Bilddokumente und Informationen zur Geschichte des Dorfes Kuschkow aus der Spreewaldregion in der Niederlausitz

 

 

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Kuschkow am nördlichen Rand der Niederlausitz

Dies ist die private Website von Doris Rauscher, aufgewachsen als Doris Jäzosch in Kuschkow, die ältere Tochter des Müllermeisters Manfred Jäzosch und seiner Ehefrau Jutta Jäzosch, geborene Thiele. Großvater war der Kuschkower Schmied und spätere Müllermeister Bernhard Jäzosch. Ziel der Website ist es, möglichst viele der noch existierenden Dokumente, Fotos und Berichte mit ortsgeschichtlichem Bezug zu Kuschkow der Öffentlichkeit vorzustellen. Die Website versteht sich als persönliche Familien- und Heimatseite und gleichzeitig als sachliches Informationsangebot und digitales Archiv zur Dorfgeschichte.

Oben sehen Sie zwei Bildausschnitte aus historischen Hochzeitsfotos sowie rechts ein Mädchen in Spreewälder Tracht, wie sie auch von den Hochzeitsgästen getragen wurde; die vollständigen Fotos und Bildquellen finden Sie unten. Die Inhalte dieser Website mit Unterseiten werden nach bestem Wissen regelmäßig aktualisiert und erweitert, je nach zur Verfügung stehenden Dokumenten und Erkenntnissen. Anregungen, Korrekturen und sonstige Hinweise werden gern entgegengenommen und eingearbeitet.

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Seitenübersicht

Startseite Kuschkow-Historie ‒ Das Dorf Kuschkow und seine Geschichte in Bildern und Texten

Die Kuschkower Mühle ‒ Mühlengeschichte und die Müllerfamilien Wolff / Jäzosch

Hochzeitsfeiern und Hochzeitsfotos ‒ Wie in Kuschkow und der Niederlausitz geheiratet wurde

Die Dorfschule in Kuschkow ‒ Dorflehrer und Schulkinder in Bildern und Texten

Schulchronik der Gemeinde Kuschkow ‒ Teil 1 ‒ 1891 bis 1926 ‒ Seiten 0 bis 95

Schulchronik der Gemeinde Kuschkow ‒ Teil 2 ‒ 1927 bis 1947 ‒ Seiten 96 bis 148 und Beilagen

Schulchronik der Gemeinde Kuschkow ‒ Teile 3 und 4 ‒ 1947 bis 1953 und eigene Berichte

Klassenbücher aus der Dorfschule in Kuschkow ‒ Jahrgänge 1950/51 und 1954/55

Die Kuschkower Feuerwehr ‒ Dorfbrände, Feuerwehrgeschichte und Feuerwehrleute

Historische topographische Karten ‒ Kuschkow und die Niederlausitz auf Landkarten ab 1687

Separationskarten und Flurnamen ‒ Vermessung und Flurneuordnung in der Gemarkung ab 1842

Der Friedhof in Kuschkow ‒ Friedhofsgeschichte, Grabstätten und Grabsteine

Verschiedenes ‒ Bilddokumente zu unterschiedlichen Anlässen aus Kuschkow und Umgebung
 




Hochzeitsfeiern und Hochzeitsfotos

Zunächst ein kurzer Rückblick: Im Mittelalter erlaubten die jeweils Herrschenden (Grundbesitzer, Zünfte, Gilden, Magistrat der Stadt, usw.) nur demjenigen eine Ehe, der eine Familie ernähren konnte. Einem sehr großen Teil der Bevölkerung (ca. 50%) wurde nicht gestattet, eine Ehe einzugehen und eine Familie zu gründen. Nur den Männern gestattete die Kirche die Scheidung und erneute Heirat. Eine kirchliche Ehe gab es seit dem 10. Jahrhundert, wobei die Kirche erst ab dem 13. Jahrhundert ein eigenes Eherecht hervorgebracht hat, die Ehe wurde sakramentalisiert, unauflöslich. Keine Laien, sondern nur Priester durften trauen. Nach diesem Eherecht waren Jungen bereits mit 12 Jahren und Mädchen ab 14 Jahren heiratsfähig. Jedoch spielte die Verbindung zweier Familien die Hauptrolle, nicht die der beiden Partner.

Martin Luther trat schon für eine Zivilehe ein, eine Eheschließung sollte durch Schaffung entsprechender Gesetze durch weltliche Autoritäten vorgenommen werden. Die Franzosen mit ihrer Revolution setzten die Zivilehe in Frankreich durch. Napoleon brachte sie in die besetzten deutschen Gebiete, wobei sie sich in Deutschland 1848 behauptet. Jedoch erst seit 1875/1876 (nach Gründung des Deutschen Kaiserreiches) wurde ein entsprechendes Gesetz wirksam, welches eine Zivilehe, beurkundet durch einen staatlich bestellten Standesbeamten und den Vorrang der Zivilehe vor der kirchlichen Ehe festschrieb. Diese Gesetz ermöglichte eine Ehe trotz unterschiedlicher Religionszugehörigkeit. Ein Mann erreichte ab dem 20. Lebensjahr und eine Frau ab dem vollendeten 16. Lebensjahr die Ehemündigkeit nach diesem Gesetz. Sohn oder Tochter benötigten bis zur Vollendung des 25. bzw. 24. Lebensjahres die Einwilligung zur Eheschließung vom Vater (der Mutter bei Tod des Vaters oder des Vormundes, wenn beide Eltern nicht mehr lebten). Bei einer Zivilehe war ein Aufgebot zwei Wochen an den bestimmten Plätzen öffentlich zu machen.

Man sollte bei der Bewertung aus heutiger Sicht nicht vergessen, dass selbst das Eherecht der Kirche damals einen gewissen Fortschritt gegenüber der Handhabung davor brachte. Für Frau und Kind regelten diese, zwar auf sehr niedrigem Niveau, aber immerhin eine gewisse Absicherung. Wohl erst seitdem Frauen ihr Leben selbst bestimmen dürfen, das heißt Bildung genießen und durch Berufs- und Erwerbstätigkeit in der Lage sind, notfalls ihr Leben und das ihrer Kinder selbst zu sichern, können sie frei entscheiden. In der Bundesrepublik Deutschland mussten die Frauen noch bis in die 1970er Jahre hinein die Erlaubnis des Ehegatten haben, um zum Beispiel ein Arbeitsverhältnis einzugehen oder ein Bankkonto einzurichten. Erstmalig schrieb die Verfassung der DDR im Jahr 1949 die Gleichberechtigung fest. Auf dieser Basis konnten Frauen entscheiden, wen und wann oder ob sie überhaupt heiraten. Liefen die Dingen ungünstig, konnten Frauen ihre Kinder allein großziehen. Ausbildung, Kindergarten und Gesundheitsversorgung sicherte der Staat.

In Kuschkow war die kirchliche Trauung nach der standesamtlichen wohl bis in die 1970er Jahre weit verbreitet. Die Bräuche um die Hochzeit, wie sie damals noch üblich waren, haben vermutlich ihren Ursprung hauptsächlich bei den Wenden. In der Regel wurde das Heiraten meist von den Eltern ausgehandelt. War ein Sohn der Haupterbe, hatte seine Braut eine entsprechend hohe Mitgift und Aussteuer mitzubringen. Traditionell richteten die Brauteltern die Hochzeit in ihrem Haus aus. Vielleicht gab es auch in unserem Dorf reiche Familien, die Aussteuer und Mitgift finanzieren konnten. Allerdings ist Reichtum in unserer Gegend vergleichsweise sehr bescheiden ausgefallen. Eine Heirat sollte den Mädchen möglichst die Zukunft erleichtern, denn eine mittellose Frau, nur auf sich selbst gestellt, hatte fast keine Chance und wurde zudem von den Männern als Freiwild betrachtet.

Mädchen waren also im Vorteil, wenn sie sehr früh mit der Arbeit an ihrer Aussteuer begannen. Diese Aussteuer bestand aus Bett- und Tischwäsche, Handtüchern, Hemden, Unterwäsche usw., die von den Mädchen selbst aus Leinen hergestellt werden konnten. In vielen Familien verstand man es, vom Anbau der Leinpflanze bis hin zum Wäschestück alles selbst zu machen. Der Fleiß des Mädchens war ausschlaggebend für den Umfang der Aussteuer. Jedoch konnte es auch passieren, dass die Eltern entschieden, dass die jüngere Tochter die von ihr angefertigte Aussteuer der älteren, die für die vorgesehene Heirat nicht genug beisammen hatte, übergeben musste. Schließlich ging es der Reihe nach, die älteren Töchter mussten vor den jüngeren verheiratet werden. Für eine Eheschließung war die Zustimmung der Eltern erforderlich.

Vor der Hochzeit musste das Aufgebot bestellt werden, d.h. die öffentliche Bekanntmachung der beabsichtigten Eheschließung. Die Heiratsabsicht musste in drei aufeinander folgenden Sonntagsgottesdiensten in der Gemeinde des Bräutigams und auch der Braut verkündet werden. Entsprechende Eintragungen finden sich auch in den Kirchenbüchern. Kurz vor dem Hochzeittag begannen die Vorbereitungen für die Beköstigung der Gäste. Eine stattliche Zahl verschiedener Blechkuchen wurde gebacken und für mehrere Menügänge wurde vorgekocht, oft unter Anleitung einer Köchin. Die Brautjungfern flochten Girlanden (aus Buchsbaum) für den Eingang zum Hochzeitshaus, zur Kirche sowie eine Girlande zum Aufhalten des Hochzeitszuges nach der Trauung.

Am Vorabend der Hochzeit wurde der Polterabend mit viel Alkohol gefeiert. Es war ein ausgelassener Abend mit den Hochzeitsgästen, jedoch hautsächlich mit der Dorfjugend. Eine Einladung war nicht nötig. Jeder konnte kommen. Beim Eintreffen schmissen die Poltergäste Porzellan vor den Eingang, so dass das Porzellan möglichst in viele kleine Stücke zerbrach. Achtung, es durften keine Teile aus Glas sein! Nur zerbrochenes Porzellan brachte Glück.

Am Tag der Hochzeit: Die Braut vorzugsweise in einem weißen Kleid, auf dem Kopf einen Schleier, der von einem Myrtenkranz gehalten wurde (der Kranz sollte offen sein, wenn die Braut keine Jungfer war) und der Bräutigam traditionell im schwarzen Gehrock mit Zylinder bzw. nach der Mode im Smoking oder Anzug mit Myrtensträußchen im Knopfloch. Das Brautpaar ging vom Haus der Braut mit seinen Familien und Gästen paarweise in einem festlichen Hochzeitszug durch das Dorf zur Kirche, voran Blumen streuende Kinder. Die Kuschkower säumten den Weg oder stellten sich "an Ecke" (Kreuzung von Kirch- und Dorfstraße, in der Mitte des Dorfes) als Guckgäste auf.

Nach der Trauung in der Kirche ging es in gleicher Weise mit Glockengeläut zurück zum Hochzeitshaus. Gleich an der Kirche hielten die Brautjungfern den Hochzeitszug mit einer geflochtenen Girlande auf und trugen dem Brautpaar ihre Wünsche als Gedicht vor. Auf dem Rückweg musste der Hochzeitszug mitunter weitere Girlandensperren passieren. Der Weg wurde erst freigegeben, nachdem der Bräutigam und die Herren des Hochzeitszuges Geld in den aufgehaltenen Hut oder Korb geworfen haben (was dann oft gleich "bei Koschack" an Ecke, der Gaststätte, in Bier umgesetzt wurde). Diejenigen, die die Girlande hielten, sagten ebenfalls einen Spruch auf.

Im Hochzeitshaus angekommen, begann das Hochzeitsmahl mit einer Geflügelsuppe zu Beginn, gefolgt von dem traditionellen Fischgericht bestehend aus verschiedenen Fischen: Zander, Karpfen, Aal, Hecht, Schlei in Bier gekocht mit einer braunen buttrigen Biersauce oder in der anderen Variante mit einer weißen Schnittlauch-Sahnesauce, danach folgte ein Gang mit Rinder- oder Kalbsbraten mit verschiedenem Gemüse und schließlich Schweinebraten mit Gemüse. Nachspeisen aus verschiedenen Eiercremespeisen, Puddings, Vanillesauce und Schlagsahne, Obstkompotte boten für jeden Geschmack etwas. Natürlich durften die begleitenden Getränke sowie Zigarren und Zigaretten für die Herren nicht fehlen (für Damen ziemte sich das Rauchen noch nicht). Familien, welche dem Brautpaar nahestanden und nicht geladen waren, schickten ihre Kinder mit Glückwunschkarten, auch Geldgaben oder Geschenken zum Hochzeitshaus. Als Dank erhielten die Kinder ein Stück Blechkuchen oder ein größeres Kuchenpaket für die Familie.

Am Abend gab es ein ähnlich großes Gelage mit Aufschnitt aus Wurst und Fleisch, Aal in Aspik, Bockwürsten, Kartoffelsalat und anderen Salaten. Wieder begleitet von reichlich Getränken. Danach tanzte man ausgelassen. Um Mitternacht setzt man das Brautpaar in die Mitte, die Brautjungfern tragen ein Gedicht vor während sie der Braut den Schleier abnehmen und ihr die Haube und dem Bräutigam die Zipfelmütze aufsetzen. Der Tanz geht weiter. Wenn sich das jungen Paar zur Hochzeitsnacht zurückzieht muss es mit Überraschungen rechnen. Die Jugend des Dorfes hat in der Regel Scherze ausgeheckt, die mitunter ziemlich derb ausfallen konnten.

Die folgenden Fotos der Hochzeitsgesellschaften werden wohl zumeist nach der Trauung und vor dem großen Hochzeitsmahl entstanden sein, alle Teilnehmer noch nüchtern und diszipliniert, durch den Fotografen sorgfältig arrangiert. Nach dem Essen, was immer auch mit reichlich Alkohol verdaut sein wollte, war die Etikette in manchen Fällen schon nicht mehr gewährleistet.


Hochzeit Frieda Jäzosch + ..?.. Scheffner um 1925, Frieda Jäzosch war die Tochter von Richard und Antonie Jäzosch; Hochzeitsgesellschaft vor dem Haus Dorfstraße 66 (alte Hausnummer, heute Dorfanger 9). Ganz links im Bild steht offenbar der Lehrer Fritz Wegener, der auch auf den Schulbildern von 1928 und 1931 zu sehen ist. Der Baumstamm rechts ist auf einer Tafel bezeichnet mit "Friedenseiche 1864 ▪ 1866 ▪ 1870-71", die Eiche ist inzwischen gefällt. Dem Heimatkalender von 1958 für den Spreewaldkreis Lübben ist auf Seite 61 zu entnehmen, dass die Eiche in die Liste der geschützten Naturdenkmale eingetragen war. Wer nähere Angaben zu diesem Bild machen kann (Jahreszahl, Name des Bräutigams), möchte sich bitte bei mir melden, Kontaktdaten siehe ganz unten.

 

Hochzeitsfoto ..?.. + ..?.. vom 1.8.1936, das Originalfoto ist datiert, um welche Hochzeitsgesellschaft es sich dabei handelt, konnte bisher nicht ermittelt werden. Der Junge vorn rechts vor dem Bräutigam ist Manfred Jäzosch, mein Vater, der spätere Müllermeister auf unserem Mühlengrundstück in Kuschkow, Gröditscher Straße 5. In der hintersten Reihe oben rechts seine Eltern und meine Großeltern, Emma und Bernhard Jäzosch, links daneben Johanna und Fritz Schneider, die Nachbarn. In der mittleren Reihe ganz rechts hinter dem Mädchen stehen Hedwig und Hermann Jäzosch, Bruder von Bernhard. Wer nähere Angaben zum Brautpaar machen kann, bitte bei mir melden.

 

Hochzeit Johanna Jäzosch + Paul Scheel im Juni 1937, Hochzeitsgesellschaft wieder vor dem Haus Dorfstraße 66 (alte Hausnummer, heute Dorfanger 9, siehe oben). Der Junge vorn rechts neben der Blumenvase ist wieder Manfred Jäzosch, mein Vater, der spätere Müllermeister. In der mittleren Reihe ganz rechts Arnold Jäzosch und ganz links Willi Jätzosch (sein Name in anderer Schreibweise). Alle Männer in Uniform waren Angehörige des zu dieser Zeit in Kuschkow neben dem Friedhof stationierten Reichsarbeitsdienstes (RAD, weitere Angaben dazu siehe hier und hier ). Das Haus im Hintergrund hat inzwischen eine moderne Dachrinne.

 

Hochzeit um 1930, Hochzeitsgesellschaft in Kuschkow mit einem unbekannten Hochzeitspaar. Direkt hinter der Braut steht Arnold Jäzosch, rechts neben ihm wahrscheinlich Hilde Jähnchen (geborene Konrad).

 

Hochzeitszug hinter dem Brautpaar um 1950 auf dem Weg zur Kirche, der erste Damenführer vorn rechts ist Manfred Jäzosch, noch unverheiratet. Das Fachwerkhaus Kirchstraße 3 mit Krüppelwalmdach im Hintergrund wurde vermutlich in den 1950er Jahren umgebaut, das gesamte Fachwerk wurde ersetzt durch Ziegelsichtmauerwerk (oder es wurde eine zusätzliche Ziegelwand vor dem Fachwerk aufgemauert ?). Auf der Startseite ist das Haus auf einem Foto aus dem Zeitraum zwischen 1961 und 1972 bereits als Ziegelbau zu sehen.

 


Hochzeit Jutta Thiele + Manfred Jäzosch am 14.1.1952, meine Eltern, Hochzeitsgesellschaft auf dem Mühlengrundstück und Hof Gröditscher Straße 5 in Kuschkow. Darunter noch einmal das Hochzeitspaar separat in vorschriftsmäßiger Kleidung und ihr nur wenige Jahre danach erworbener "Adler-Trumpf Cabriolet", der ganze Stolz des Bräutigams und späteren Müllermeisters. Die Namen aller Personen der Hochzeitsgesellschaft auf dem großen Foto sowie eine Vergrößerung dieses Fotos findet man auf der Mühlenseite.

 

Hochzeit von Agnes und Franz Rattei um 1952, Hochzeitsgesellschaft vor ihrem Haus Alte Straße 4 in Kuschkow. Links neben der Braut sitzen die Eltern des Bräutigams; rechts neben dem Bräutigam die Brautmutter Städter. In der zweiten Reihe rechts steht Gustav mit Frieda Rattei, Onkel und Tante des Bräutigams, daneben der Bruder des Bräutigams Kurt Rattei mit Frau. Direkt hinter der Braut steht Siegfried Jäzosch. In der letzten Reihe oben zweite Person von links Jutta Jäzosch neben Manfred Jäzosch.


Hochzeit Elfriede Wolff + Kurt Michelchen um 1956, Hochzeitsgesellschaft vor ihrem Haus Dorfstraße 4 (heute Dorfanger 4), damals noch mit der ursprünglichen Stuckfassade und einer hölzernen Eingangslaube. Elfriede Wolff (1931-2016) war die Tochter des Bruders Emil von meiner Großmutter Emma Jäzosch, geborene Wolff. Das kleine Mädchen direkt vor der Braut bin ich, schräg links hinter der Braut meine Eltern Jutta und Manfred Jäzosch und hinter diesen ist etwas verdeckt der Kopf meiner Großmutter Emma Jäzosch zu sehen.

 


Zwei Bilder von der Hochzeit Gertraud Gdawitz + Siegfried Jäzosch um 1964, Siegfried (1932-2021) war der Sohn von Hedwig und Hermann Jäzosch; Hochzeitsgesellschaft vor ihrem Haus Dorfstraße 15 in Kuschkow, mit den Geschwistern, Regina, Ruth, Ilse und Werner von Siegfried Jäzosch. Rechts hinter dem Bräutigam stehen Jutta und Manfred Jäzosch. Regionalgeschichtlich interessant ist die ungewöhnlich große traditionelle Eingangs-Vorlaube vor dem Haus, verziert mit Lattenwerk und Sägearbeit ‒ eine Tradition, die offenbar auch das Ortsbild von Kuschkow geprägt hat. Weitere Informationen zu diesen besonders in der Niederlausitz früher weit verbreiteten Eingangslauben finden Sie hier:

 

Hochzeit Kunze vermutlich um 1960, die Hochzeitsgesellschaft vor dem Hof Kunze in der Alten Straße. Das dritte Paar von rechts oben in der letzten Reihe sind Ellen Schneider mit ihrem Tischherrn, dem Bruder der Braut. (Foto: Familienarchiv Schneider/Paech)
 

Hochzeit Kunze um 1960 (siehe oben), links das Brautpaar Kunze vor dem Hoftor in der Alten Straße. Das Hoftor ist mit einer prächtigen Girlande geschmückt. Alle Girlanden für das Hoftor, die Eingangstür des Hochzeitshauses und den Kircheneingang flechten traditionell die Brautjungfern, sie schmücken auch Altar und Kirchenschiff. Auf dem rechten Bild zwei Gästepaare, dabei links wieder Ellen Schneider mit Ihrem Tischherren, dem Bruder der Braut, sowie rechts Ingrid Wilke mit ihrem Tischherrn Zink. Jeder offizielle Hochzeitsgast bekam zur Gesellschaft eine passende Tischdame bzw. einen Tischherren zugeordnet. Wenn sich kein passender Partner unter den Gästen fand, wurde zusätzlich eine geeignete Person eingeladen. Ellen Schneider wohnte auf dem Hof Gröditscher Straße 6 und war damit unsere direkte Nachbarin. (Beide Fotos: Familienarchiv Schneider/Paech)

Hochzeit Kunze um 1960 (siehe oben). Der Hochzeitszug nach der Trauung in der Kirche auf dem Weg zum Hochzeitshaus. Der Hochzeitszug passierte gerade eine Girlande, welche anscheinend von Kindern aufgehalten wurde. Mit einer Girlande wird dem Hochzeitszug der Weg versperrt, so dass er halten muss. Die Girlandenträger sagen ein Gedicht oder einen auf das Brautpaar zugeschnittenen Text auf und geben den Weg frei, nachdem der Bräutigam einen Obolus entrichtet hat. Auch die restlichen Herren der Hochzeitsgesellschaft müssen Geld lassen. Die Dorfbewohner, vor allen der weibliche Teil, säumen als Schaugäste den Weg und bestaunen die Braut und die schönen Kleider der Damen. Rechts das Wohnhaus Kirchstraße 22 bereits im umgebauten Zustand. Ursprünglich hatte dieses Haus eine traditionelle Eingangslaube, auf der Startseite ist es im alten Zustand von 1933 zu sehen. (Foto: Familienarchiv Schneider/Paech)
 

Hochzeit Kunze um 1960 (siehe oben). Der Hochzeitszug trifft vor dem Hochzeitshaus in der Alten Straße 2 ein (damals noch Koinzstraße ?). Gut sichtbar ist die noch vorhandene traditionelle Fachwerkkonstruktion, der linke Hausteil ist offenbar bereits massiv erneuert. (Foto: Familienarchiv Schneider/Paech)

 

Hochzeit Ellen Schneider + Eberhard Peach um 1965, Hochzeitsgesellschaft auf dem Hof Schneider in Kuschkow vor dem Wohnhaus und dem erst kurz vorher fertiggestellten und noch nicht verputzten Eingangsvorbau.
Rechts neben dem Bräutigam sitzt die Brautmutter Anna Schneider, daneben die Großeltern Brandt mit den Enkeln Marina und Ingo vor ihnen. Rechts hinter dem Enkel steht das Ehepaar Kranz, die Schwester des Bräutigams. Zwischen den Köpfen des Ehepaars Kranz sieht man hinter ihnen den Kopf von Emma Jäzosch (meine Großmutter). Weiter in der zweiten Reihe von rechts die 4. und 5. Person sind Fritz Lanto (der Cousin der Braut, er lebte während seiner Ofensetzerlehre bei Schneiders) mit seiner Ehefrau Ilse im weißen Kleid.
In der letzten Reihe von rechts, die erste Frau mit Kind ist unbekannt, zweite und dritte Person von rechts das Ehepaar Brandt (die Eltern der beiden Kinder ganz vorn). Dann folgen Manfred und Jutta Jäzosch (meine Eltern) sowie Willi Städter, der Musiker mit seiner Frau Waltraud.
Vorn links neben der Braut sitzt Ihre Schwiegermutter Paech. In der Reihe dahinter ganz links steht Johanna Schneider, die Tante der Braut mit einem Kind im Arm (fast verdeckt von den Jungen davor). Rechts neben der Tante steht eine unbekannte Frau, danach Hannelore Moschütz (Schübel) mit ihrem Tischherrn. Ich bin das kniende Mädchen im weißen Kleid ganz vorn links außen. Wenn Sie eine Vergrößerung dieses Bildes sehen wollen, dann klicken Sie hier: (Foto: Familienarchiv Schneider/Paech)

 

Hochzeitsfoto Fritz Lanto + Ilse Schönberg aus Guhlen um 1963 vor seinem Haus in Goyatz. Links neben der Braut sitzt Anna Schneider aus Kuschkow, seine Tante und Ersatzmutter. Hinter dem Brautpaar in der Mitte steht Ellen Schneider, seine Cousine. Fritz Lanto wurde am 18.9.1937 in Goyatz geboren. Sein Vater Fritz fiel im Zweiten Weltkrieg, seine Mutter verstarb schon 1953. Wegen des Todes seiner Mutter konnte er seine Lehre erst im Februar 1954 beim Ofensetzermeister Fritz Weinert in Groß Leuthen beginnen. Während seiner vierjährigen Lehrzeit wohnte er in Kuschkow bei seiner Tante Johanna ("Anni") Schneider, deren Familie zu seiner Ersatzfamilie wurde. Danach arbeitete er in Königs Wusterhausen bei einer Ofensetzergenossenschaft und legte dort die Meisterprüfung ab. Zurückgekehrt nach Goyatz machte er sich 1960 selbstständig. In unserem Haus wie auch in vielen anderen Kuschkower Häusern setzte er Öfen oder setzte bei Notwendigkeit die Öfen um. Fritz Lantos Ofensetzerbetrieb in Goyatz ging an seinen Sohn über, auch sein Enkel lebt die Ofensetzertradition seiner Familie weiter. (Foto: Familienarchiv Schneider/Paech)


Hochzeitsfoto Herta Städter + ..?.. Albrecht um 1963 in Kuschkow, der Vorname des Bräutigams fehlt noch. Das Foto wurde wahrscheinlich vor dem Haus Städter aufgenommen. Neben dem Bräutigam sitzt die Brautmutter. Die beiden gleich gekleideten Mädchen jeweils mit dunkler Schleife am Kragen sind die Nichten der Braut. Hinter der Brautmutter steht die Schwester der Braut, Agnes Rattei mit ihrem Mann Franz Rattei rechts hinter ihr (siehe deren Hochzeitsfoto 1952 oben), die Eltern der beiden Mädchen mit dunkler Schleife. Links im Bild steht das Ehepaar Schmidtchen, sie die dritte Person von links in der Damenreihe, er links hinter ihr. Rechts hinter der Braut steht Ellen Paech, unsere Nachbarin.
 

Die Hochzeitsgesellschaft Städter-Albrecht steht Spalier vor dem Hochzeitshaus in Erwartung des Brautpaares. Die beiden Rattei-Töchter werden gerade ausgeladen und als Blumenmädchen fein gemacht. Rechts noch einmal das Brautpaar allein vor der mit Girlanden geschmückten Haustür. (Drei Fotos: Familienarchiv Schneider/Paech)


Hochzeitsfoto ..?.. + ..?.. wohl um 1963 in Kuschkow, um welche Hochzeitsgesellschaft es sich handelt, konnte nicht ermittelt werden, das Brautpaar ist unbekannt (wer nähere Angaben zu diesem Bild machen kann, möchte sich bitte bei mir melden). In der zweiten Reihe ganz links steht Ellen Schneider (später Paech) mit Schürze, in der selben Reihe die dritte Frau von links ist Helga Scheel. Auf der rechten Seite hinter der Brautmutter steht Herta Albrecht (Städter) mit ihrem Mann rechts hinter ihr.
 

Noch einmal das Hochzeitspaar allein vor der mit Girlanden geschmückten Haustür sowie rechts Ellen Schneider mit der zweiten "Brautjungfer". Bei Hochzeiten wurden in der Regel zwei "Brautjungfern" zum Auftragen bestellt. Sie hatten die Gäste während der gesamten Feier zu bedienen, die jeweiligen Gänge des Hochzeitsmahles auf die Tafel zu tragen, benutztes Geschirr abzuräumen und die Gäste mit Getränken zu versorgen. Am Ende der Feier wussten beide, was sie gemacht hatten. (Drei Fotos: Familienarchiv Schneider/Paech)



Hochzeit Franzka um 1963 in Kuschkow. Oben die Hochzeitsgesellschaft wohl vor dem Wohnhaus Franzka (das Originalfoto leider in schlechter Bildqualität). Ganz rechts neben dem Brautpaar sitzt der Kaufmann Franz Güthler mit Ehefrau, dessen Laden in Kuschkow 1960 von seinem Neffen und ehemaligen Lehrling, dem späteren Kaufmann Günter Mentz übernommen wurde. Hinter Frau Güthler steht Ellen Schneider.

Links das Brautpaar beim Verlassen der Kirche nach der Trauung: Die "Brautjungfern" versperren mit einer Girlande den Weg und sagen offenbar einen ergreifenden Text auf. (Fotos: Familienarchiv Schneider/Paech)






 
 

Hochzeit Erna Wolff + Ewald Piesker 1931. Hochzeitsgesellschaft mit Erna Wolff (1903-1984) und Ewald Piesker (1896-1972) vor dem Elternhaus in Groß Leuthen. Erna Wolff war die Tochter des Müllers Otto Wolff (1865-1954), dem älteren Sohn des Müllermeisters und Mühlenbesitzers Theodor Wolff und Ehefrau Mathilde der Kuschkower Mühle.
Otto Wolff und seine Frau Emma hatten Hof, Wirtschaft mit Wohnhaus, Fleischerei und Laden von Emmas Eltern in Groß Leuthen übernommen. Die Brauteltern Emma und Otto Wolff sitzen rechts neben dem Bräutigam. Ganz rechts sitzt August Schneider mit seiner Frau Marie, geborene Kschischang, aus Kuschkow. Fritz Wolff, der Bruder der Braut steht hinter ihr links. In der gleichen Reihe links von Fritz steht Franz Schneider und links ganz außen Johanna Schneider aus Kuschkow, die 12 Jahre alte Schwester von Franz. Es sind Sohn und Tochter von August und Marie Schneider aus Kuschkow. Links neben der Braut sitzen ihre Schwiegereltern. In der letzten Reihe der Herr mit Brille, Zigarre und weißer Blume im Knopfloch ist der Arzt von Groß Leuthen. Die Braut war Köchin und in seinem Arzthaushalt angestellt. Der Herr ganz rechts außen mit den vielen Orden ist der Hufbeschlagmeister Henke, der an der tierärztlichen Hochschule in Berlin ausgebildet wurde. (Foto: Familienarchiv Piesker)

 

Silberhochzeit von Erna und Ewald Piesker 1956. Vorn links im Bild ihr Sohn Ulrich Piesker, links neben Erna ihre Mutter Emma, ganz hinten links Emma Jäzosch, Ernas Cousine.

 

Hochzeitsfoto ..?.. + ..?.. wohl Mitte der 1920er Jahre, um welche Hochzeitsgesellschaft und welchen Ort es sich handelt, konnte nicht ermittelt werden, das Brautpaar ist unbekannt (wer nähere Angaben zu diesem Bild machen kann, möchte sich bitte bei mir melden). In der letzten Reihe das zweite Paar von links sind die noch ledigen Geschwister Erna und Fritz Wolff. In der mittleren Reihe ganz rechts eine Frau in Spreewaldtracht. (Foto: Familienarchiv Piesker)

 

Hochzeitsfoto ..?.. + ..?.. um 1928 in Riegel oder Tiegling im Kreis Hoyerswerda, Hochzeitsgesellschaft vor einem Bauernhaus mit massivem Erdgeschoss und Fachwerk-Oberstock, das Brautpaar ist unbekannt. Es handelt sich um eine Hochzeit in sorbischer Tradition. Ganz rechts im Bild steht der Hochzeitsbitter, er trägt ein (in der Regel bunt besticktes) Tuch, welches zusammen mit einem Sträußchen am Revers befestigt ist. In der linken Hand hält er den mit Blumen und bunten Bändern geschmückten Zylinder sowie den Zeremonienstab (Bitterstock, Bitterstab); weitere Angaben dazu siehe unten im nächsten Abschnitt. Die Hochzeitstür ist nach sorbischem Brauch mit Girlanden und Willkommensgruß geschmückt ("Glück und Segen zum Einzug").
In der hinteren Reihe, zweite und dritte Person von links, stehen die Eheleute Marie und August Schneider. Der Müllermeister Kschischank (auch: Kschischang, Kschyschang), zweiter Ehemann der verwitweten Hildegard Wolff, Frau des Müllermeisters Theodor Wolff, kam aus Riegel, Kreis Hoyerswerda, nach Kuschkow. Aus dieser Ehe ging die Tochter Marie hervor. Marie heiratete August Schneider aus Tiegling, Kreis Hoyerswerda.
Wer nähere Angaben zu diesem Bild machen kann, möchte sich bitte bei mir melden. Wenn Sie eine größere Ansicht dieses historisch sehr interessanten Fotos sehen möchten, dann klicken Sie hier: (Foto: Familienarchiv Schneider/Paech in Kuschkow)

 

Hochzeitsfoto ..?.. + ..?.. um 1935, Hochzeitsgesellschaft in Riegel oder Tiegling im Kreis Hoyerswerda vor demselben Haus wie oben, inzwischen renoviert, das Brautpaar ist auch hier unbekannt. Wieder ist die Hochzeitstür nach sorbischem Brauch mit Girlanden und Willkommensgrüßen geschmückt. Ganz links im Bild steht der Hochzeitsbitter mit Zylinder und Zeremonienstab (Bitterstock, Bitterstab) in der Hand, das bunte Tuch am rechten Revers mit einem Strauß befestigt, der Zylinder mit bunten Bändern und Blumenstrauß geschmückt; weitere Angaben dazu siehe unten im nächsten Abschnitt. Ganz links in der letzten Reihe steht August Schneider aus Kuschkow (ohne seine Frau Marie), links hinter der Braut steht sein Sohn Franz Schneider mit seiner Tischdame.
Wer nähere Angaben zu diesem Bild machen kann, möchte sich bitte bei mir melden. Wer eine größere Ansicht dieses historisch sehr interessanten Fotos sehen möchten, kann hier klicken: (Foto: Familienarchiv Schneider/Paech in Kuschkow)

 

Hochzeitsfoto ..?.. + ..?.. um 1934, Hochzeitsgesellschaft wieder in Riegel oder Tiegling im Kreis Hoyerswerda, das Brautpaar ist unbekannt. Das Hochzeitstor zum Bauernhof ist nach sorbischem Brauch mit Girlanden geschmückt. Der vermutlich aus Fachwerk errichtete Oberstock des Bauernhauses ist hier senkrecht verbrettert.
Die Eheleute Marie und August Schneider aus Kuschkow sitzen in der ersten Reihe ganz links hinter den Kindern, sie waren die Eltern von Johanna Schneider ("Hannchen", hinten in der letzten Reihe zweite von links). Der Müllermeister Kschischank (auch: Kschischang, Kschyschank), zweiter Ehemann der verwitweten Hildegard Wolff, Frau des Müllermeisters Theodor Wolff, kam aus Riegel im Kreis Hoyerswerda nach Kuschkow. Aus dieser Ehe ging die Tochter Marie hervor. Marie heiratete August Schneider aus Tiegling, ebenfalls Kreis Hoyerswerda.
Wer nähere Angaben zu diesem Bild machen kann, möchte sich bitte bei mir melden. Wer eine größere Ansicht dieses historisch interessanten Fotos sehen möchte, kann hier klicken: (Foto: Familienarchiv Schneider/Paech in Kuschkow)

 




Wendische / Sorbische Hochzeiten

Viele Bräuche der Wenden haben sich lange gehalten und sind teilweise noch heute in abgewandelter Form auch in Kuschkow anzutreffen, wie z.B. das Zampern. Die wendische Ortsbezeichnung für Kuschkow lautet Ku¹kow. Auch die Hochzeitsbräuche wurden lange Zeit gepflegt. Die beiden folgenden Fotos aus der Zeit um 1925 zeigen die übliche wendische Tracht und teilweise deuten sie auch den Brauch an. Der Ort dieser Hochzeit und die Personen sind bis auf eine Ausnahme (meine Patentante) unbekannt. Trachtenkundige können sicher eine genauere Bestimmung vornehmen, da jedes Dorf eigene Trachtenelemente aufweist. Ich versuche Erklärungen, soweit auf den Bildern nicht eindeutig sichtbar, mit Hilfe von Wikipedia und Informationen aus besuchten Museen. Die Braut in der Mitte trägt schwarz, also einen schwarzen Rock, eine ausgeschnittene bestickte schwarze Jacke und auf dem Kopf die weiße Haube, welche von einem Myrtenkranz ("Girlande") gehalten ist. Weiße Strümpfe gehören dazu und schwarze Schuhe. Der Bräutigam trägt einen Zylinder, einen schwarzen Gehrock mit einem Myrtensträußchen im Knopfloch und an der Armkrempe, dazu bunte Bänder, schwarze Hose und Schuhe.

Interessant sind auch die beiden Paare neben dem Brautpaar. Links von der Braut scheint der Hochzeitsbitter zu stehen. Er trägt eine bunt bestickte Schärpe und ein buntes Tuch, welches zusammen mit einem Sträußchen an der Brust befestigt ist. Man erkennt auch einen Degen. Er trägt seinen Hut, welcher ebenfalls mit bunten Bändern und einem Sträußchen geschmückt ist, wie auch die anderen beiden Herren in der Hand. Der Herr rechts außen trägt ebenfalls einen Degen, aber keine Schärpe. Die beiden Damen sind ebenfalls mit schwarzen Röcken und Schürzen bekleidet, dazu anscheinend ein schwarzes Mieder mit einem weißen Schultertuch, welches am Rand einen schwarzen Streifen hat. Darunter eine weiße Bluse. Beide tragen ebenfalls weiße Hauben, welche von einer wahrscheinlich bunten Blumenkrone (Girlande) gehalten wird. Es sind sicher die erste und zweite Brautjungfer (auch erste und zweite Patin genannt). Im Hintergrund an der Haustür sind Bänder angebracht, vielleicht mit Sprüchen.

Nicht in allen sorbischen Regionen trugen die Hochzeitsbitter einen Degen, vielfach wurden auch Stöcke (Bitterstock, Bitterstab) als Zeremonienstäbe getragen, siehe dazu die Fotos oben aus der Umgebung von Hoyerswerda. Weitere Informationen dazu findet man auf der Website des Sorbischen Instituts Bautzen, siehe Literaturverzeichnis.




Auf dem Bild mit der gesamten Hochzeitsgesellschaft rahmen die beiden eben beschriebenen Paare wieder das in der Mitte stehende Brautpaar ein. Sechs Damen, davon zwei in der ersten und vier in der zweiten Reihe tragen im Gegensatz zum Brautpaar und den beiden anderen Paaren ihre sehr bunten Trachten mit weißen Hauben von Blumengirlande gehalten. Es scheinen sechs weitere Brautjungfern jeweils mit ihren Herren zu sein. Die Damen dahinter und daneben sind ebenfalls in bunter Tracht und bunt bestickter Haube (ohne Girlande). Dahinter anscheinend die älteren Damen in bunter Tracht mit weißen Hauben ohne jeden weiteren Schmuck. Einzig die Braut trägt eine schwarze Jacke.

Die Musikanten auf der rechten Seite hinten und einer auf der linken Seit vorn tragen nur schwarze Westen über dem weißen Hemd und schwarzer Hose. Teilweise sieht man auch Kinder in Tracht, aber ohne Haube. Das Hoftor zum Hochzeitshof wurde zur "Ehrenpforte" geschmückt mit geflochtenen Girlanden aus Tannengrün, darin sind Hüte und Bänder befestigt als weiterer Schmuck. Unter der geflochtenen Girlande sieht man eine Leine mit weißen und farbigen Tüchern, welche bestickt sind. Nachfolgend noch einmal das Hochzeitspaar in einer Einzelaufnahme sowie ein Mädchen um 1920 in Spreewälder Tracht. Dazu gab es einen kleinen Beitrag von Gerhard Wiesner im Lübbener Kreis-Kalender von 1931 (siehe unten im Literaturverzeichnis, oder direkt hier: ).




Wendische / Sorbische Hochzeitsbräuche

Rechtzeitig vor der Hochzeit sprechen die Eltern des Brautpaares, das Brautpaar und der Hochzeitsbitter (Braschka) die Hochzeit ab. Der Braschka, eine Art Zeremonienmeister, spricht den Gästen persönlich die Einladung aus und leitet die Feier von Beginn bis Ende.

Der Hochzeitstag begann zunächst für Braut und Bräutigam getrennt. Im festlich geschmückten Haus des Bräutigams begrüßten er und seine Eltern ihre Gäste und Verwandten. Der Hochzeitsbitter hielt eine komische Rede über Braut und Eheleben, die Gäste wurden bewirtet mit Speisen und Getränken. Anschließend bat der Bräutigam um Vergebung seiner Sünden und wurde aus seinem Elternhaus verabschiedet. Angeleitet vom Hochzeitsbitter begab sich die Hochzeitsgesellschaft des Bräutigams zum Elternhaus der Braut, um sie abzuholen. Zwei Brautdiener eilten voraus, um die Ankunft anzukündigen.

Im Elternhaus der Braut trafen sich ihre Verwandten und Gäste zur Verabschiedung der Braut. Die Braut bedankte sich bei Ihren Eltern und Geschwistern für die gemeinsame Zeit. Sodann lud man den gesamten Hausrat der Braut auf geschmückte Wagen und fuhr diesen zum neuen Heim des Paares (oft das Elternhaus des Bräutigams). Inzwischen traf der Hochzeitszug des Bräutigams vor dem Haus der Brauteltern ein. Der Hochzeitsbitter warb zunächst vergeblich um die Braut bis er sie schließlich freikaufen und an den Bräutigam überreichen konnte. Damit konnte die "Aussegnung" der Braut aus dem Elternhaus erfolgen. Dann begab sich der Hochzeitszug, angeführt von den Brautjungfern bzw. heutzutage von den Blumenkindern zur Kirche. Im Anschluss an die Trauung begibt sich der Hochzeitszug zur Einsegnung in das neue Heim der Brautleute oder in ein Gasthaus. Auf dem Weg dorthin gilt es mehrere Girlandensperren durch Freikauf zu passieren. Das Hochzeitsmahl aus vier Gängen (Hochzeitssuppe, Rindfleisch mit Meerrettichsoße und Brot, Kalbsbraten und einem Dessert), begleitet von Bier, Schnaps und Wein, kann dann endlich beginnen. Kaffee und Kuchen, sowie belegte Brote wurden im Anschluss serviert. War das Hochzeitsmahl eingenommen zog die Hochzeitsgesellschaft mit einer Kapelle zur Schenke oder wenn der Platz reichte, fand der Tanz im Hochzeitshaus statt. Um Mitternacht wurde der Braut der Brautkranz abgenommen bzw. der Schleiertanz fand statt. Mit diesem Brauch galt das Brautpaar als Ehepaar. War die Feier beendet, wurde das Paar vom Brautführer und Brautjungfern nach Hause begleitet.

Am Tag nach der Hochzeit fand sich die Hochzeitsgesellschaft erneut im Haus der nun Vermählten zusammen und feierte gemeinsam bis spät.

 

 




Quellen- und Literaturverzeichnis

Hinweis: Hier finden Sie nur Literaturangaben zum Inhalt dieser Seite im weitesten Sinne. Das allgemeine Literaturverzeichnis zu Kuschkow und der Niederlausitz als Thema der gesamten Website finden Sie auf der Hauptseite (Startseite, siehe hier: ).

Beeskow, Hans-Joachim: Führer durch die evangelischen Kirchen des Kirchenkreises Lübben. Evangelischer Kirchenkreis Lübben, Heimat-Verlag Lübben 1998; Seiten 120-122

Brandenburgisches Landeshauptarchiv ‒ BLHA, im Internet unter https://blha.brandenburg.de (siehe direkt hier: ) mit Rechercheangeboten zu sämtlichen historischen Dokumenten der brandenburgischen Landesgeschichte. Viele der Dokumente sind inzwischen digitalisiert und per Internet frei zugängig, auch diverse Fachbücher kann man sich als PDF-Dateien herunterladen.

Chronik der Gemeinde Kuschkow. Herausgegeben von der Gemeindevertretung Kuschkow zur 675-Jahrfeier 2003; Redaktion und inhaltliche Bearbeitung durch Familie Gerhard Scheibe; Kuschkow 2003

Düringsfeld, Ida von / Reinsberg-Düringsfeld, Otto von: Hochzeitsbuch. Brauch und Glaube der Hochzeit bei den christlichen Völkern Europas. Verlag von J. G. Bach, Leipzig 1871 (digitalisiert von Google). Seiten 167-178: Die Wenden, Seiten 214-218: Die Marken.

Kaak, Heinrich: Die brandenburgische Ortsgeschichte in Personen, Familien und ländlichen Schauplätzen. Brandenburgische Historische Kommission e.V., Potsdam 2011; separat publiziert als "Leitfaden für Ortschronisten in Brandenburg". Als PDF zu finden auf der Website des Brandenburgischen Landeshauptarchivs unter https://blha.brandenburg.de

Lübbener Kreiskalender (Kreis-Kalender) in historischen Ausgaben ab 1913 (Stand Dezember 2022), digitalisiert als PDF mit vielen interessanten Beiträgen auch zu Kuschkow und Umgebung, findet man auf der Website der Stadt- und Landesbibliothek Potsdam unter https://opus4.kobv.de/opus4-slbp/solrsearch/index/search/searchtype/collection/id/18476

Neumann, Johann Wilhelm: Die Verhältnisse der Niederlausitzischen Landbewohner und ihrer Güter von den frühesten bis auf die neuesten Zeiten. Ein Beitrag zum Niederlausitzischen Provinzial-Rechte. Lübben bei C. T. Gotsch, 1835. Digitalisiert von der Staatsbibliothek zu Berlin / Preußischer Kulturbesitz. Enthält eine detaillierte Darstellung der sozialen Schichten innerhalb eines Dorfes mit ihren unterschiedlichen Besitzverhältnissen, Rechten und Pflichten.

Norberg, Madlena / Kosta, Peter (Hrsg.): Sorbische / Wendische Spuren in der nördlichen Niederlausitz. Potsdamer Beiträge zur Sorabistik, Universitätsverlag Potsdam 2019. Darin ab Seite 107: Tobias Preßler: Die Argumente in der Politik gegenüber den Sorben in der Niederlausitz ‒ nachvollzogen und erläutert an drei Phasen aus der Zeit zwischen dem 17. und 20. Jahrhundert. Digitalisiert von Google für den Universitätsverlag Potsdam (Open Access, Lizenz CC BY, siehe direkt hier: )

Scheibe, Gerhard: Beiträge zur Geschichte der Gemeinde Kuschkow, Kreis Lübben. Kuschkow 1978 (erschienen im Eigenverlag der Gemeinde zur 650-Jahrfeier)

Sorbisches Institut e.V. Bautzen "Sorabicon" (https://www.sorabicon.de), Website mit einer speziellen und ausführlichen Unterseite zum Thema Hochzeit, siehe direkt hier: (abgerufen am 20.5.2024)

Starosta, Manfred: Dolnoserbsko-nimski slownik / Niedersorbisch-deutsches Wörterbuch. Domowina-Verlag, Bautzen 1999

Starosta, Manfred / Hannusch, Erwin / Bartels, Hauke: Deutsch-Niedersorbisches Wörterbuch. Digital zu finden auf der Website des Sorbischen Instituts Bautzen unter https://www.dolnoserbski.de/dnw/ (siehe direkt hier: ) ‒ die Umkehrform, das Niedersorbisch-deutsche Wörterbuch, findet man unter https://www.dolnoserbski.de/ndw/ (siehe direkt hier: ). Hinweis: Die Feineinstellungen unter der Suchmaske sind unbedingt zu beachten (besonders: Schreibung), sonst findet man gar nichts.

Tetzner, Franz: Die Slawen in Deutschland. Beiträge zur Volkskunde ... Druck und Verlag von Friedrich Vieweg und Sohn, Braunschweig 1902 (im Internet zu finden als PDF, digitalisiert von Google); Seiten 282-345: Die Sorben. Mit Angaben zu Dorfformen, Gehöft und Hausbau, Göttern und Geistern, Sitten und Gebräuchen (z.B. Hochzeit, Spinnstube, Aberglaube); vieles davon ist auch in die deutschen Dörfer eingedrungen und wurde dort gelebt, auch in Kuschkow. Die Seiten 282-345 finden Sie als Textauszug aus dem PDF von Google direkt hier:

Website "md museum-digital" (https://www.museum-digital.de, siehe direkt hier: ), eine nach Bundesländern, Regionen, Orten und Themen sortierte Plattform, auf der große und kleine Museen Informationen zu ihren Objekten veröffentlichen können, darunter auch Bild- und Fotosammlungen

Wegener, Fritz: Beiträge zur Chronik des Dorfes Kuschkow. Enthalten in: Lübbener Kreis-Kalender 1927, Verlag des Lübbener Kreisblattes, Buchdruckerei Richter & Munkelt, Lübben (Spreewald); Seiten 46-51 (siehe direkt hier: )

Wegener, Fritz: Die 600-Jahrfeier der Dorfgemeinde Kuschkow. Enthalten in: Lübbener Kreis-Kalender 1929, Verlag des Lübbener Kreisblattes, Buchdruckerei Richter & Munkelt, Lübben (Spreewald); Seite 44 (siehe direkt hier: ; der Name des Lehrers Wegener ist im Artikel falsch als "Wegner" angegeben)

Wiesner, Gerhard: Die wendischen Volkstrachten in der Niederlausitz. Enthalten in: Lübbener Kreis-Kalender 1931, Verlag des Lübbener Kreisblattes, Buchdruckerei Richter & Munkelt, Lübben (Spreewald); Seiten 63-65 (siehe direkt hier: )

Zeitzler, Kurt: Aus der Geschichte der Kirchengemeinde Krugau-Kuschkow (nach alten Büchern und Urkunden der Pfarre). Enthalten in: Lübbener Kreis-Kalender 1928, Verlag des Lübbener Kreisblattes, Druck von Richter & Munkelt, Lübben N-L.; Seiten 54-56. Hier können Sie diesen Beitrag als PDF lesen:

Zwahr, Johann Georg: Niederlausitz-wendisch-deutsches Handwörterbuch. Herausgegeben von J. C. F. Zwahr, Druck von Carl Friedrich Säbisch, Spremberg 1847. Digitalisiert und als PDF zur Verfügung gestellt z.B. von Google (siehe direkt hier: ).


 


 

 
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