnisse meines Vaters.

Auf der Anfangsseite des Zeugnisheftes wird die unterschiedliche Bewertung von Führung und fachlichen Leistungen erklärt (linkes Bild). Der Lehrer Thürmer nutzte weitere Abstufungsmöglichkeiten innerhalb einer Bewertung mit den Zusätzen "ziemlich" und "fast", wie im Zeugnis von 1938 zu sehen ist (mittleres Bild). Ab dem Zeugnis von März 1939 sind geänderte Bewertungen als Leistungsstufen von 1-6 als Ziffern angegeben (rechtes Bild). Alle Bilder bitte anklicken zum Vergrößern.



Bis zum Jahr 1939 war Ostern der Termin für Schuljahresbeginn, Einschulung, Schulentlassung und Zeugnisausgabe. Gemäß Schulchronik wurde dieser Termin ab 1942 geändert. Bis 1944 entließ man die Kinder noch zu Ostern. 1941 ist von der erstmaligen Einschulung nach den Sommerferien die Rede.

Wegen fehlender Lehrer fand von Februar bis März 1940 keine Schule statt, für 1940 ist kein Zeugnis vorhanden. Das folgende Zeugnis vom 19. Juli 1941 ist ausgestellt von Frau Michelchen und markiert wohl den Beginn der neuen Schuljahresrechnung (linkes Bild). 1942 und 1943 sind zusätzlich auch im Februar Halbjahreszeugnisse ausgegeben worden. Allerdings liegt das Entlassungszeugnis des 8. Jahrgangs am 25. März 1944 vor (mittleres und rechtes Bild, Vorder- und Rückseite). Sicher war der Krieg Ursache für dieses Durcheinander.



Das Kirchenbuch gibt Auskunft über die Konfirmation am 19.3.1944 mit den Konfirmanden Gerhard Görsdorf (Vater Karl war Zimmermann), Manfred Jäzosch (Vater Bernhard war Müllermeister) Herbert Müller (Vater schwer lesbar?), Kurt Brandt (Vater Fritz war Arbeiter), Elli Dillan (Vater Hermann war Landwirt), Hanni Mating (Vater Hermann war Maler), Ruth Meyer (Vater Heinrich war Zimmermann) sowie Hildegard Pätzold (Pflegekind bei Franz Mating); Reihenfolge gemäß Eintragung im Kirchenbuch (siehe das linke folgende Bild, bitte anklicken zum Vergrößern), auf dem danach folgenden Gruppenfoto sind diese Konfirmanden zu sehen.


 

Konfirmation am 19.3.1944
Das Foto zeigt die 8 Konfirmanden, die Namen konnten den abgebildeten Personen leider nicht zugeordnet werden, abgesehen von meinem Vater Manfred Jäzosch im Hintergrund rechts, zwischen den beiden Hutträgern:
- Hildegard Pätzold
  (Pflegekind bei Franz Mating)
- Ruth Meyer
  (Vater: Heinrich Meyer, Zimmermann)
- Hanni Mating
  (Vater: Hermann Mating, Maler)
- Elli Dillan
  (Vater: Hermann Dillan, Landwirt)
- Gerhard Görsdorf
  (Vater: Karl Görsdorf, Zimmermann)
- Herbert Müller (Vater: ..?..)
- Manfred Jäzosch
  (Vater: Bernhard Jäzosch, Müllermeister)
- Kurt Brandt
  (Vater: Fritz Brandt, Arbeiter)
 

 
Sogar 1945 in den Kriegswirren fand eine Konfirmation in Kuschkow statt am 4. März für die Konfirmanden Gerhard Barwar (Vater Ernst, Anbauer), Adolf Bossenberger (Mutter: Franziska Bossenberger, Pflegekind bei Franz Rattei), Heinz Kaatsch (Vater Richard, Büdner), Oswin Mating (Vater Hermann war Maler), Heinz Meyer (Vater Heinrich war Zimmermann), Lori Koschack (Vater Erich war Gastwirt), Vera Bade? (Vater Richard war Mauerer, Pflegekind bei Erich Borch ?) sowie Gisela Lehmann (Vater Adolf war Arbeiter); Reihenfolge der Namen wieder gemäß Eintragung im Kirchenbuch, siehe dazu oben das rechte Bild mit den entsprechenden Seiten.

Es darf bezweifelt werden, ob es wie sonst üblich, in diesen Jahren eine große Feier gab, ob die Soldaten-Väter überhaupt anwesend sein durften. Der Krieg diktierte das Leben, raubte dieser Generation nicht nur Kindheit, Ausbildung und Jugend, häufig ihre Väter, Familien, ihr Zuhause. {Hier enden meine persönlichen Ergänzungen.}


Fortsetzung Seite 125
                                                                                1946
{Neue Schrift von Schulamtsbewerber Alfred Liemann.}
Durch das unglückliche Kriegsende und den damit verbundenen Verwirrungen wurde die Führung der Schulchronik unterbrochen, deren Weiterführung ich jetzt wieder übernehmen will.
Am 1.3.46 übernahm ich, Schulamtsbewerber Alfred Liemann, die Leitung der Volksschule zu Kuschkow, in welcher ein dreiklassiges System besteht. Die zweite Lehrstelle ist besetzt durch die Schulamtsbewerberin, Frl. Gudrun Kaatsch. Die Schülerzahl beträgt: 106.
{Weiter mit neuer Schrift von Lehrer Willi Schmädicke.}
Zum 1. April 1946 wurde die Leitung der Schule dem Lehrer Willi Schmädicke übertragen. Er trat seinen Dienst am 8. April an.
Am 17. April revidierte Herr Schulrat Maey die II. Klasse im Rechnen und Deutschunterricht. Am 18.4. besichtigte der Ortsschulausschuß das Schulgebäude zwecks Beseitigung einiger Mängel. Die Haustür soll instand gesetzt werden. In der II. Klasse müssen 8 neue Bänke aufgestellt werden. Die Ausführung der Arbeit wurde dem Tischlermeister Domke aus Kuschkow übertragen.
Zum 1. Mai 1946 wurde Fräulein Kaatsch nach Krugau versetzt & an ihre Stelle kam Frau Lehninger.



 1946  (Chronik Seiten 126 + 127)    Faksimile-Foto von Seiten 126 + 127 

Seite 126
Frau Lehninger hat nur einen Monat an der hiesigen Schule unterrichtet. Sie wurde am 1. Juni 1946 nach Lieberose versetzt und Fräulein Kaatsch kam wieder zurück aus Krugau nach Kuschkow.
Im Rahmen der angeordneten Jahres-Abschlußfeier beteiligten sich die Kuschkower Schulkinder unter Leitung des Lehrers Schmädicke an dem Sportfest in Schlepzig. Knaben und Mädchen gaben ihr Bestes und erzielten im 4·100 m Lauf mit 64 Sekunden und 10·50 m Lauf mit 83 Sekunden gute Ergebnisse. Im Weitsprung gelang dem Schüler Paul Städter 4,10 m zu springen. Beim Tauziehen im Wettkampf mit Krugau war Kuschkow anfänglich im Vorteil, jedoch waren die Bodenverhältnisse, Bodenglätte, der anderen Partei günstiger und Krugau konnte den Sieg davontragen. Jedenfalls gaben die Sportspiele den Kindern großen Anreiz zu weiterer, zielbewußter Arbeit für die Zukunft.
Jahres-Abschlußfeier in der Schule zu Kuschkow am 26. Juli 1946.
Im Rahmen der Jahres-Abschlußfeier nahmen die Kuschkower Schulkinder, wie bereits oben kurz angegeben, an dem Sportfest in Schlepzig am 7. Juli teil. Sie traten an zum 4·100 m Lauf & 10·50 m Lauf. Sie zeigten hierbei beachtliche Leistungen. Alsdann bewiesen ...

Seite 127
... sie beim Weitsprung und Tauziehen volle Einsatzfreudigkeit. Die anschließenden Volkstänze gefielen allen Kindern. Erfüllt mit neuen Anregungen und befriedigt von dem schönen und harmonischen Verlauf des Sportfestes traten die Schulkinder den Rückmarsch nach Kuschkow an.
Am 23.7. unternahm die Schule Kuschkow einen Ausflug nach dem Weinberge bei Pretschen. An dieser Wanderung beteiligten sich alle Kinder der Schule. Am Ziele angelangt, gestärkt und ausgeruht, verbrachten die Kinder längere Zeit mit Spielen, Kreis- und Singspielen und Reigentänzen. Unter Gesang und frohem Geplauder wurde der Rückmarsch angetreten. Die eigentliche Abschiedsfeier fand am 26.7.46 um 9 Uhr in der Schule statt. Anwesend waren außer den Lehrern und Schülern der Bürgermeister, die Vertreter der Parteien & der freien deutschen Jugend, die Mitglieder des Ortsausschusses für Schul- & Erziehungsfragen des Elternausschusses und die Eltern der zu entlassenden Kinder. Gesang der Kinder und eindrucksvoll vorgetragene Gedichte schufen eine feierliche Stimmung. Aus dieser heraus fanden auch die Abschiedsworte des Lehrers Schmädicke an die Kinder sichtbare Aufnahme bei Kindern und den anwesenden Eltern und Gästen. Der Abschiedrede waren Goethes Worte: "Edel sei der Mensch, hilfreich und gut" zugrunde gelegt. Der Lehrer machte die Anwesenden mit den Zielen und der Unterrichtsweise der demokratischen Schule bekannt & sprach die Hoffnung aus, daß es uns mit Hilfe der neuen demokratischen Schule ...



 1946  (Chronik Seiten 128 - 129)    Faksimile-Foto von Seiten 128 - 129 

Seite 128
... gelingen möge unseren Kindern eine bessere Zukunft zu schaffen. Nach Austeilung der Zeugnisse & Verabschiedung der Kinder wurde die schöne Feier mit dem Liede: Brüder zur Sonne zur Freiheit beendet. Es erfolgte nun die Besichtigung der Ausstellung von Schülerarbeiten, bestehend aus Handarbeiten der Mädchen, Zeichnungen, Landkarten, Herbarien, Schriftlichen Arbeiten. Die Ausstellung blieb bis Sonntag geöffnet, damit allen Eltern und Kindern zwecks Besichtigung zugänglich. Nach beendeter Schulpflicht verließen folgende Kinder die Schule: 1. Elfriede Wolff. 2. Hildegard Kühn. 3. Irmgard Bossenberger. 4. Maria Hoffmann. 5. Siegfried Noack. 6. Engelhard Jaehns. 7. Paul Staedter. 8. Siegfried Jäzosch. 9. Winfried Lehmann.
 

Das im folgenden Absatz erwähnte Gasthaus Elsner (Gasthaus "Zur Linde") auf einer Postkarte wohl aus den späten 1930er Jahren, vom Gastwirtsehepaar Gerda und Fritz Elsner geführt von 1940 bis 1950, inzwischen nach Totalschaden 1991 durch Brand abgebrochen. Ausführliche Angaben zur wechselvollen Geschichte dieser Gaststätte findet man in der "Chronik der Gemeinde Kuschkow" von Familie Scheibe, Seiten 66-67.

Oben im Bild die Kirchstraße, unten rechts die Dorfstraße mit Blickrichtung Dürrenhofe, im Hintergrund das Fachwerkhaus.






 

 
25. August 1946.
Am 25. August wurde auf Veranlassung der Volkssolidarität in Kuschkow der "Tag des Kindes" in Form eines Kinderfestes gefeiert. Schon am frühen Vormittag begannen die Vorbereitungen zum Feste. Der Platz vor dem Gasthaus Elsner wurde mit Eichengrün eingefaßt. Hier sollten die Vorführungen der Kinder stattfinden. In den Vormittagsstunden übten die Mädchen den Bändertanz. Leider begann es gegen Mittag zu regnen und so mußte die Veranstaltung im Saale stattfinden. Die Feier begann gegen 14 Uhr bei Elsner. Schulkinder, Lehrer und Eltern waren zahlreich erschienen. Die Kinder sangen eini- ...

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... ge Lieder. Margitta Elsner trug das Gedicht: "Hab’ Sonne im Herzen" sehr eindrucksvoll vor. Lehrer Schmädicke begrüßte alle Erschienenen mit herzlichen Worten. In seiner Ansprache wies er auf die Beweggründe hin, die die Volkssolidarität veranlaßt hatte, den "Tag des Kindes" einzurichten. Unseren Kindern soll Freude bereitet werden. So haben sich alle zu der Feier eingefunden, um sich einige Stunden mit den Kindern gemeinsam bei Spiel und Tanz zu erfreuen. Es folgten darauf noch mehrere Gesänge und ein Begrüßungsgedicht, vorgetragen von den Knaben. Volkstänze der Mädchen wechselten mit Spielliedern der Kleinen und Wettspiele der Knaben. Das Märchenspiel vom Schweinehirten bildete den Höhepunkt der Feier. Die Kinder fanden sich sehr schön in der Sprache des Märchens zurecht und fand die Aufführung allgemeinen Beifall. Es folgten nun weitere Volkstänze der Mädchen und Tanzspiele der Kinder des 1. - 2. Schuljahres. Nachdem die Kinder sich schon bei Beginn der Feier bei Kaffee und Kuchen gütlich getan hatten wurden nun nach den gelungenen Aufführungen alle erst recht befriedigt durch ein schmackhaftes ...



 1946  (Chronik Seiten 130 - 131)    Faksimile-Foto von Seiten 130 - 131 

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... und reichhaltiges Abendbrot in Gestalt von Gulasch mit Salzkartoffeln und Apfelmus. Beim anschließenden Tanz erfreuten sich die Kinder noch einige Stunden, bis sie dann am Abend den Erwachsenen den Platz einräumten, die sich noch lange am Tanz und bei schöner Musik verweilten. Herr Bürgermeister Liepe dankte den Veranstaltern des Kinderfestes für ihre aufgewandte Mühe, besonders dem Frauenausschuß, den Lehrern und den erschienenen Gästen aus Lübben für ihre Unterstützung. Herr Stratmann hatte aus seinem Betrieb eine ganze Reihe schöner Geschenke für die Flüchtlingskinder und Waisen gestiftet. Auch der Frauenausschuß schenkte den Kindern allerlei nützliche Sachen. So verlief das Fest und der "Tag des Kindes" in voller Harmonie und zur Zufriedenheit der Eltern und Kinder.
                                                                     Schuljahr 1946 / 47
Am 2. September begann das Schuljahr 1946/47 mit einer Begrüßungsfeier für die Kinder und Eltern der neuaufgenommenen ...

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... Kinder von sechs Jahren. Lehrer Schmädicke begrüßte in seiner Ansprache Eltern und Kinder zum neuen Schuljahr. Er wies auf die schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse hin, die zur Zeit in unserem Lande herrschen und forderte die Anwesenden auf, mit neuer Kraft und festem Glauben an eine bessere Zukunft an die Arbeit zu gehen. Die Kleinen wurden besonders herzlich begrüßt. Kinderlieder wurden mit ihnen gemeinsam mit den Lehrerinnen gesungen, und dann erhielt jedes Kind eine schöne mit Süßigkeiten gefüllte Schultüte.
Um 9 Uhr morgens fand im Beisein der Ortsbehörde, den Vertretern der Partei SED, des Frauenausschusses & Elternausschusses die Einführung der neuen Lehrerin Frl. Merting statt. Lehrer Schmädicke als Bezirksleiter führte Frl. Merting in ihr neues Amt ein. Mit herzlichen Worten begrüßte er die neue Lehrkraft. Er wies in seiner Ansprache auf die Schwierigkeiten der Schularbeit hin, die besonders ...



 1946  (Chronik Seiten 132 - 133)    Faksimile-Foto von Seiten 132 - 133 

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... in der jetzigen Zeit bestehen. Frl. Merting wurde aber besonders auf die Wichtigkeit der Lehrerarbeit in der demokratischen Schule aufmerksam gemacht und mit den besten Wünschen für eine erfolgreiche Arbeit für die Gemeinde Kuschkow beschloß Lehrer Schmädicke seine Begrüßungsansprache. Im Anschluß an die Einführung fand eine Sitzung des Erziehungsausschusses statt, in der aktuelle Fragen, die mit der Neubesetzung verbunden waren, besprochen wurden.
Frl. Merting wurde Unterkunft und Verpflegung dadurch besorgt, daß Frau Wilke sich bereit erklärte, die neue Lehrerin in Kost und Logie zu nehmen. Der Bürgermeister versprach auch dem Lehrer Schmädicke, ihm bei der Einrichtung seiner Wohnung und in der Verpflegung behilflich zu sein. Die nötigen Reparaturen an der Schule sollen weiter ausgeführt und in kürzester Zeit beendet werden. Es handelt sich vor allem um Instandsetzung der Schulklasse, Verglasung der Fenster, Ofenumbau, Tür zum Klassenzimmer & Eingangstür, Lehrerwohnung & Scheune.

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Die Schülerzahl betrug am 2.9.46 = 116 Kinder.


Knaben
Mädchen
I. Klasse
21
         16
37
II. Kl.
21
       14
35
III. Kl.
26
       18
44

 =   68
   =   48
 =0116
 

Zwecks Zentralisierung der Volksschule Kuschkow im Sinne der Einheitsschule wurde am 2.9. ab die III. Kl. mit den Kindern des 5. & 6. Schuljahres nach Pretschen verlegt und in Kuschkow wurde eine III. Kl. mit den Kindern des 7. & 8. Schuljahres aus Pretschen und Kuschkow eingerichtet. Da der Weg nach Pretschen 4 km beträgt, beantragten die beteiligten Eltern beim Schulamt Lübben in einer gemeinsamen Eingabe um Rückgängigmachung der Verfügung, daß der frühere Zustand wieder hergestellt werden möchte. Wegen der ungenügenden Fußbekleidung und auch Winterkleidung der Kinder ließe sich diese Maßnahme für die Winterzeit nicht durchführen. Das Schulamt erfüllte die Bitte der Eltern und nach 14 tägigem Besuch der Schule in Pretschen, kehrten die Kinder des 5. & 6. Schul- ...



 1946  (Chronik Seiten 134 - 135)    Faksimile-Foto von Seiten 134 - 135 

Seite 134
... jahres wieder zur Schule Kuschkow zurück, & die Kinder des 7. & 8. Schuljahres aus Pretschen bleiben weiter an ihrer Schule in Pretschen.
Fräulein Merting erkrankte im Oktober an Diphterie und mußte dem Krankenhaus in Lübben überwiesen werden. An Stelle der erkrankten Lehrerin wurde zur Vertretung Herr Kolatke aus Schlepzig an die Schule nach Kuschkow versetzt. Aber schon nach acht Tagen folgte seine Abberufung nach Schuhlen. An seine Stelle schickte das Volksbildungsamt Lübben zum 1. Dezember 1946 den Schulamtsbewerber Wolfgang Gehrmann nach Kuschkow.
Fräulein Gudrun Kaatsch wurde zum 1. Dezember nach Lübben als Referentin für die Kindergärten des Kreises versetzt.
Am 9. November fand eine Gedächtnisfeier auf die Große Russische Oktober Revolution & die Deutsche Revolution bei Elsner statt. Die Schule beteiligte sich an der Feier, indem Schulkinder und eine Lehrerin Gedichte vortrugen. Die Feier wurde mit dem Liede: Brüder, reicht die Hand zum Bunde, eröffnet. Die Eröffnungs- ...

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... worte sprach der Ortsgruppenvorsitze der SED Gen. Goßlan. Er erteilte das Wort der Rednerin des Abends, Frau Schulrat Maey aus Lübben. Frau Maey schilderte in ihrem Referat ausführlich die Entwicklung und Pflege des preußischen Militarismus und die Erziehung des Volkes zum Kadavergehorsam. Ganz Deutschland war jahrhundertelang ein riesiger Kasernenhof & das Deutsche Volk gehorsame Untertanen. Dieser blinde Gehorsam hat nun das Volk in das größte Elend gestürzt. Es gilt nun, sich ehrlich und aus dem Innern heraus von diesem unseligen Geist zu befreien und in einem wahren demokratischen Geiste eine neue Zukunft für Deutschland aufzubauen. Ein Deutschland in wahrer, ehrlicher Freundschaft zu unserm östlichen Nachbarn zur Sowjetunion. Die Sowjetunion verlangt aber von dem neuen Deutschland eine wirklich ehrliche freundschaftliche Gesinnung und nur einem solchen Deutschland wird die mächtige Sowjetunion ihre Hilfe angedeihen lassen. Bemühen wir uns somit alle und erziehen wir auch unsere Jugend in diesem freundschaftlichen, friedlichen Sinne zu allen anderen Völkern, so werden wir einst wieder in den Bund aller friedliebenden Völker ...



 1946 - 1947  (Chronik Seiten 136 - 137)    Faksimile-Foto von Seiten 136 - 137 

Seite 136
... aufgenommen werden und einer besseren Zukunft entgegen gehen. Im Anschluß an den Vortrag wurden von den Schulkindern die Lieder: Wenn wir schreiten und  Brüder zur Freiheit gesungen. Außerdem trug Frl. Kaatsch ein Gedicht vor. Gen. Goßlau schloß die offizielle Feier mit Dankesworten an die Lehrer, die Veranstalter der Feier und mit Dank an die Referentin. Darauf begann der Tanz und hielt die Bevölkerung von Kuschkow, die zahlreich erschienen war, noch lange beisammen.
Am 20. November verstarb in Lübben nach langem Krankenlager der Kreisschulrat Hermann Maey. Seine Beerdigung fand am 25. November unter starker Beteiligung der Bezirksbehörden aus Kottbus und der Kreisbehörden aus Lübben, sowie der Lehrerschaft des Kreises statt. In allen Ansprachen, die sowohl in der Kapelle wie auch am Grabe gesprochen wurden, kam die große Anerkennung der Leistungen des Verstorbenen zur Sprache. Sowohl Herr Schade, wie Herr Oberlandrat aus Cottbus und die Lehrer schilderten den Verstorbenen als einen Freund des arbeitenden Volkes, als einen Freund & Berater der Lehrerschaft. Der Chor der Oberschule verschönte die Feier durch erhebende Grabgesänge.

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Am 1. Dezember trat an Stelle der erkrankten Lehrerin Merting Herr Gehrmann aus Frankfurt Oder. Derselbe unterrichtete aber nur bis zum 14. Dezember in Kuschkow, da er lungenkrank war & dem Krankenhaus in Lübben überwiesen wurde. Nun mußte Lehrer Schmädicke die 3 Klassen allein unterrichten.
                                                                          1947
Am 24. Januar 1947 traf der Schulamtsbewerber Wolfgang Strempel in Kuschkow ein. Er stammt aus Breslau. Da er noch nicht unterrichtet hat, übernahm Lehrer Schmädicke die Betreuung des Kandidaten. Am 1. Februar wurde die 3. Lehrstelle in Kuschkow mit dem Schulamtsbewerber Haase aus Schlepzig besetzt. Er hat ebenfalls noch keine schulische Vorbereitung als Lehrer erhalten. Die Einführung des Schulamtsbewerbers Strempel fand am 30. Januar im Beisein der Kinder der III. Kl., des Erziehungsausschusses und des Elternbeirats statt. Lehrer Schmädicke führte den neuen Lehrer in sein Amt ein. Er begrüßte ihn im Namen des Schulamts und wies in seinen Ausführungen auf die Pflichten des Volkslehrers und hohe Aufgabe des heutigen Lehrers hin. Er bat weiter die anwesenden Mitglieder des Erziehungsausschusses um Mitarbeit und Unterstützung der Lehrerarbeit. Die Kinder wurden ermahnt, durch Fleiß und Gehorsam sich die Zufriedenheit des Lehrers zu gewin- ...



 1947  (Chronik Seiten 138 - 139)    Faksimile-Foto von Seiten 138 - 139 

Seite 138
... nen. Leider befinden sich unter den älteren Kindern einige, die durch ihr ungezogenes Verhalten während des Unterrichtes zu Störungen des Unterrichtsbetriebs Anlaß gaben. Der schlechte Einfluß dieser Knaben macht sich auch bemerkbar bei den übrigen Kindern. Nach eingehender Ermahnung der Kinder durch Lehrer Schmädicke, fordert Herr Kaatsch von den Kinder das Versprechen, in Zukunft sich eines braven Verhaltens den Lehrern gegenüber zu bemühen. Die Lehrer werden gebeten, Meldung zu erstatten, falls sich das Benehmen der Kinder nicht bessern sollte. Im Anschluß an die Einführung besichtigten einige Mitglieder des Ausschusses die Holzvorräte für die Heizung und versprachen, für weiteres Material zu sorgen, falls das Holz nicht reichen sollte. Lehrer Strempel befindet sich in Unterkunft und Verpflegung bei Frau Erna Wilke.
Am 4. Februar fand die Einführung des Lehrers Günter Haase statt. Wegen dringender Arbeiten im Bürgermeisteramt konnte Herr Liepe nicht erscheinen. Lehrer Schmädicke begrüßte den neuen Lehrer und wies auf die wichtige Arbeit des Erziehers in der Gemeinde hin. Die Gemeindevertreter versprachen Herrn Haase ...

Seite 139
... zu unterstützen. Herr Haase wohnt vorläufig in Schlepzig. Bei ungünstiger Witterung soll er im Gasthaus übernachten. Mit dem Liede: Brüder zur Sonne schloß die Feier.
Am 7. März fand in der Schule eine Elternversammlung statt. Lehrer Schmädicke stellte in seinen Ausführungen die Verhältnisse an der Schule und den Klassenräumen dar. Da die Schule Kuschkow 119 Kinder hat & nur ein ordnungsmäßiges Klassenzimmer vorhanden ist, ergibt sich die Notwendigkeit, ein neues Schulhaus zu bauen. Die Nebengebäude sind ebenfalls baufällig, daher wurde eine Resolution an das Kreisschulamt verfaßt, für Kuschkow einen Neubau vorzubereiten. Dieser Antrag wurde von den Mitgliedern des Erziehungsausschusses unterschrieben und dem Bürgermeister zur Weiterleitung übergeben. Alsdann kamen erzieherische Fragen zur Aussprache. Unklarheiten sollen bei der nächsten Anwesenheit des Schulrats bereinigt werden.
Am 1. Mai war die Schule schon am frühen Morgen in großer Bewegung. Die Kinder der 2. & 3. Klasse marschierten um 6 Uhr früh geschlossen mit den 3 Lehrern voran die Fahne durch die Straßen des Dorfes und sangen ...



 1947  (Chronik Seiten 140 - 141)    Faksimile-Foto von Seiten 140 - 141 

Seite 140
... die bekannten Lieder vom Mai, Wanderlieder und die Lieder der neuen demokratischen Zeit: Brüder zur Sonne und Wann wir schreiten. Nach der Rückkehr von dem Maiumzug wurde in der Schule eine Maifeier abgehalten. Die Kinder sangen einige Lieder, darauf stellte Lehrer Schmädicke in seiner Ansprache die Bedeutung des 1. Mai für die Werktätigen der ganzen Welt heraus unter Berücksichtigung der Entwicklung und Veranlassung der Maifeiern. Darauf wurden mehrere Gedichte vorgetragen u. a. Ehre der Arbeit vom 1. Mai. Zum Schluß sangen die Kinder das Lied: Wann wir schreiten Seit an Seit. Gegen Mittag versammelten sich die Kinder, sowie die Lehrer vor dem Gasthaus von Koschak, um nach Krugau über Gröditsch zur Maifeier in Krugau zu fahren. Zunächst spielte die Kapelle das Lied: Der Mai ist gekommen. Darauf bestiegen alle Kinder & die übrigen Teilnehmer, vor allem die FDJ und Mitglieder der SED die Wagen und fuhren mit Musik nach Gröditsch. Vor der Fabrik "Erwana" *) wurde angehalten und abgestiegen. Es formierte sich aus allen Teilnehmern, einschließlich Gröditsch ein imposanter Zug und marschierte ...

*) Erwana: Chemisch-pharmazeutische Fabrik in Gröditsch mit im Laufe der Zeit wechselnden Besitzern und Namen, Entstehungsjahr bislang nicht ermittelt. Nach 1945 bekannt als "Erwana" Inhaber Erich Wachs, 1947 Chemisch-pharmazeutische Fabrik GmbH, seit 1950/51 VEB Carmol-Werk Rheinsberg, Werk II Gröditsch, später VEB Pharm. Fabrik Spreewald GERMED und aktuell "Spreewälder Arzneimittel GmbH".

Seite 141
... mit wehenden Fahnen & unter Vorantritt der Kapelle bis zur Post Gröditsch. Hier bestiegen wieder alle die Wagen und fuhren nach Krugau. Bei der Ankunft im Lager zu Krugau formierte sich wieder der Zug und marschierte in den großen Festsaal des Lagers Krugau ein. Hier eröffnete der Bezirksvorstand der SED die Feier. Die Mai-Ansprache hielt ein Redner aus Lübben, der Betriebsleiter der Städtischen Gaswerke. Er ging in seiner Rede auf die Entwicklung der Maifeiern in Deutschland ein. Er fühlte sich stark beeindruckt von der Tatsache, daß heute, am 1. Mai 1947 zum erstenmal alle Werktätigen gemeinsam, Arbeiter und Bauern, diesen Tag begehen & maß dieser Erscheinung die größte Bedeutung für die Zukunft bei. Seine ausführliche Rede klang in ein Hoch auf die Werktätigen und auf den 1. Mai aus. Es folgten sodann gesangliche Darbietungen seitens der FDJ. Krugau. Gemeinsame Lieder, Vorträge des Wirtes vom Lager Krugau. Den verbindenden Text zu den Darbietungen sprach der Betriebsleiter vom Erwana Gen. Adam aus Gröditsch. Zum Schluß des offiziellen Teils spielte die Kapelle noch einige ...



 1947  (Chronik Seiten 142 - 143)    Faksimile-Foto von Seiten 142 - 143 

Seite 142
... Tanzstücke & alle Festteilnehmer beteiligten sich freudig am Tanz. Gegen 5 Uhr nachmittags fuhren die Teilnehmer von Kuschkow wieder ab, um in Kuschkow bei Koschak den Tag weiter zu feiern. Von 6 – 8 Uhr vergnügten sich die Kinder beim Tanz. Zum Schluß sangen sie einen Kanon, den Herr Strempel leitete. Alsdann begann der Tanz für die Erwachsenen, der sich bis zum Morgen hinzog. Zur Belebung der Feier und zur Ausschmückung des festlichen Verlaufs trugen viel die Darbietungen der F.D.J. Kuschkow. Die Freie Deutsche Jugend sang unter Leitung von M. Kaatsch einige Lieder. Sodann trugen einige Mitgl. passende Gedichte zum 1. Mai vor. Alle Darbietungen wurden von den Anwesenden mit großem Beifall aufgenommen. Alsdann sprach Bürgermeister Liepe einige Worte zur Begrüßung der erschienenen Teilnehmer und wünschte allen recht frohe Stunden und einen harmonischen Verlauf der Maifeier.
Am 19. Juni fand bei Beteiligung aller drei Klassen und der Lehrerschaft die Beerdigung des Schülers Wolfgang Mating statt. Er war am 1. Mai ...

Seite 143
... unter Verdacht an Blutvergiftung ins Krankenhaus Lübben eingeliefert worden. Nach dreimaliger Operation verstarb er am 16. Juni. Er hatte noch zu Pfingsten die Einsegnung mitgemacht und sollte zum Jahresschluß entlassen werden. Unter großer Beteiligung der Ortsbewohner bewegte sich der Trauerzug zum Friedhof. Die Kinder trugen Kränze und Blumensträuße & legten sie am Grabe nieder.
Am 21. Juni fand in der Schule eine Feierstunde aus Anlaß des 11. Todestages des russischen Dichters Maxim Gorki statt. Lehrer Schmädicke gab ein anschauliches Bild vom Leben und Wirken dieses großen Humanisten und Menschenfreundes, der nicht nur in seinen Dichtungen ganz für die notleidenden und unterdrückten Arbeiter eintrat, sondern auch in seinem Leben das mitfühlende Herz für den Bedrängten zeigte. Es wurden im Verlauf der Feierstunde Abschnitte aus seiner Dichtung: "Die Mutter" vorgelesen. Gorki ist gerade uns Deutschen in der heutigen Notlage ein Wegweiser, nämlich unverzagt auf friedlichem Wege und durch ein menschenfreundliches Wesen eine neue Zukunft aufzubauen.



 1947  (Chronik Seiten 144 - 146)    Faksimile-Fotos von Seiten 144 - 145  und  146 / 147 

Seite 144
Zum Schluß des Schuljahres 1946/47 fand zunächst am 18. Juli in Schlepzig ein Wettspiel zwischen den Schulen Schlepzig, Kuschkow, Dürrenhofe und Krugau statt. Es wurden folgende Übungen ausgetragen:
Stafetten-Stern-Lauf 10·50 m. Hier erhielt Kuschkow die 4. Stelle, da unsere Staffel den schlechtesten Weg zurückzulegen hatte. 4·100 m Lauf. Kuschkow an 3. Stelle durch Werner Menz. Weitsprung: Menz, Werner 3,80 m, Koschak 3,65 m, Eitrich 3,65 m. Hindernislauf 3. Stelle. Tauziehen Kuschkow – Dürrenhofe. Das zweite Mal ist Kuschkow Sieger. Fußball Schlepzig – Kuschkow gegen Dürrenhofe – Krugau 2:0. Die Wettspiele sind zur allgemeinen Befriedigung der Teilnehmer und in voller Harmonie verlaufen.   Am 24. Juli fand die Schulentlassungsfeier statt. Sie wurde mit einer Ausstellung von Schülerarbeiten verbunden. Die Arbeiten der Kinder fanden den vollen Beifall des Erziehungsausschusses und der Eltern. Lehrer Schmädicke verabschiedete in bewegten Worten 15 Knaben und Mädchen, die der Schulpflicht genügt haben. Gedichte und Lieder erweckten eine feierliche Stimmung unter allen Anwesenden. Mit der Zeugnisverteilung endete die schöne Feier, die besonders den Kindern noch in langer Erinnerung bleiben wird.
Zum Schluß des Schuljahres 1946/1947 zählte die Schule Kuschkow 118 Kinder. Am 24. Juli begannen die Sommerferien. Sie dauerten bis zum 31. August. Das neue Schuljahr 47/48 beginnt am 1. September.

{Die Namen Menz und Koschak sind im Original falsch geschrieben. Korrekt: Mentz und Koschack.}

Seite 145
                                                                     Schuljahr 1947 / 48
Das neue Schuljahr begann am 1. September mit der feierlichen Aufnahme der Lernanfänger. Es wurden 10 Kinder, 4 Knaben und 6 Mädchen aufgenommen. Alle Kinder versammelten sich in der unteren Klasse. Die 10 Lernanfänger saßen mit ihren Müttern auf einer gesonderten Bank. Die Feier begann mit einem Lied, das die Kinder sangen, darauf wurde das Gedicht: Gebet vorgetragen. Lehrer Schmädicke begrüßte in seiner Ansprache die erschienenen Lehrer, Mütter und Kinder. Er schloß seine Ausführungen an die Abschieds- bzw. Entlassungsfeier im Juli an und ging auf die Bedeutung des neuen Schuljahres ein. ...

{Hier endet der Text dieser Seite, die andere Hälfte wurde herausgeschnitten.}

Seite 146
{Rückseite der halben Seite 145}
Er schilderte die schwere politische & wirtschaftliche Lage unseres Volkes und ermahnte die Kinder, die Schulzeit gut auszunützen, damit jedes Kind soviel wie möglich Wissensstoff sich aneignet, um einmal im Leben eine Stellung zu erwerben. Er wies auf die schwere Zukunft hin, die vor uns liegt. Es sei also doppelt nötig, seine Pflicht zu erfüllen, damit wir wirklich tüchtige & leistungsfähige Kinder aus unserer Schule entlassen können. Er ging dann auf die Lernanfänger näher ein, begrüßte sie im Namen der Schule alle auf das herzlichste. Er nahm von ihnen das Versprechen ab, brave & fleißige Kinder zu werden. Er bat die Mütter um ihre Unterstützung bei der schwierigen Erziehungsarbeit. An die Ansprache schloß sich die Aufführung des Märchenspiels von der goldenen Gans. Darauf erhielten ...

{Der restliche Text fehlt.}



 1947  (Chronik Seiten 147 - 148)    Faksimile-Fotos von Seiten 146 / 147  und  148 

Seite 147
{Lose Seite ohne Jahresangabe, gehört zu 1947. Siehe rechte Seite im Faksimile-Foto.}
... die Kinder die vom Schulamt gespendeten Plätzchen und Süßigkeiten, worüber sich die Kleinen natürlich besonders freuten. Mit frohen Gesichtern verabschiedeten sich Mütter & Kinder von den Lehrern.
Auf Anordnung der Polizeibehörde wurde der Unterricht noch bis zum 15. September ausgesetzt, um ein Vordringen der epidemisch auftretenden spinalen Kinderlähmung zu verhindern. Auf eine neuere Verfügung des Gesundheitsamtes in Verbindung mit dem Schulamt hin, wurde der Unterricht schon am 5.9. wieder aufgenommen. Am 5. Oktober fand unser Kinderfest statt. Um 1 Uhr war Gottesdienst anläßlich des Erntedankfestes und um 3 Uhr begann das Kinderfest. Der Lehrer Schmädicke begrüßte Eltern, Gäste und Kinder & wies auf die doppelte Feier des heutigen Tages hin. Erntedankfest, Kinderfest, Erntedankfest, ein Festtag als Danksagung für die glücklich eingebrachte Ernte & Kinderfest ein Dankfest der Gemeinde für die fleißige Mithilfe der Kinder bei allen Feldarbeiten. Trotz der kurzen Zeit der Vorbereitung war die Vortragsfolge doch noch reichhaltig und gefielen alle Darbietungen der Kinder den erschienenen Gästen & Eltern. Nach dem Begrüßungsprolog folgten eine ...

Seite 148
{Rückseite der losen Seite ohne Jahresangabe, gehört zu 1947. Siehe linke Seite im Faksimile-Foto}
... einige Lieder und Gedichte. Bei dem Vortrag der Gedichte beteiligten sich alle Jahrgänge. Besonders die Gedichte, die durch die Jüngsten vorgetragen wurden fanden reichen Beifall. Die älteren Kinder spielten darauf zwei Theaterstücke. Die Knaben das gefallene Pferd & die Mädchen das Märchen vom König Drosselbart. Nach den Vorführungen im Saal spielten die Kinder im Freien im Beisein der Eltern. Die Kleinen erfreuten sich an Spielliedern, die größeren Kinder fanden viel Spaß am Klettern nach der Stange. Zum Lohne für ihre Kletterkunst konnten sie sich eine Wurst abnehmen. Die kleinen Kinder amüsierten sich mit Wursthüpfen, auch hier konnte mancher einen schönen Happen Wurst abbeißen. So verging die Zeit bis zum gemeinsamen Abendessen. Die Gemeinde hatte ein Kalb gespendet. Kartoffeln waren ebenfalls genügend gesammelt & so aß sich jeder satt. Bei schöner Tanzmusik konnten sich die Kinder noch einige Zeit beim Tanz erfreuen. Dann dankte Bürgermeister Liepe allen, die zum Gelingen des so schön verlaufenen Kinderfestes beigetragen hatten. Beim Abschied bekam jedes Kind noch eine halbe Wurst.
Die Herbstferien dauerten vom 3. bis 14. Oktober. Am 15. September wurde Herr Haase nach Börnichen versetzt {er begann in Kuschkow am 4.2.1947}. Die Vertretung in der II. Klasse übernahm Lehrer Schmädicke. Wegen Lehrermangels wird die III. Stelle vorläufig nicht besetzt.


Hier endet die Abschrift der Schulchronik

Es folgen Bilder von verschiedenen losen Textdokumenten, die hinten in das Buch eingelegt wurden sowie zuletzt der rückseitige Einband der Schulchronik. Klicken Sie wieder auf diese Bilder, dann sehen Sie lesbare Vergrößerungen.



Die folgenden beiden Fotos zeigen jeweils rechts das eingelegte Formularblatt zur "Heimatkundlichen Landesaufnahme Kurmark" für die Gemeinde Kuschkow von 1903, Nachträge 1924, Berichterstatter: Lehrer Gerhard Thürmer, Sachbezeichnung: "Alte Dorfanlage in der Feldmark des Bauern Paul Michelchen ?", Lagebezeichnung: "Am S.-O.-Rand des Dorfes"; zuerst die Vorderseite des Formulars, dann die Rückseite mit dem wohl um 1935/39 als Sachbeschreibung handschriftlich eingetragenen und nur schlecht lesbaren Text:
"Im Jahre 1926 besichtigte Herr Professor Dr. Götze, Berlin, den in der Feldmark des Bauern Paul Michelchen gelegenen Wotschowberg am Süd-Ostrande des Dorfes. Die vielen vorgefundenen Urnenscherben und Feldsteinfundamente lassen darauf schließen, daß es sich um eine alte Dorfanlage ‒ nicht um einen slawischen Rundwall ‒ handelt, deren Alter auf 3000 Jahre geschätzt wurde. Die mit Kanneluren versehenen Urnenscherben mögen aus der Bronze- und frühesten Eisenzeit stammen. ‒ Dicht am Wotschowberg fand ein hiesiger Besitzer ein Bronzebeil. ‒"



Das Schreiben des Schulrats (oben links) hat folgenden Inhalt:

Der S c h u l r a t des Kreises Lübben                  Lübben, den 4. Februar 1946
An alle Schulen !
1.) Betr.: Bildung v. Ausschüssen für Schul- und Erziehungsfragen.
Sie wollen sofort die Wahlen eines Ortsausschusses für Schul- und Erziehungsfragen in Zusammenarbeit mit dem Herrn Bürgermeister veranlassen. Dieser Ausschuss, der die Aufgabe hat, bei der Schulverwaltung und Schulaufsicht mitzuwirken, wird von mir nach seiner Einrichtung weitere Anweisungen für seine Tätigkeit erhalten. Er setzt sich wie folgt zusammen:
     a)  1 bis 2 Vertreter jeder Parteien,
     b)  2 Vertreter der Lehrergewerkschaft.
Der Ausschuss wählt selbst seinen Vorsitzenden, der am besten ein Schulmann ist.
Sollten an Ihrem Ort noch nicht alle Parteien vertreten sein, so sind nur Vertreter der vorhandenen Parteien hinzuzuziehen. Unter den Mitgliedern des Ausschusses müssen auch Frauen vorhanden sein. Der Ausschuss muss monatlich mindestens einmal zusammentreten.
2.) Betr.: Elternausschüsse
Neben dem Ausschuss für Schul- und Erziehungsfragen sind an jeder Schule Elternausschüsse zu wählen, die 6 bis 12 Mitglieder, je nach der Grösse der Schule haben müssen. Die Auswahl der Mitglieder erfolgt nach den gleichen Grundsätzen, wie die Auswahl der Mitglieder der Gemeindeausschüsse für Schul- und Erziehungsfragen, jedoch kommen hier nur solche Vertreter in Frage, die ihre Kinder in der Schule haben. Den Vorsitz führt der Schulleiter. Auch dieser Ausschuss tritt monatlich einmal zusammen. Die Elternausschüsse haben die gleichen Aufgaben, wie die Gemeindeausschüsse für Schul- und Erziehungsfragen. Die bisher gewählten Elternbeiräte verlieren damit ihre Funktion. Es empfiehlt sich wohl, die gleichen Personen in den Elternausschüssen zu wählen, soweit das den oben genannten Grundsätzen entspricht.
gez. Maey, Schulrat


Auch das ebenfalls in der Schulchronik aufbewahrte Blatt mit dem Aufsatz von Alfred Rattei vom 1. September 1963 zur Dorfgeschichte wird nachfolgend als Abschrift wiedergegeben. Sowohl die Fotos mit dem originalen Schreibmaschinentext als auch die dazugehörige Skizze der Dorfanlage mit Beschreibung können wieder mit Klick auf die Fotos vergrößert werden. Leider wurde die geplante Nummerierung der Skizze nicht mehr eingetragen, siehe dazu die Liste rechts:




Alfred R a t t e i
Uhrmacher
Kuschkow

Wenn ich mir erlaube, der Schul- und Ortschronik einen kleinen Zusatz beizufügen, so bitte ich das einem Zweiundachtzigjährigen und alt eingesessenen Kuschkower, der den Wechsel unseres Dorfbildes in einem Menschenalter miterlebte, aber auch für die Frühgeschichte unseres Dorfes Interesse hatte, zu verzeihen. Wenn Herr Lehrer Wegener die Frühgeschichte unseres Dorfes so erschöpfend niedergeschrieben hatte, so möchte ich dennoch der Nachwelt dazu einige Zusätze geben.
Herr Wegener, der 1921 die hiesige Lehrerstelle antrat, war bis zu seiner Verheiratung in meiner Familie ein lieber Hausgenosse. Nicht allein daß wir für seine leiblichen Bedürfnisse – oft unter Entbehrungen – sorgten, denn es war ja die böse Zeit nach dem ersten Weltkrieg, sondern ich konnte ihm für seine Niederschriften manche Auskunft geben. Er gab Kuschkow einen neuen Auftrieb nicht nur in Gesang und Musik, war er doch hier seinem Vorgänger, Herrn Lehrer Klintsch {Klintzsch}, der ein Künstler war, ein würdiger Nachfolger. Es war auch seine Rednergabe und seine Heimatliebe. War Kuschkow für ihn die Aufstiegsleiter zu seiner Größe, so entfaltete diese sich erst recht in seinem neuen Wirkungskreis in Neuzauche. - Kuschkow sah ihn ungern scheiden. Sein Wirken dort endete mit seiner Einberufung. Er ist mit seinem Sohn im Krieg geblieben. Ehre seinem Andenken!
Wenn ich nun zu seinen Niederschriften in der Schul- und Ortschronik komme, so will ich anknüpfen an den von ihm verfaßten und im Lübbener Kreisblatt abgedruckten Artikel, der auf den Seiten 95 und folgend eingeklebt ist.
Wenn Herr Wegener dort schreibt, daß die Umsiedlung des Dorfes vielleicht in der Zeit von 1002 bis 1032 n. Cr. vorgenommen wurde, so gehe ich mit ihm einig. So komme ich als Kenner unserer Heimat, wo besonders die Bodenverhältnisse unseres Ortes stets mein Interesse gefunden haben und vor einem ¾ Jahrhundert, als ich 7 Jahre alt war, vieles anders aussah als ich es heute sehe, zu meinen eigentlichen Ausführungen, wenn ich nur daran denke, daß ich einst auf dem Buchteweg Schlittschuh lief und daß am Kirchhofsweg nur zwei Gehöfte waren.
Die heutige Dorfstraße war vermutlich eine von Süden nach Norden hingestreckte Insel, die wahrscheinlich durch die Schlammablage von zwei bedeutenden Flußläufen gebildet wurde. Ostwärts der Insel der eine Flußlauf, der vom Dürrenhofer See kommt, der wiederum Verbindung hatte mit dem Tief am Südende der Dorfes Schlepzig und weiterhin mit der Hauptspree. Der zweite Flußlauf westwärts von der Pretschener Spree kommend hatte südlich als nördlich Verbindung mit dem östlichen Flußlauf. Die südliche Verbindung ist heute noch erkennbar, die nördlich mag im Zuge der heutigen Berliner und Pretschener Straße gewesen sein. Alte Leute erzählten, daß einst das Wasser bis zur Kirche reichte. Hier stehend ist leichter Sandboden, zur höher gelegenen Dorfstraße hin ist guter Gartenboden. Die Frauen der Dorfstraße holten das Wasser zur Wäsche aus ...

{Rückseite}
... aus der Kirchstraße, weil es eben besser war und das ihrige sich nicht eignete. Ein Beweis für die Struktur des Bodens und meine Annahme für die Bildung der Insel. Es ist eine Frage, ob die Vereinigung beider Flüsse am nördlichen Ende zur Zeit der Umsiedlung noch bestand. Jedenfalls hat sie der Flugsand zugedeckt. Beide Bodenarten scheiden sich fast mit dem Lineal gezogen im Zuge der Berliner und Pretschener Straße (Podowazna und Keunz). Wie Herr Wegener schreibt, daß die Dorfstraße der älteste Teil des Dorfes gewesen sein müsse, ergibt sich daraus. Bewundernswert ist die systematische Anordnung der großen Bauernhöfe, denn nur diese gibt es in der sehr breiten  Dorfstraße. Ob diese Neuordnung schon von den Umsiedlern getroffen oder erst nach großen Feuersbrünsten vorgenommen wurde, vermag ich leider nicht zu sagen. Jedenfalls hat ein kluger Kopf dabei gewirkt. Dem ältesten Sohn fiel das väterliche Erbe zu. Die anderen Kinder arbeiteten als Tagelöhner, mußten sich eine Bleibe schaffen und so entstanden Keunz und Podowazna, zuletzt die Kirchstraße.
Mein Hausgrundstück, mitten im Zentrum des Ortes belegen, findet sich hart an der nördlichen Seite der Schnittlinie (leichter Sandboden) knapp 100 m vom ostwärts liegenden Flußlauf entfernt. Bei Grabung meiner zwei Brunnen 1912 und 1940 kam ich bei 2½ m Tiefe auf Holz, das ich nicht mehr mit dem Spaten durchstoßen konnte und das Wasser wurde schwarz wie Tinte. Hier war gewiß Urwald am Ufer des Flusses. Bei Ausschachtungen meines Gartens 1913 stießen wir auf einen Erdklumpen von 3 x 3 m, der vollständig mit Teer durchtränkt war und den wir mit der Picke kleinschlagen mußten. Also hier wurde Teer gekocht aus dem Waldbestand.
Somit kann man annehmen, daß die von zwei Flüssen umgebene, von dichtem Urwald bestandene, hochgelegene Insel den Anreiz gab, das neue Dorf hier zu errichten.
Wovon mögen die Menschen damals gelebt haben? – Ackerbau vielleicht nur ganz gering, – Viehzucht? – ein Fisch- und Wildreichtum unvorstellbar! Noch als Junge konnte ich Fische an jedem Wassergraben mit den Händen greifen, sonntags auf Suche nach Kiebitz und Enteneiern!
Zum Schluß noch die wendischen Flurnamen: Kaunitza, Wieke, Wask Wotschow, Golitzka, Serkaschina, Goritza, Hopschook, Papronitze, Scarauer, Wissecke, Wolschna, Woßna, Wilpja, Dubrauke, Koboljnike, Wilpja, Plasez, Jeske, Stucka, Krotzizzka, Gorke, Pograuna.

Kuschkow, den 1. September 1963.



... Die Fortsetzung zur Abschrift der Schulchronik folgt im Teil 3 ‒ siehe direkt hier:

 

 




Quellen- und Literaturverzeichnis

Hinweis: Hier finden Sie nur Literaturangaben zum Inhalt dieser Seite. Das allgemeine Literaturverzeichnis zu Kuschkow und der Niederlausitz als Thema der gesamten Website finden Sie auf der Hauptseite (Startseite, siehe hier: ).

Arbeitsdienst im Spreewald. Herausgegeben von Gauarbeitsführer Eisenbeck, Bearbeitung: Oberstfeldmeister Paul Lang, Gauschulungsleiter, Mithilfe: F. Teßmer. Sonderheft der "Heilige Ostmark", Zeitschrift für Heimat und Volkstum der Landesgruppe Ostmark im Bund deutscher Osten. Verlag "Heilige Ostmark" / Booßen über Frankfurt (Oder), ohne Jahr (1934); zur Regulierung der Pretschener Spree siehe Seite 49-51

Bahl, Peter: Belastung und Bereicherung. Vertriebenenintegration in Brandenburg ab 1945. BWV Berliner Wissenschafts-Verlag GmbH, Berlin 2020 (kostenlos zum Download unter https://www.bwv-verlag.de). Mit einigen Informationen zur Unterbringung von Flüchtlingen in den Baracken des ehemaligen Reichsarbeitsdienstes in Kuschkow und im Kreis Lübben sowie zu Jutta Jäzosch (Seite 1447, Name leider mit Schreibfehler: Jäzoch).

Brandenburgisches Landeshauptarchiv ‒ BLHA, im Internet unter https://blha.brandenburg.de (siehe direkt hier: ) mit Rechercheangeboten zu sämtlichen historischen Dokumenten der brandenburgischen Landesgeschichte. Viele der Dokumente sind inzwischen digitalisiert und per Internet frei zugängig, auch diverse Fachbücher kann man sich als PDF-Dateien herunterladen.

Chronik der Gemeinde Kuschkow. Erarbeitet 2002 von Birgit Martin als ABM-Leistung im Auftrag der Gemeinde Kuschkow. Umfangreiche Loseblattsammlung in einem Ordner, aufbewahrt und weiterverarbeitet zur gedruckten Chronik durch Familie Gerhard Scheibe 2003 (siehe nächste Position).

Chronik der Gemeinde Kuschkow. Herausgegeben von der Gemeindevertretung Kuschkow zur 675-Jahrfeier 2003; Redaktion und inhaltliche Bearbeitung durch Familie Gerhard Scheibe; Kuschkow 2003

Lübbener Kreiskalender (Kreis-Kalender) in historischen Ausgaben ab 1913 (Stand Dezember 2022), digitalisiert als PDF mit vielen interessanten Beiträgen auch zu Kuschkow und Umgebung, findet man auf der Website der Stadt- und Landesbibliothek Potsdam unter https://opus4.kobv.de/opus4-slbp/solrsearch/index/search/searchtype/collection/id/18476

Scheibe, Gerhard: Beiträge zur Geschichte der Gemeinde Kuschkow, Kreis Lübben. Kuschkow 1978 (erschienen im Eigenverlag der Gemeinde zur 650-Jahrfeier)

Tessin, Georg: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939-1945. Sechzehnter Band: Verzeichnis der Friedensgarnisonen 1932-1939 und Stationierungen im Kriege 1939-1945, bearbeitet von Christian Zweng. 1. Heer 1932-1945, ... 4. Reichsarbeitsdienst. Teil 1, Wehrkreise I-VI. Biblio-Verlag Osnabrück 1996. Seite 179: RAD-Gruppe 81 (Cottbus)

Wegener, Fritz: Beiträge zur Chronik des Dorfes Kuschkow. Enthalten in: Lübbener Kreis-Kalender 1927, Verlag des Lübbener Kreisblattes, Buchdruckerei Richter & Munkelt, Lübben (Spreewald); Seiten 46-51 (PDF, siehe direkt hier: )

Wegener, Fritz: Die 600-Jahrfeier der Dorfgemeinde Kuschkow. Enthalten in: Lübbener Kreis-Kalender 1929, Verlag des Lübbener Kreisblattes, Buchdruckerei Richter & Munkelt, Lübben (Spreewald); Seite 44 (PDF, siehe direkt hier: ; der Name des Lehrers Wegener ist im Artikel falsch als "Wegner" angegeben)

Zeitzler, Kurt: Aus der Geschichte der Kirchengemeinde Krugau-Kuschkow (nach alten Büchern und Urkunden der Pfarre). Enthalten in: Lübbener Kreis-Kalender 1928, Verlag des Lübbener Kreisblattes, Druck von Richter & Munkelt, Lübben N-L.; Seiten 54-56. Hier können Sie diesen Beitrag als PDF lesen:


 


 
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